Karriereende

Voigt plant große Abschiedsparty bei den Berliner Sixdays

Jens Voigt verneigte sich ein letztes Mal vor dem Publikum, dann verschwand er nach 18 Profijahren von der Radsport-Bühne.

Bei einem Cocktail in einem mexikanischen Restaurant in Denver ließ der 42 Jahre alte Rekordteilnehmer der Tour de France seinen letzten Tag als Radprofi ausklingen. Wehmut kam beim Wahl-Berliner nicht auf: „Ich hatte schlimme Stürze und große Triumphe. Meine Karriere ist voller spezieller Momente. Nun gibt es keine Leiden, keinen Stress und keine Sturzgefahren mehr. Ich freue mich auf einen langen Urlaub“, sagte Voigt, nachdem er zum Abschluss der USA Pro Challenge noch einmal eine seiner berühmten Attacken gestartet hatte.

Voigt stand im Rampenlicht, obwohl es auch jetzt wieder nicht zum Sieg reichte. Er kam mit einer Krone auf dem Kopf an den Start, die Kollegen schenkten ihm nach dem Rennen den „Teufelslappen“ – das rote Signal, das den letzten Kilometer einer Etappe anzeigt – mit den Unterschriften aller Fahrer.

Voigt, der „ewige Ausreißer“, wurde meistens eingeholt, was ihn noch beliebter machte, da er sich nie entmutigen ließ und es immer wieder versuchte. Manchmal kam er aber auch durch. „Es gab keine einfachen Siege“, betonte Voigt.

Bei der Tour de France gewann er zwei Etappen und trug zweimal das Gelbe Trikot. Dort gehörte er schon zum Inventar. Zum 17. Mal hatte er im Sommer teilgenommen, womit er den Rekord von George Hincapie (USA) und Stuart O'Grady (Australien) einstellte. Insgesamt erkämpfte Voigt 65 Siege. Und lieferte so manche Anekdote. Einmal fuhr er 20 Kilometer auf einem Kinderrad, nachdem er seine Rennmaschine bei einem Sturz zerstört hatte und der Materialwagen bereits vorausgefahren war. Und es gab auch bittere Momente. 2009 stürzte er bei Tempo 70 schwer. Zwölf Wochen später saß er wieder auf dem Rad. „Man darf hinfallen, muss aber auch wieder aufstehen“, sagte Voigt, der bei Trek nun Teambetreuer wird. Dennoch ahnt er: „Ab sofort werde ich nur noch älter und dicker.“

Voigt wurde nie positiv getestet oder des Dopings überführt. Ob er tatsächlich eine weiße Weste hat, weiß nur er selbst. Jetzt überlegt der sechsfache Familienvater, ein Buch zu schreiben. Zu erzählen hätte er einiges. Beim Sechstagerennen in Berlin (ab 22. Januar) will er sich von den deutschen Fans verabschieden.