Tennis

Kohlschreiber trotzt bei US Open 42 Assen von Isner

Im Achtelfinale trifft der Augsburger auf Djokovic

Philipp Kohlschreiber hat sich an den Frust gewöhnt, wenn in Flushing Meadows die Tennisbälle wie Geschosse neben ihm einschlagen. Er erlebt es immer wieder, von Jahr zu Jahr, wie bei einem Déjà-vu. Bei den US Open steht er nun als einziger Deutscher in der zweiten Turnierwoche. In der dritten Runde überstand er das Aufschlag-Gewitter des 2,08-m-Riesen John Isner. So wie im Jahr 2012. So wie im Jahr 2013. Im dritten Teil der Kohlschreiber-Isner-Saga hagelte es jetzt 42 Asse, doch der Augsburger hielt dem Dauerdruck stand.

„Körperlich geht’s mir gut, aber geistig war das unheimlich anstrengend“, sagte Kohlschreiber, 30, nach dem Dreistunden-Krimi, den er dank einer mentalen Glanzleistung ohne ein eigenes Break mit 7:6 (7:4), 4:6, 7:6 (7:2) und 7:6 (7:4) gewann. Am Montag aber wartet auf ihn nach dem Duell mit dem derzeit besten Amerikaner eine noch größere Herausforderung. Kohlschreiber trifft auf Novak Djokovic, den Ausnahmespieler aus Serbien.

In den vergangenen Jahren hatte er nach den Erfolgen über Isner stets verloren – erst gegen Janko Tipsarevic, einen weiteren Serben, dann gegen den Spanier Rafael Nadal. Es wäre keine Überraschung, wenn sich Kohlschreibers US-Open-Déjà-vu fortsetzt, denn der Weltranglistenerste Djokovic kam bei seinen drei bisherigen Erfolgen kaum ins Schwitzen. Doch der Augsburger fühlt sich gerüstet für die derzeit größte aller Aufgaben. „Ich brauche mich nicht zu verstecken“, sagt er. Selbstvertrauen und Frustrationstoleranz bringt Kohlschreiber aus dem Isner-Match mit. Beides wird er gegen Djokovic brauchen. „Er hat keine Schwäche“, sagte der Deutsche. „Wenn er top drauf ist, wird es schwierig. Ich brauche Hilfe von ihm.“

Vor den US Open trainierte Philipp Kohlschreiber in New Jersey mit Novak Djokovic und traf dabei dessen Chef-Coach Boris Becker. „Da ist ein toller Kontakt entstanden“, erzählte Kohlschreiber: „Boris hat etwas Spezielles, wie er Tennis denkt, ist interessant.“ Geheimnisse habe er bei den Einheiten mit dem Serben nicht entdeckt: „Er kennt mich, ich kenne ihn. Da gibt es keine Überraschungen.“ Fünfmal haben sie schon gegeneinander gespielt, einmal, bei den French Open 2009, verließ Kohlschreiber den Platz als Sieger. Zuletzt standen sie sich beim Sandplatzturnier in Rom gegenüber, als Kohlschreiber den ersten Satz gewann.

„Es wird am Montag ein ganz anderes Spiel“, sagte er, „die Ballwechsel werden länger, Novak wird mich zu Fehlern zwingen.“ Kohlschreiber wird hoffen müssen, dass sein Gegner irgendwann nachlässt – und er aus seinem US-Open-Déjà-vu ausbrechen kann.