Handball

Serienmeister Kiel in der Krise: „Das wird Monate dauern“

Zuschauer-Weltrekord, Liveübertragung in 45 Länder, zehn Stunden Programm samt Promi-Auflauf.

Vor über 40.000 Zuschauern treffen die Rhein-Neckar Löwen am Sonnabend in der Handball-Bundesliga auf den HSV (18 Uhr, Sport 1). Dass Initiator Thorsten Storm nicht Serienmeister THW Kiel zum „Tag des Handballs“ ins Frankfurter Fußballstadion einlud, verwunderte anfangs – inzwischen sind sie zumindest bei Storms künftigem Klub vermutlich sogar froh darüber. Denn der Branchenprimus steckt überraschend in der Krise.

Bei Balingen-Weilstetten verloren die Kieler mit 21:22 schon das zweite von vier Saisonspielen, so schlecht ging es letztmals vor zwölf Jahren los. „Wir verlieren, weil wir sehr schlecht werfen“, stöhnte Trainer Alfred Gislason vor dem heutigen Auftritt in Wetzlar. „Im Angriff haben wir seit Saisonbeginn eine extrem schlechte Quote.“ Im Vorjahr hatten die Kieler nach vier Spielen 137 Tore auf dem Konto, jetzt nur 92. Das sind elf pro Partie weniger. Ein unerklärlicher Abfall. Zudem schwächte auch die Rote Karte gegen Aron Palmarsson: Weil sich der Spielmacher über seine zweite Zeitstrafe beschwerte, kassierte er schließlich einen Platzverweis – und das bereits in der 21. Minute. „Wir müssen im Rückraum zwei neue Spieler einbauen“, erklärte sich Linksaußen Dominik Klein den Rückschlag. Gemeint sind Domagoj Duvnjak und Joan Canellas, die vom HSV kamen. Trainer Gislason fürchtet deswegen sogar eine längere Durststrecke. „Das wird Monate dauern“, seufzte der Isländer. „Ich habe die Hoffnung, dass um die Weihnachtszeit der eine oder andere anfängt, vernünftig zu spielen.“

Dabei wurde das umformierte Team stärker als im Vorjahr eingeschätzt. „Die Spieler, die sie bekommen haben, machen sie besser“, versicherte auch der Balinger Christoph Teuerkauf und mutmaßt, dass sich der Meister derzeit nur zu sehr auf seine individuelle Klasse verlasse. Die Konkurrenten dürfte das hellhörig werden lassen. Neun Mal in zehn Jahren ging die Meisterschale an den THW. Diesmal könnte es vielleicht wieder etwas Abwechslung geben.