Fußball

Nach der WM ist vor der EM

Mit dem Test gegen Argentinien beginnt die neue Zeitrechnung für Löws Nationalelf

Das Wort „Weltmeister“ hat der deutsche Fußballfan in den vergangenen 53 Tagen ziemlich oft gehört. Nach dem Triumph der deutschen Nationalelf in Rio de Janeiro kam fast kein Kommentator in der Bundesliga daran vorbei: In Mönchengladbach nicht („Weltmeister Christoph Kramer“), auf Schalke nicht („Weltmeister Julian Draxler/Benedikt Höwedes“) und in Dortmund und München schon gar nicht.

Doch nun ist die schöne Feier-Phase vorbei. Für Bundestrainer Joachim Löw beginnt mit dem ersten Testspiel nach dem WM-Erfolg wieder der Ernst des Geschäfts. Schließlich wartet da in zwei Jahren eine Europameisterschaft in Frankreich. Doch dieser erste Test lädt ja geradezu dazu ein, noch einmal in schönen Erinnerungen zu schwelgen. Am Mittwoch trifft die deutsche Nationalmannschaft in Düsseldorf auf Argentinien (20.45 Uhr/ZDF) – den Finalgegner von Rio. Erstmals wird Löws Team das Trikot mit dem vierten Stern tragen. Am Montag trainierte der viermalige Weltmeister zum ersten Mal nach dem 1:0-Erfolg im Maracana-Stadion wieder gemeinsam. Begleitet wurde die Mannschaft von 45.000 Fans im Düsseldorfer Stadion, die ihre WM-Helden feierten. Löw aber sagt: „Diese Tage bilden für uns den endgültigen Abschluss der WM. Die WM war für alle ein Höhepunkt. Aber sie war noch kein Abschluss. Wir haben uns neue Ziele gesteckt.“

Montagmittag hatten sich die Nationalspieler in Düsseldorf getroffen. Eine Woche hat Löw sie jetzt zusammen. Am Sonntag (20.45 Uhr, RTL) steht in Dortmund gegen Schottland das erste EM-Qualifikationsspiel an. Diese Woche leitet eine neue Zeitrechnung beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) ein.

An diesem Dienstag, 12.30 Uhr, wird Löw seine erste Pressekonferenz seit dem Turnier in Brasilien geben. Der 54-Jährige wird sich mindestens zu einer von zwei wichtigen Personalentscheidungen äußern: zum neuen Kapitän und zum neuen Co-Trainer. Favoriten auf das Amt des Mannschaftsführers sind Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira und Manuel Neuer. Der Münchner Torwart brachte sich am Montag schon einmal in Stellung: „Wenn der Trainer es mir zutraut, würde ich es machen“, so Neuer.

Bezüglich der Besetzung des Assistenztrainerpostens könnte sich Löw mit seiner Entscheidung noch etwas länger Zeit lassen. Bei den beiden Partien in dieser Woche wird Torwarttrainer Andreas Köpke als „Co“ fungieren. U19-Bundestrainer Marcus Sorg galt bislang als Favorit auf das Amt, wird es nun aber wohl doch nicht. Auch in der Mannschaft wird sich einiges ändern. Kapitän Philipp Lahm, Verteidiger Per Mertesacker und Stürmer Miroslav Klose sind aus der Nationalelf zurückgetreten. Sie werden am Mittwoch verabschiedet. Dafür kehren schon gegen Argentinien in der Vergangenheit verletzte und vorübergehend aussortierte Spieler zurück: Mario Gomez (Florenz) und Marco Reus (Dortmund). Zudem kommt der in Berlin geborene Abwehrspieler Antonio Rüdiger, 21, vom VfB Stuttgart dazu. Löw plant, in den kommenden Monaten mehrere Jungprofis heranzuführen: Kevin Volland (22, Hoffenheim) zählte bereits zum vorläufigen WM-Aufgebot, zudem dürfen sich U19-Europameister Davie Selke (19, Bremen), der ehemalige Hertha-Profi Pierre-Michel Lasogga (22, jetzt HSV) und Karim Bellarabi (24, Leverkusen) Hoffnung machen. Eine zeitnahe Rückkehr ins Nationalteam wird es wohl auch für den nach vier Operationen am Kreuzband genesenen Holger Badstuber (FC Bayern) geben. Löw muss nun das Personalpuzzle in der Nationalelf neu zusammensetzen. „Wir müssen die Begeisterung jetzt aufnehmen und uns weiterentwickeln. Wir wollen weiter positiv beeindrucken“, sagte Teammanager Oliver Bierhoff.

Gegen Argentinien muss Löw auf Mesut Özil verzichten. Der Mittelfeldspieler fehlt wegen einer Knöchelverletzung. Argentinien reist ohne Superstar Lionel Messi (Adduktorenverletzung) an. Seit 26 Jahren hat Deutschland zu Hause nicht mehr gegen Argentinien gewonnen. Nun soll ein Sieg den Start in die Nach-WM-Zeit erleichtern.

Deutschland–Argentinien, Mittwoch, 20.45 Uhr, live im ZDF