Rennunfall

Formel 1: Hamilton nach Krisengipfel außer Kontrolle

Brite unterstellt Rosberg Absicht beim Unfall von Spa

In der Formel 1 ändern sich die Dinge schnell, und so gab es statt des geplanten Festbanketts einen Krisen-Gipfel. Mercedes-Motorsportchef Christian Wolff, Team-Aufsichtsrat Niki Lauda und der Technische Direktor Paddy Lowe debattierten nach dem zwölften WM-Lauf in Belgien 38 Minuten lang mit den Piloten Nico Rosberg und Lewis Hamilton über das „Worst-Case-Szenario“ (Wolff). WM-Spitzenreiter Rosberg hatte den Kollegen bei einem harten Angriffsmanöver in Rund ezwei die Reifen aufgeschlitzt, so dass dieser ohne Punkte blieb. In der Presse war weltweit von „Messerstecherei bei Mercedes“ oder „Krieg außer Kontrolle“ die Rede – die Traumsaison der Silberpfeile kann so trotz Überlegenheit noch zu einem PR-Desaster werden.

„Wir müssen Konsequenzen ziehen, dass so etwas nicht mehr passiert“, drohte Motorsportchef Wolff eine härtere Gangart an. Schließlich handelt es sich bei Rosberg und Hamilton um Wiederholungstäter. Allerdings hatten ihre bisherigen Auseinandersetzungen in Bahrain, Monaco und Ungarn nicht diese Schärfe.

Wolff deutete an, dass eine Teamorder denkbar sei, während Lauda einen solch weitgehenden Eingriff zumindest derzeit noch ablehnt. Ob es zu einer Stallregie kommt, wird bei den nächsten Krisengipfeln geklärt. „Wir können vieles machen“, deutete Wolff nur vage einen Maßnahmenkatalog an. „Wir müssen sicherstellen, dass so etwas nicht mehr passiert. Das war ein absolutes No-Go.“

Angesichts der neuen Dimension im Dauerzoff droht Gefahr. Allerdings weniger durch die Konkurrenz, auch wenn Sebastian Vettels Red-Bull-Teamkollege Daniel Ricciardo seinen dritten Saisonsieg feiern konnte, sondern vielmehr durch eigene Fehler. Auf dem Hungaroring und nun in den Ardennen verschenkte Mercedes durch Halsstarrigkeit und Kampfeslust seiner beiden Stars jeweils den Sieg und einen weiteren Podestplatz.

Noch liegt Rosberg (220 Punkte) in der WM-Wertung stattliche 64 Zähler vor dem Gesamtdritten Ricciardo (und 29 vor Hamilton ). Aber wenn es Mercedes nicht umgehend schafft, die beiden Streithähne zur Vernunft zu bringen, könnte der Vorsprung schnell schrumpfen. Bis zum nächsten Rennen in Monza in knapp zwei Wochen müssen Rosberg und Hamilton zumindest soweit eingebremst sein, dass sie sich dort nicht zum dritten Mal in Serie gegenseitig schaden. „Wenn wir das jetzt nicht managen, kann es böse enden“, prognostizierte Wolff.

Hamiltons erboste Reaktion am Abend zeigt, dass ein Stillhalteabkommen wohl nicht einfach wird. Der Champion von 2008 plauderte nach dem Gespräch Interna aus: „Nico hat gesagt, dass er hätte ausweichen können. Aber er wollte nicht. Im Grunde hat er gesagt, dass er mir damit etwas beweisen wollte. Es klang, als hätte er es absichtlich gemacht.“ Naturgemäß bewertete Rosberg den Vorgang konträr: „Die Rennkommissare sahen es als normalen Rennunfall. So sehe ich das auch.“ Es wäre keine Revanchefoul gewesen. Klar, sonst müssten die Regelhüter noch nachträglich eingreifen.