Tennis

Meter für Meter gegen den Liebesfrust

Im Mai platzte Wozniackis Hochzeit mit Golfstar McIlroy. Mit Laufen überwand sie den Schmerz

Als ihre Welt in Trümmern lag, fing Caroline Wozniacki an zu laufen. Sie lief und lief, immer öfter und immer länger, um die dunklen Gedanken zu vertreiben. Sie lief gegen den Schmerz an, gegen die Demütigung der öffentlich ausgetragenen Trennung von ihrem Verlobten, dem Golfstar Rory McIlroy. Das Laufen, erzählte Wozniacki der „New York Times“, habe ihre Laune aufgehellt.

Nun ist es ja nicht so, dass die junge Dänin mit Laufen ihr Geld verdient. Wozniacki ist Tennisprofi, und als solcher, das meinten die Besserwisser, sollte sie doch lieber sprinten. Oder an ihren Schlägen arbeiten. Oder beides. Doch Wozniacki hörte nicht auf die Kritiker.

Dem Vernehmen nach hatte sie für diesen Monat die Traumhochzeit am Rockefeller Center im Big Apple geplant, die Hasenfuß McIlroy Ende Mai absagte, just als die Einladungen auf dem Weg zu den Gästen waren. Für den Nordiren zahlte sich die Entscheidung aus, „ich denke, das war für mich die Wende zum Besseren“, sagte er nach seinem dritten Turniersieg im Sommer.

Wozniacki brauchte etwas länger, um zu erkennen, dass in jedem Ende, so traurig es sein mag, ein Neuanfang steckt. Bei den US Open beweist sie nun, dass sie gestärkt aus der Trennung hervorgeht. Nach dem Achtelfinalsieg über Maria Scharapowa (6:4, 2:6, 6:2) zählt sie plötzlich zu den Favoritinnen auf den Titel beim letzten Grand Slam der Saison.

Schon einmal, im Jahr 2009, stand Wozniacki im Finale von Flushing Meadows, damals verlor sie gegen Kim Clijsters. Aus der Ferne lobte die Belgierin nun die allseits beliebte Wozniacki. „Was für ein Match von Caro“, schrieb Clijsters bei Twitter, während Wozniacki bei Temperaturen um 30 Grad im dritten Satz Scharapowa in Grund und Boden lief: „Großartig zu sehen, dass sie wieder ihr bestes Tennis spielt.“ Wozniacki hat das Selbstvertrauen zurück, das sie vor Jahren zur Nummer eins der Tenniswelt machte. „Ich zweifel nie an mir selbst. Ich weiß, dass ich an einem guten Tag jede schlagen kann.“ Die Qualität, offensiv zu denken und zu agieren, hatten ihr die Beobachter abgesprochen. Zu defensiv, zu zögerlich, lautete stets das Urteil.

„Mir ist es immer auf die Nerven gegangen, dass so viele Leute gemeint haben, sie müsse anders spielen“, sagte Andrea Petkovic. Die Darmstädterin war in Runde drei chancenlos gegen Wozniacki. „Caro ist vielleicht die beste Defensivspielerin, die es je gegeben hat.“ In Flushing Meadows scheint Wozniacki, auch den Vorwärtsgang für sich entdeckt zu haben. „Meine Stärke ist das Umschaltspiel von Defensive zu Offensive und andersherum“, sagte die 24-Jährige: „Ich habe die Balance gefunden.“ Alles fußt jedoch auf ihren Beinen, die durch das Marathon-Training noch ausdauernder geworden sind.

Egal, ob die Dänin ihr Sommermärchen krönt, New York wird sie so schnell nicht verlassen. Bei der Fashion Week will sich Wozniacki die Show von Michael Kors anschauen und im Central Park ein bisschen laufen gehen. Die größte sportliche Herausforderung steht nämlich noch bevor: Am 2. November startet Wozniacki beim New-York-Marathon.