Volleyball-WM

Elf Spiele bis zur Medaille

Die deutsche Mannschaft startet heute gegen Weltmeister Brasilien in die Volleyball-WM und will Bronze gewinnen

Den Auftakt der Volleyball-WM erlebte die deutsche Mannschaft im Hotel in Kattowitz vor dem Fernseher mit. 62.000 Zuschauer waren beim Eröffnungsspiel der Polen gegen Serbien im Warschauer Zentralstadion dabei, eine Kulisse, wie es sie beim Volleyball noch nicht gegeben hat. Es herrschte eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Die Fans, in den Nationalfarben rot und weiß gekleidet, sangen inbrünstig die polnische Hymne mit. Die Begeisterung wurde noch gesteigert durch den klaren 3:0-Erfolg der Gastgeber.

Bundestrainer Vital Heynen wünscht sich, auch einen Teil dieser Stimmung in einem Aufeinandertreffen mit den Polen erleben zu können. „Denn das hieße, dass wir die Runde der besten sechs Teams erreichen würden“, sagt der Belgier. Das und noch etwas mehr ist die ambitionierte Zielsetzung der deutschen Mannschaft. Dafür muss sie allerdings einiges an Vorleistung erbringen. Erst am 21. September endet diese Mammut-WM mit 24 Mannschaften. In der Vorrunde werden vier Gruppen à sechs Nationen jeweils vier Teams ermitteln, die in die zweite Runde eintreten. Wer diesen Durchgang auch noch überstanden hat, der hat schon neun Spiele in den Knochen. Die Finalisten und die Mannschaften, die in die Partie um Bronze einziehen, werden am Ende zwölfmal das Parkett betreten haben. Wem das gelungen ist, der hat sich eine Medaille verdient.

Genau diese Belohnung streben die deutschen Männer an. „Wir haben uns die Bronzemedaille bei jedem Training in die Halle gehängt, sie jeden Tag gesehen“, sagt Zuspieler Lukas Kampa, „und in der Mannschaft ist der Glaube gewachsen, dass dieses Ziel realistisch ist.“ Die jüngsten Resultate unterstreichen das. In den letzten sechs Vorbereitungsspielen testete Heynen seine Schützlinge gegen hochklassige Konkurrenz. Einmal wurde dabei gegen die Polen gewonnen, gar zweimal gegen Italien und zum Abschluss einmal mit 3:2 gegen Weltliga-Champion USA. Allerdings wartet gleich zum Auftakt der deutschen Vorrundengruppe B in Kattowitz an diesem Montag (13 Uhr) Brasilien; die weiteren Kontrahenten sind Vizeweltmeister Kuba, Tunesien, Südkorea und Finnland. „Machbar“, sagt Heynen, und auf die Frage, ob es nicht ärgerlich sei, gleich auf Weltmeister Brasilien zu treffen, antwortet er trotzig: „Das ist typisch deutsch, immer alles problematisch zu sehen. Im Gegenteil: Es ist doch gut so. Brasilien spielt immer schlecht im ersten Spiel, Deutschland immer gut.“

Nicht ganz ernst gemeint, aber gnadenlos optimistisch. So hat der Belgier sein Team auf die große Aufgabe eingestimmt. Und er scheint sie überzeugt zu haben. „Ist doch ganz gut, gegen den Weltmeister zu starten“, gibt sich auch Kampa zuversichtlich. „Wir müssen versuchen, möglichst viele Punkte mit in die Zwischenrunde zu nehmen. Am besten fangen wir gleich damit an.“ Er wird sich die Position des Zuspielers mit Sebastian Kühner teilen, dem einzigen Spieler der BR Volleys im deutschen Aufgebot, der vor seinem ersten großen Turnier steht. Der 27-Jährige ist aber nicht der einzige aus dem Team des Deutschen Meisters bei der WM: Die Brüder Kawika und Erik Shoji zählen zum Kader des Mitfavoriten USA, Paul Carroll ist für Australien am Start.