FC Union

Ein Sturmhoch namens Simon

Während Union noch Probleme im Angriff hat, trumpft der Ex-Berliner Terodde in Bochum groß auf

Die Vorhersage für den Montagabend in Bochum verheißt wenig Gutes, zumindest, wenn man sich aus Berlin gen Westen aufgemacht hat. Das Sturmhoch Simon sorgt derzeit für gute Laune im Ruhrgebiet, derweil im Südosten der Hauptstadt ein laues Lüftchen nicht wirklich zum Wohlbefinden beiträgt. Keine Frage, es wird ein Wiedersehen der besonderen Art, wenn der 1. FC Union am Montagabend (20.15 Uhr, Sport1) im Topspiel der Zweiten Liga auf den VfL Bochum trifft. Mittendrin: Simon Terodde, der Stürmer, der beide Teams schon jetzt träumen lässt – den VfL von höheren Spielklassen, die Köpenicker (Stichwort: Albtraum) vom dritten Spiel ohne Sieg.

Es sind diese Geschichten, die der Sport im Allgemeinen und der Fußball im Speziellen schreibt. Drei Jahre trug Terodde das Trikot der Berliner, erzielte in 87 Spielen 23 Treffer, war damit bester Angreifer bei den Köpenickern – und musste doch gehen. Mit dem zuletzt so oft zitierten emotionalen Neustart sollte sich auch im Sturm etwas verändern an der Alten Försterei. Bei Adam Nemec, Teroddes früherem Sturmpartner, war es öffentlich bekannt gemacht worden. Der Slowake sollte sich einen neuen Verein suchen, ehe der neue Trainer Norbert Düwel entschied, ihn halten zu wollen. „Bei Simon war es inoffiziell, aber auch deutlich kommuniziert“, ließ Nico Schäfer, Unions kaufmännisch-organisatorischer Leiter inzwischen wissen. Soll heißen: Union ließ seinen besten Angreifer trotz bis 2015 laufenden Vertrages ziehen, ohne Ablösesumme.

„Ich hätte bleiben können“, sagte Terodde rückblickend. Doch warum noch für einen Verein die Fußballschuhe schnüren, der einen nicht mehr will? Der Wechsel tat dem 26-Jährigen jedenfalls richtig gut. Terodde wirkt wie von einer Last befreit, seitdem er Berlin verlassen hat. Nichts Negatives wolle er sagen über „drei wichtige Jahre für mich“, so der Stürmer.

Nun war Terodde nie jemand, der wie ein Wasserfall aus dem Nähkästchen geplaudert hat. Doch er verleiht seit dem Wechsel nach Bochum seinen Worten inzwischen jene Stimmung, die signalisiert: Ich fühle mich wohl. Das war zuletzt in Berlin nicht mehr der Fall, sicherlich auch der Tatsache geschuldet, das Ex-Trainer Uwe Neuhaus nicht mehr auf ihn gesetzt hatte.

Terodde sei nicht der geborene Torjäger, „aber durch ihn fallen Tore“, sagte VfL-Coach Peter Neururer über seinen Zugang. Drei Tore in der Liga, zwei im DFB-Pokal – „wenn’s läuft, dann läuft’s“, so Terodde mit einer für ihn typischen Analyse.

Suche nach neuem Angreifer

Bei Union wäre man froh, jemanden wie Terodde in den eigenen Reihen zu wissen. Jemanden, der trotz der durch die Umstellung auf das neue Spielsystem bedingten Schwerfälligkeit, eigene Chancen zu kreieren, die wenigen Möglichkeiten nutzt. Dann während bei Bochum Terodde allein mit fünf Pflichtspieltoren glänzt, brachte Union insgesamt gerade einmal zwei Törchen zustande. Und die wurden auch noch durch die Defensivkräfte Damir Kreilach und Fabian Schönheim erzielt.

Hätte man einen Terodde eingedenk des Neustarts mit Düwel nicht doch halten sollen? „Bei Union hat Terodde in der vergangenen Saison fünf Tore geschossen. Das ist ja ein Fakt, der sich nicht wegdiskutieren lässt“, sagte Düwel. Das Wörtchen „nur“ schwang in seinem Statement mit. „Und ich habe seine Tore für Bochum gesehen und wie sie zustande gekommen sind.“ Aus Fehlern des Gegners, ja auch mit Glück wie in Aue. Doch es waren Stürmertore, die man bei Union momentan vergeblich sucht.

Es kommt nicht von ungefähr, wenn Düwel mit Blick auf seinen Kader verdeutlicht: „Noch hat kein Stürmer gezeigt, dass er unersetzlich ist.“ Weder Sören Brandy, der nach seiner Verletzung in der Vorbereitung noch nicht zu hundert Prozent seine Leistung abrufen kann, noch Steven Skrzybski, der nun in Bochum wegen eines grippalen Infektes passen muss. Das könnte die Chance für Nemec werden. „Er gibt im Training Vollgas und ist so, wie er sich in der Kabine gibt, auch ein wichtiger Faktor in der Mannschaft“, so Düwel.

Fakt bleibt aber auch: Union sucht noch in der bis zum 2. September dauernden Transferperiode nach einem weiteren Angreifer. Jemanden mit „Tempo, Spielintelligenz, der auch gut zu unseren anderen Spielertypen passt“, lautet Düwels Anforderungsprofil an den neuen Mann, der zudem zum Verjüngungsprozess des Kaders beitragen soll. Und: „Einer, der das Tor trifft.“ Eine Aussage, die wohl am ehesten verdeutlicht, dass man bei Union derzeit doch nur allzu gern jemanden wie Simon Terodde in seinen Reihen wissen möchte.