Bayern München

Mia san Espanol

In Mittelfeldstar Alonso holt Bayern-Trainer Guardiola den fünften Spieler aus seiner Heimat

„Das Schwerste ist zu wissen, wann man Adiós sagen muss“, schrieb Xabi Alonso am Mittwoch in einem offenen Brief an seine Anhänger: „Nach vielem Nachdenken glaube ich, dass dieser Moment gekommen ist.“ Der 32-jährige Mittelfeldspieler erklärte mit diesen Worten nach 114 Länderspielen seinen Abschied aus der spanischen Nationalelf, doch schon wenige Stunden später kann er sie gleich noch mal recyclen. Alonso verlässt auch Spanien, er steht vor der Unterschrift beim FC Bayern München.

Nach Javi Martinez, Thiago, Juan Bernat und Pepe Reina wird der deutsche Fußball-Rekordmeister in Xabi Alonso den fünften spanischen Spieler verpflichten. Der Star von Real Madrid absolvierte am Donnerstag noch vor der Auslosung der Champions-League-Gruppen den Medizincheck bei Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Bayern ist sich mit Alonso über den Wechsel einig und bezahlt für ihn rund zehn Millionen Euro. „Wir sind in weit gediehenen und freundschaftlichen Gesprächen mit Real und hoffen, in den nächsten Tagen Vollzug zu vermelden“, sagt Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen.

Alonso, Weltmeister von 2010 und amtierender Champions-League-Sieger, soll im defensiven Mittelfeld spielen, einen Zweijahresvertrag erhalten und rund zehn Millionen Euro pro Jahr als Gehalt bekommen. „Maestro“, nannte ihn der aktuelle Real-Trainer Carlo Ancelotti, verglich ihn mit seinem früheren Spielmacher Andrea Pirlo und setzte beim Verein durch, dass der auslaufende Vertrag des Basken zu deutlich verbesserten Konditionen um zwei Jahre verlängert wurde.

Doch Alonso sah sich zunehmend auf verlorenem Posten im drohenden Kampf um den Stammplatz auf der Spielmacherposition mit Zugang Toni Kroos, den die Bayern nach einer überragenden WM nach Madrid abgegeben haben. Die beiden Quarterbacks mit ähnlichen Qualitäten (Übersicht, Passspiel, taktische Intelligenz) und Defiziten (Schnelligkeit, Dribbling, Dynamik) hatten sich im verlorenen Supercup gegen Atlético Madrid (1:1, 0:1) als inkompatibel erwiesen.

Flucht vor Toni Kroos

Zum Ligaauftakt gegen Cordoba spielte dann Kroos. Als Ancelotti in der zweiten Halbzeit einen weiteren defensiven Mittelfeldmann einwechselte, entschied er sich für Sami Khedira. Alonso hatte allen Grund, das als Misstrauensvotum zu verstehen. So mutet der Wechsel wie eine Flucht vor Kroos an.

Von einem „Erdbeben“ schreibt „Marca“, „irgendetwas Seltsames ist hier diesen Sommer los, ich hätte das gern mal von jemandem aus dem Klub erklärt“, verlangt der Kommentator von „As“. Ein verbales Nachtreten des Spielers dürfte es nicht geben. Alonso pflegt das Selbstbild vom Gentleman, eines Fußballers von geradezu altmodischem Ehrverständnis: der etwas andere Spieler, reflektiert und kultiviert.

Der FC Bayern rüstet jedenfalls auf. Mia san Espanol. Welchen Vorteil hat die Spanien-Connection, die neben den fünf Spielern auch noch Trainer Pep Guardiola, dessen Assistenten Domenec Torrent, Fitnesstrainer Lorenzo Buenaventura und Berater Manel Estiarte umfasst? Sportvorstand Matthias Sammer: „Der geplante Transfer von Xabi Alonso ist eine rein sportliche Entscheidung. Der Stamm unseres Vereins ist und bleibt deutsch beziehungsweise bayerisch. Ich bin sicher, wir haben eine gute Mischung.“

Mancher in der Bundesliga wundert sich dennoch über den Alonso-Transfer. Im Marokkaner Mehdi Benatia haben die Bayern bereits einen Ersatz für Martinez gefunden, der mit einem Kreuzbandriss mindestens ein halbes Jahr ausfällt. Warum kaufen sie jetzt einen Profi für das Mittelfeld? Sammer: „Wir glauben, dass der Transfer notwendig ist, um unsere Ansprüche und die der Fans zu erfüllen. Von der Altersstruktur und seiner Konstitution her ist Xabi Alonso in der Lage, noch mindestens zwei Jahre auf Topniveau zu spielen. Er kann uns sofort helfen.“

Die Entscheidung hat mehrere Gründe. Zum einen ist Schweinsteiger an der Patellasehne verletzt. Sammer betonte zwar, aus dem Transfer sei nicht abzuleiten, dass man mit einem längeren Ausfall rechne. Tatsächlich steht hinter Schweinsteiger ein großes Fragezeichen. Thiago kann wegen eines Innenbandrisses nicht spielen, auch bei ihm ist nicht seriös vorauszusagen, wann genau er wieder einsatzfähig sein wird. Lahm dürfte immer wieder hinten rechts gebraucht werden, und zudem bot sich jetzt einfach die Gelegenheit.

Guardiola hat in der Abwehr gerade von Vierer- auf Dreierkette umgestellt, da braucht es Stabilität im Mittelfeld, für die der Zugang mit seiner Organisationsfähigkeit, Passsicherheit und Übersicht sorgen soll. Denn die Bayern haben Großes vor. „Wir müssen angreifen! Mit irgendwas verteidigen ist nicht. Zwei haben schon viele geschafft. Drei nicht“, sagt Sammer und meint das Triple. Vor dem Spiel auf Schalke am Sonnabend „ist richtig Druck drinnen“, sagt der Europameister von 1996.

Über Sami Khedira haben die Bosse diskutiert. Aber einen bei Real zuletzt offenbar Aussortierten als Ersatz für einen zu holen, den Real unbedingt wollte? Das konnte die Klubführung mit ihrem Selbstverständnis nicht in Einklang bringen. Und Alonso scheint den Verantwortlichen insgesamt besser in die Mannschaft zu passen.

Die Personalplanungen der Bayern sind nun abgeschlossen. Sie haben rund 53 Millionen Euro eingenommen: Für Kroos zahlte Real rund 30 Millionen Euro, für Mario Mandzukic zahlte Atletico Madrid 22 Millionen und Girondins Bordeaux eine Million für Diego Contento. Etwa 49 Millionen haben sie wieder ausgegeben. Finanzvorstand Dreesen sagt: „Wir wollen Geld nicht zwingend maximieren. Der sportliche Erfolg steht im Vordergrund.“