Fußball

„Der Trainer hat mich demontiert“

Unions Klub-Idol Torsten Mattuschka wechselt zu Energie Cottbus und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Berliner

Selbst am Sonntagmorgen hofften viele noch, dass er bald vorbei sein möge – dieser böse Traum, in dem Klub-Idol Torsten Mattuschka nicht mehr beim 1.FC Union bleiben möchte. Beides gehört doch schließlich zusammen, für die Fans des Berliner Fußball-Zweitligisten ebenso wie für emotional weniger aufgeladene Beobachter. Union und Mattuschka, das war immer eins. Seit Sonntagmittag steht fest, dass das Unvorstellbare Realität wird: Union und Mattuschka gehen getrennte Wege.

Für den Mittelfeldspieler ist es eine Rückkehr in die Heimat. Er wechselt zum Drittligisten Energie Cottbus, von dem Mattuschka vor neun Jahren nach Köpenick kam. Der 33-Jährigen unterschreibt einen Vertrag bis 2017. Union soll 50.000 Euro Ablöse kassieren.

„Ich respektiere die Entscheidung von Torsten Mattuschka, auch wenn ich es mir anders gewünscht hätte. Ich habe in mehreren Gesprächen mit ihm seine veränderte Rolle in unserem Mannschaftsgefüge erörtert und hätte mir gut vorstellen können, dass er seine Erfahrungen an jüngere Spieler weitergibt“, wird Unions Trainer Norbert Düwel in einer Pressemitteilung des Vereins zitiert.

Der Darstellung, dass der Abgang aus Berlin Mattuschkas eigener Wunsch war, widerspricht der Spieler allerdings in einem Interview mit der „Bild“ (Montagausgabe) energisch: „Der Wechsel tut mir weh nach neun großartigen Jahren bei Union. Ich hätte sehr gern bei Union meine Karriere beendet“, sagt der ehemalige Kapitän und erhebt schwere Vorwürfe gegen Düwel: „Er hat mir keine Chance gegeben und mich Stück für Stück demontiert, obwohl ich wichtig für die Mannschaft bin“, so Mattuschka weiter. Auch im Verein habe er keinen Rückhalt mehr gespürt: „Jeder hat rumgedruckst und leider konnte mir keiner in die Augen sehen“, so Mattuschka. „Jetzt sagt man: ,Wir haben Tusches Wunsch entsprochen.‘ So ist das einfach falsch. Um es klar zu sagen: Mein Wunsch war, weiter für Union zu spielen“, sagt der Mittelfeldspieler. Düwel persönlich wirft Mattuschka darüber hinaus „Scheinheiligkeit“ vor: „Der Trainer, der angeblich soviel auf Kommunikation setzt, ist doch vor mir weggerannt.“

Der geräuschvolle Abgang des Klub-Idols Mattuschka erschüttert Union und dürfte den neuen Trainer beschädigen. Düwel hievte sich in kürzester Zeit in den Rang einer Figur, der viel Skepsis entgegenschlägt. Ihm wurde auferlegt, die Mannschaft neu zu formen, mehr aus ihr herauszukitzeln als Vorgänger Uwe Neuhaus. Er versucht das mit einer neuen Spielidee, mit schnellem Umschalten. Mattschuka war offenkundig keine Idealbesetzung für seinen Spielstil. Er stufte ihn in mehreren Etappen zurück. Doch für jemanden so gar keine Verwendung mehr zu haben, der vergangene Saison noch Topscorer der Zweiten Liga war mit zwölf Toren und zwölf Vorlagen, das konnte Mattuschka nicht nachvollziehen. Nach zwei Kurzeinsätzen in vier Ligaspielen, in denen Union sieglos blieb, war alles Verständnis aufgebraucht. Selbst die Aussicht auf eine Aufgabe im Klub nach der Karriere, die Präsident Dirk Zingler Mattuschka offerierte, half nichts.

Schuld ist der Klub aber selbst zu einem guten Teil. Zu lange wurde von oben toleriert, dass die Mannschaft unter Neuhaus zu wenig Unabhängigkeit von Mattuschka entwickelte. Dieser Fehler sollte nun korrigiert werden – wohl mit zu viel Vehemenz. Union nimmt sich damit selbst ein Stück Qualität. Aber Union nimmt sich vor allem auch die Chance eines würdigen Abschieds eines ganz besonderen Spielers in der Klubhistorie.