Hertha BSC

Große Erwartungen

Kalou steht im Hertha-Kader gegen Mainz. Nicht immer überzeugten Stareinkäufe sofort

Ist er schon drin? Es ist die einzige Frage, die die Fans von Hertha BSC derzeit umtreibt. Die Rede ist von Salomon Kalou, Herthas neuem Star. Seit Donnerstag ist der 29 Jahre alte Angreifer in der Hauptstadt. Und nun, nun fiebern die Berliner seinem Debüt entgegen.

Selten zuvor wurde die Bekanntgabe von Herthas 18er-Kader derart neugierig beäugt wie vor der Partie gegen Mainz 05 an diesem Sonnabend (15.30 Uhr/Sky und im Liveticker bei immerhertha.de). Seit Freitagmittag ist klar: Kalou ist drin, die Hoffnung auf eine Hertha-Premiere vor heimischem Publikum lebt. Trainer Jos Luhukay hat den Ivorer nach nur zwei Trainingseinheiten in die engere Auswahl berufen. Dass mit Valentin Stocker ein Konkurrent aus der Offensivabteilung außen vor bleibt, macht einen Einsatz Kalous nicht unwahrscheinlicher. Die Frage ist nur: Spielt er auch sofort? Und wenn ja, wie? Große Erwartungen.

Luizao und Alves floppten

Nichts hält den Berliner Bundesligisten momentan so sehr in Atem wie Kalou. Verwunderlich ist das nicht, schließlich zählt der Angreifer zu den erfolgreichsten Spielern, die je das Hertha-Trikot übergestreift haben: Englischer Meister, viermaliger englischer Pokalsieger und Champions-League-Gewinner mit dem FC Chelsea – zudem zweimaliger WM-Teilnehmer. Für Berliner Verhältnisse ist Kalou ein absoluter Star-Einkauf, und nicht wenige trauen ihm zu, auch den Rest der Liga zu elektrisieren. Eine derart eindrucksvolle Titelsammlung aber weckt auch gewaltige Erwartungen – ein Phänomen, das bei Hertha bestens bekannt ist. Namhafte Zugänge wurden von Fans und Verantwortlichen in der Vergangenheit stets mit großen Hoffnungen verknüpft, insbesondere dann, wenn es sich bei ihnen um Offensivspieler handelte.

„Wir haben einen Weltmeister verpflichtet“, verkündete Herthas damaliger Manager Dieter Hoeneß 2002. Dass der Brasilianer Luizao bei der gerade abgelaufenen WM in Japan und Südkorea lediglich 38 Minuten gespielt hatte – geschenkt. Wer als Ersatzmann für den großen Ronaldo gut ist, kann für Hertha schließlich nicht schlecht sein. Bei seinem Debüt in Blau-Weiß gegen Stuttgart bereitete Luizao immerhin einen Treffer vor, danach aber kam nichts mehr. Bis der vermeintliche Torgarant seinen ersten Treffer erzielte, sollten knapp sieben Monate vergehen.

Auch auf Fredi Bobic, der 2003 als Nachfolger des Rekordtorschützen Michael Preetz präsentiert wurde, ruhten große Hoffnungen. Bei Hannover 96 hatte der Nationalspieler zuvor 14 Tore in nur 27 Spielen erzielt. Eine verheißungsvolle Quote, an die der ablösefreie Stürmer in Berlin aber nicht annähernd anknüpfen konnte. Zu seinem Debüt setzte es ein 0:3 gegen Werder Bremen, ehe Bobic im fünften Einsatz zwei Tore gelangen. Da Hertha dabei jedoch 2:3 gegen Hannover verlor, war sein Doppelpack reichlich egal.

Alles andere als egal war die Ablösesumme für Alex Alves. Schließlich gibt es kaum einen besseren Nährboden für tiefe Enttäuschungen als hohe Transferzahlungen. Mit 7,6 Millionen Euro ist der Brasilianer bis heute der teuerste Einkauf der Hertha-Historie. Sein erster Einsatz: Rostock, Ostseestadion, 16.000 Zuschauer. Zugegeben, an diesem nasskalten Februarabend im Jahr 2000 präsentierte sich die Bundesliga nicht gerade von ihrer Schokoladenseite. Der Brasilianer zitterte sich mit den neuen Kollegen zu einem schmeichelhaften 1:0 und erzielte eine Woche später in Bremen sein erstes Tor. Hertha verlor trotzdem 1:4, und Alves wurde später zum großen Transferflop.

Eines ist schon jetzt sicher: Dieses Schicksal wird Kalou eher nicht ereilen – allein schon, weil der heutige Berliner Manager Preetz ihn für vergleichsweise günstige 1,8 Millionen nach Berlin lotste. Der Blick auf die Premieren prominenter Hertha-Zugänge zeigt aber auch, dass zwischen Erwartungshaltung und Realität mitunter Lücken klaffen, die ähnliche Ausmaße annehmen wie die Bauverzögerung beim Flughafen BER. Dass es ganz anders geht, bewies Andreas Thom, als er 1998 von Celtic Glasgow in seine Heimatstadt zurückkehrte. Mit seiner allerersten Aktion überlistete der frühere BFC-Stürmer die Abseitsfalle des VfL Wolfsburg und schoss schon in der zweiten Minute den 1:0-Siegtreffer.

Pantelic kam und traf

Auch für Marko Pantelic, noch so ein Star, sollten sich die Wolfsburger als dankbarer Premieren-Gegner erweisen. Die Leihgabe von Roter Stern Belgrad debütierte 2005, traf gleich beim 3:0 gegen die „Wölfe“ aus 16 Metern und avancierte in Windeseile zum Publikumsliebling. „Gerade in Berlin wecken prominente Namen große Erwartungen“, sagte Preetz. „Wir verpflichten einen Spieler aber nicht für eine Partie, sondern für die nächsten Jahre.“ Selbst Marcelinho, für Preetz „der beste Spieler, mit dem ich je bei Hertha gespielt habe“, benötigte etwas Anlaufzeit. Bei seinem Debüt gegen St. Pauli 2001 deutete der Brasilianer sein Können zwar an, blieb aber ohne durchschlagenden Erfolg. Am Ende stand ein fades 0:0. Zur Hertha-Ikone wurde er trotzdem.

Ob sich Kalou einen ähnlichen Heldenstatus erspielen kann, muss die Zukunft zeigen. Schon jetzt auf fußballerische Wundertaten zu hoffen, wäre vermessen. Kalou muss sich nicht nur in einem neuen Umfeld akklimatisieren, sondern auch erst seine Rolle finden. Julian Schieber ist als Stürmer gesetzt. Steht Kalou in der Startelf, wird er über die linke Außenbahn kommen oder als hängende Spitze agieren. So oder so, das Beispiel Marcelinho sollte ihm Mut machen. Kalous Debüt wird vor allem eines sein: nur der Anfang.