Volleyball

Sandmann im Strömungskanal

Beach-Profi Matysik will eine unerwartet starke Saison mit dem Meistertitel krönen

Eine Siegerehrung im 6000-Mann-Stadion direkt auf dem Ostseestrand ist Kay Matysik schon mal sicher . Bei den Deutschen Meisterschaften, die ab heute wie immer seit 21 Jahren am letzten August-Wochenende in Timmendorfer Strand ausgetragen werden, wird der Berliner nämlich unabhängig vom Turnierausgang als Deutschlands „Beachvolleyballer des Jahres“ geehrt. Der 34-Jährige ist ehrgeizig genug, diese Wahl auch mit dem Titel rechtfertigen zu wollen, schließlich steht er mit seinem Partner Jonathan Erdmann, 26, ja auch an Nummer eins der Setzliste. „Es ist immer schön, die Favoritenrolle zu haben“, sagt Matysik dazu mit einem Augenzwinkern, „doch man da kann auch schön tief fallen. Timmendorf ist nämlich so etwas wie unser DFB-Pokal, da ist immer alles möglich. Da kann einer mal eine ganze Saison retten, die den Sommer über nicht so gut gelaufen war.“

Das muss Matysik selbst nun wirklich nicht, ganz im Gegenteil. Das Jahr verlief insgesamt sogar besser als erwartet. Dank mehrerer Topplatzierungen bei den Grand Slams zählt man wieder zu den besten achten Paaren der Welt, die sich für das Weltserien-Finale qualifizieren, hinzu kamen trotz der Konzentration auf die internationalen Aufgaben immerhin noch zwei Siege auf der nationalen Turnierserie (Smart Beach Tour) in Binz und Kühlungsborn.

Erstmals überträgt die ARD

Damit war nicht unbedingt zu rechnen gewesen, nach Gewinn von WM-Bronze im Vorjahr hatte sich Matysik im Oktober nämlich an der lädierten Schulter operieren lassen. „Das Risiko war doch sehr groß, ob es sechs Monate später dann schon wieder zur Weltspitze reicht. Um so größer war dann aber die Erleichterung bei uns, denn alles andere hätte ja nicht nur mich getroffen, sondern auch Jonathan.“ Wie schlimm es Partnern im Beachvolleyball erwischen kann, hat gerade der Fall des Olympiasiegers Julius Brink gezeigt. Bis zu dessen Rücktritt im Juni hatten zwei Partner insgesamt eineinhalb Jahre vergeblich auf dessen Genesung gewartet.

Dass Matysiks Schulter die Turniertortur mit fast 70 Spielen auf Topniveau durchgehalten hat – das Duo war dabei auf 13 Turnieren 120 Tage in aller Welt nahezu am Stück unterwegs –, hat sich der Berlins bester Sandmann im Winter übrigens im Schwimmkanal des Olympiastützpunktes Hohenschönhausen (OSP) erarbeitet. Nach der Schulter-OP kraulte der Profi sechs Wochen lang jeden Tag eine Dreiviertelstunde im Wasser auf der Stelle, um dann jeweils noch zwei Stunden in der Physiotherapie anzuschließen. „Dadurch wurde ich viel schneller fit und wieder beweglich. Meine Therapeutin Jana hat mich über vier Monate täglich behandelt, ohne sie und das Stützpunkt-Team wäre so eine Saison niemals möglich gewesen“, sagt Matysik. „Jetzt können wir mit viel Schwung und Selbstbewusstsein die 2015 beginnende Olympia-Qualifikation für Rio de Janeiro angehen. Wir sind in dieser Saison international oft an den späteren Turniersiegern gescheitert, doch es fehlten immer nur Nuancen.“

Das passt übrigens gut zur Bilanz des deutschen Beachvolleyballs insgesamt. Bei den Frauen sorgten gleich drei verschiedene Duos für die ersten Weltserien-Triumphe überhaupt, mit Sky wurde für die Smart Beach Tour ein potenter Fernsehpartner gefunden. Aus Timmendorfer Strand überträgt nun sogar erstmals die ARD zusätzlich die Finalspiele am Sonnabend und Sonntag live (jeweils 13.20 Uhr). Der Olympiasieg von Brink und Jonas Reckermann 2012 war offenbar nur der Anfang einer großen Ära im Sand.