Volleyball

Grozer lässt Deutschland von WM-Medaille träumen

Volleyball-Auswahl fehlt ein Sieg für Einzug in die Finalrunde

Für seine Aufschläge bräuchte Georg Grozer eigentlich einen Waffenschein. Mit 130 Stundenkilometern haut der Volleyball-Nationalspieler den Ball übers Netz, so schnell wie die Richtgeschwindigkeit auf deutschen Autobahnen; auch seine wuchtigen Schmetterschläge sind bei den Gegnern gefürchtet. Vor ein paar Monaten wurde Grozer sogar als spektakulärster Volleyballer Europas ausgezeichnet.

Mit seinen Klubs hat der 29-Jährige alles gewonnen: Landesmeisterschaften, Pokale, mit Belgorod (Russland) zuletzt die Champions League und die Klub-WM. Bei der Weltmeisterschaft in Polen kann er nun auch sein letztes großes Ziel erreichen: „Mein Traum ist es, mit Deutschland eine Medaille bei einem großen Turnier zu gewinnen.“

Heute gegen Russland

Die Chancen stehen gut: Nach dem 3:1-Erfolg gegen Angstgegner Bulgarien am Donnerstagabend, dem sechsten Sieg in Serie, fehlt der Nationalmannschaft aus den beiden verbleibenden Partien am Sonnabend gegen Olympiasieger Russland und tags darauf gegen Kanada nur noch ein Sieg, um in die letzte Gruppenphase einzuziehen, an der nur noch die besten sechs Teams teilnehmen dürfen. Die erste deutsche WM-Medaille seit dem DDR-Gold vor 44 Jahren wird nun immer realistischer. „Das war schwer beeindruckend und in den ersten beiden Sätzen unser bestes Volleyball in den letzten drei Jahren“, schwärmte Bundestrainer Vital Heynen nach dem Sieg über die Bulgaren, gegen die seine Mannschaft bei den Olympischen Spielen 2012 und der EM 2013 im Viertelfinale noch verloren hatte.

Dass es dieses Mal anders lief, lag zu großen Stücken an Georg Grozer. Mit 20 Punkten war der Zwei-Meter-Hüne wieder einmal der überragende Mann auf dem Feld. „Meine Mama und meine Kinder saßen heute auf der Tribüne, da musste ich gut spielen“, sagte er.

Bei der WM in Polen ist er ein gefeierter Star. Hier ein Foto, da ein Autogrammwunsch – Grozer kann am Spielort Kattowitz kaum einen Schritt unbemerkt machen. In Deutschland ist „Hammer-Schorsch“ hingegen nur eingefleischten Fans ein Begriff. „Es gibt viele Nationen, in denen ich viel eher erkannt werde als in Deutschland“, erzählt Grozer und nennt neben Polen auch Russland als Beispiel: „Das macht einen schon traurig, weil Deutschland meine Heimat ist. Ich habe meine Wurzeln in Deutschland und tue alles, um den Volleyball hier auch für die nächsten Generationen voranzubringen.“ Volleyball sei in Deutschland leider nicht so populär, sagt er. Auch ein großer Titel könnte wohl kaum Abhilfe schaffen. „Selbst wenn wir Weltmeister werden würden, wäre es schwer, an Handball oder Basketball vorbeizukommen“, meint Georg Grozer.