2. Bundesliga

Stürmische Zeiten bei Union

Der Zweitligist hat gleich sieben Angreifer im Kader. Doch nur Sören Brandy scheint ein Garant für Tore zu sein

Sieben auf einen Streich – so viele Stürmer hatte der 1. FC Union seit der Rückkehr in die Zweite Liga im Jahr 2009 noch nicht in seinen Reihen. Zumindest auf dem Papier wird deutlich, wie ernst es dem Berliner Fußball-Zweitligisten mit dem Neustart und dem gradlinigen, schnellen Offensivspiel ist, das Trainer Norbert Düwel an der Alten Försterei entwickeln soll.

Doch auf den zweiten Blick relativiert sich einiges auch schon wieder. Vor allem mit Blick auf das Trio, das die Köpenicker zum Ende der Transferperiode verpflichtet hat. Maximilian Thiel, Martin Kobylanski, zuletzt Sebastian Polter – drei Angreifer, die mit ihren 21, 20 und 23 Jahren zwar für die Verjüngung des Kaders stehen, aber auch erst am Anfang ihrer Karrieren. Lediglich Polter könnte aufgrund seiner Erfahrung von 50 Bundesligaspielen und sieben Toren für den VfL Wolfsburg, den 1. FC Nürnberg und Mainz 05 jenen gestandenen Stürmertyp personifizieren, den Union in der jetzigen Situation mit nur drei Punkten aus vier Spielen und nur drei Törchen dringend benötigt. Coach Düwel ist jedenfalls davon überzeugt, dass er „eine spürbare Verstärkung für uns sein wird“. Ob er der erhoffte Torgarant ist, muss er jedoch noch beweisen.

Polter jedenfalls agierte in den Trainingseinheiten bereits in vorderster Front. Durchaus ein Indiz dafür, dass der Stürmer am Sonntag beim 1. FC Heidenheim (13.30 Uhr, Sky) in der Union-Startelf steht. Bislang war lediglich für Sören Brandy ein Platz im Angriff reserviert. Der 29-Jährige erzielte in der vergangenen Saison elf Tore für Union, und auch in dieser Spielzeit hat er bereits einmal getroffen. Wie stark auch Düwel auf Brandy setzt, zeigte er gleich zum Auftakt in Karlsruhe (0:0). Obwohl noch nicht wieder hundertprozentig fit nach einer Sprunggelenksverletzung, stand Brandy in der Startelf. Dass Brandy nun den einzigen echten Stürmer gibt, könnte sich in Heidenheim und mit einer möglichen Umstellung auf ein 4-3-3-System ändern. Mit Polter im Angriffszentrum sowie Brandy und Björn Jopek dahinter auf den Außenbahnen könnten bei Union stürmische Zeiten anbrechen.

Führt diese Variante zum gewünschten Erfolg, dürften sich die Einsatzzeiten des übrigen Stürmer-Quintetts in Grenzen halten. Der als Offensivallrounder präsentierte Thiel kann zwar auch ins Mittelfeld ausweichen. Kobylanski, der mit der polnischen U21-Auswahl in der Länderspielpause beim Vier-Nationen-Turnier gegen die Schweiz (1:1) und in Italien (3:1) zwei Teileinsätze hatte, wird sich im Training hingegen erst weiter anbieten müssen.

Steven Skrzybski durfte in den ersten beiden Partien noch als zweiter Mann neben Brandy ran. Doch das 21-jährige Union-Eigengewächs, von Düwel-Vorgänger Uwe Neuhaus zum Trainingsweltmeister gekürt, hat bislang den Anspruch der neuen sportlichen Leitung nicht erfüllen können. Für ihn wird es vor allem darum gehen, sich mit den Zugängen auseinanderzusetzen und zu zeigen, dass er tatsächlich besser ist. Gleiches gilt für den 26-jährigen Bajram Nebihi, der für den FC Augsburg zuvor nur in der Regionalliga gespielt hat und derzeit kaum eine Rolle spielt.

Und Adam Nemec? Der Slowake war eigentlich aussortiert, ehe er von Düwel neben Baris Özbek begnadigt wurde. Doch anders als beim Mittelfeldspieler ging die Rechnung mit dem Stürmer, der eh kein Mann für das schnelle Umschaltspiel ist, nicht auf. Ein Acht-Minuten-Einsatz steht bislang in dieser Saison für den 29 Jahre alten Profi zu Buche.

Es bleibt der Appell von Düwel an sein kickendes Personal, der gerade erst während eines Trainingsspiels über den Platz hallte: „Wenn ihr den Ball habt und die Möglichkeit seht, gibt es keine andere Wahl mehr, als ein Tor zu machen.“ Hoffentlich haben seine Spieler auch aufmerksam zugehört.