ISTAF

Weltrekord für Polin Wlodarczyk im Hammerwurf

Europameisterin erzielt im Olympiastadion 79,58 Meter

Anita Wlodarczyk schlug die Hände vor ihr Gesicht. Dann lief sie zu ihrem Trainer Krzysztof Kaliszewski und ließ sich von ihm herzen. Auch Olympiasieger Tomasz Majewski, der wenige Meter entfernt im Kugelstoß-Wettbewerb stand, kam zum Gratulieren vorbei. Die Polen bejubelten gemeinsam den Weltrekord der Hammerwerferin. 79,58 Meter im zweiten Versuch, die Bestmarke der Berlinerin Betty Heidler, mit 79,26 Metern vor drei Jahren in Halle aufgestellt, war ausgelöscht. Den letzten Weltrekord in Berlin gab es 2010, als der Kenianer David Rudisha nach 1:41,09 Minuten über 800 Meter ins Ziel kam.

Schon wieder in Berlin, mochte sich Anita Wlodarczyk denken. Auch den ersten ihrer nun insgesamt drei Weltrekorde hatte die 29-Jährige im Olympiastadion aufgestellt, beim Gewinn ihres WM-Titels 2009. „Dieses Stadion bringt mir Glück“, sagte sie strahlend. „Die Atmosphäre war großartig, die Bedingungen, das Wetter, alles.“ Dass sie in herausragender Form ist, hatte sich bereits vor dem Istaf angekündigt. Nicht nur, weil sie beim Gewinn des Europameistertitels in Zürich souverän die Goldmedaille gewonnen hatte – ihr letzter Versuch dort war auch deutlich hinter der 80-Meter-Marke gelandet, nur seitlich außerhalb des Wertungsbereichs.

Auch die Istaf-Organisatoren waren also vorbereitet, dass Gefahr in der Luft lag. Wlodarczyk hatte außerdem schon vorher nachgefragt, wie hoch denn die Weltrekord-Prämie in Berlin sei. Flugs wurden mit Hilfe eines Sponsors 20.000 Dollar bereitgestellt.

Anita Wlodarczyk wird also einen schönen Scheck mit in die Heimat nehmen. Sie hat sich die Prämie wahrlich verdient, denn ihr Wettkampf im Olympiastadion war nicht allein wegen der Bestmarke außergewöhnlich. Mit jedem ihrer sechs Versuche hätte sie die am Ende zweitplatzierte Betty Heidler (75,20 Meter) hinter sich gelassen. 75,29 – 79,58 – 78,46 – 79,04 – 78,64 – 77,94: So lauteten die Resultate der Polin, die als Kind zunächst mit dem Hallenradsport begonnen hatte. Ein einmaliger Wettkampf.

Das einzige, womit sie an diesem Tag Probleme hatte, war die Dopingprobe. Sehr lange musste sie deshalb warten, bis sie mit dem Shuttle zurück ins Hotel fahren konnte. Dabei hatte sie nicht nur das Gefühl, um einen Weltrekord und 20.000 Dollar reicher zu sein. Sie bekam auch einen Quadratmeter Rasen mit, jene Stelle, in der ihr Hammer eingeschlagen war. Wenn das Hertha erfährt ...