Chancen

Quartett auf Medaillenjagd

Berliner Judoka rechnen sich bei WM in Russland gute Chancen aus

Erschöpft sitzen die Athleten auf dem Boden. Die Atmung geht schwer. Randori nennt sich die Tortur, die die Sportler an ihre Leistungsgrenze geführt hat. Damit ist ein Übungskampf gemeint, bei dem der Trainer Schwerpunkte vorgibt (Angriff, Verteidigung, Bodenkampf, Wurftechniken). Klingt einfach, ist es aber nicht. Die Aufgabe für die deutsche Judo-Nationalmannschaft bei der am Montag beginnenden Weltmeisterschaft in Tscheljabinsk ist es auch nicht.

Vier der 17 deutschen Starter, die sich darauf in der Sportschule Kienbaum vorbereitet haben, kommen aus Berlin: Laura Vargas Koch, Iljana Marzok, Franziska Konitz und Sven Maresch. Fragt man sie nach ihrem WM-Ziel in Russland, lautet die Antwort unisono: „Eine Medaille“. Nicht um irgendetwas Nettes zu sagen, sondern selbstbewusst, beruhend auf erkämpften Erfolgen und sehr harter Arbeit. Im Jahresschnitt kommen sie auf 25 bis 30 Trainings- und Wettkampfwochen.

Für Vargas Koch, 24, wäre es keine Premiere. 2013 in Brasilien holte sie Silber. Also muss in Russland Gold her? „Nein“, sagt sie und wiederholt: „Eine Medaille ist das Ziel. Im Judo fallen Entscheidungen oft in Sekundenbruchteilen. Da spekuliert man über die Farbe der Medaille nicht.“ Dass alles möglich ist, für sich selbst und mit Blick auf die Vorzeige-Athletin der deutschen Auswahl, betont Sven Maresch.

„Laura kann ganz nach oben kommen, und für mich sehe ich die Chance auch. Ich habe mich in den letzten Jahren von Weltranglistenplatz 50 bis zu Rang drei gekämpft. Das gibt Selbstsicherheit. Ohne dass ich dabei vergesse, wie bitter eine Sekunde Unaufmerksamkeit sein kann“, wägt der 27-Jährige, zuletzt Bronze-Gewinner bei der EM in Montpellier in der 81-Kilo-Klasse, ab.

Iljana Marzok, die wie Vargas Koch in der Klasse bis 70 Kilo startet, und Franziska Konitz (+78 Kilo) sehen darin keinen Nachteil. „Ich finde, der Druck kann einen stärker machen. Man kennt ja die Regeln“, sagt Marzok. Die 28-jährige Studentin hadert auch nicht mit der Konkurrenzsituation gegenüber Vargas Koch. Sie nimmt es eher mit Humor. „Wir können bei der WM als Berliner leider nur drei Gold- und eine Silbermedaille holen.“

Alle vier Berliner fühlen sich als Spitzenathleten in Deutschland gut aufgehoben. Die Frage, ob 15.000 Euro Belohnung für eine olympische Goldmedaille nicht Peanuts seien, verneinen sie. Laura Vargas Koch: „Man kann sich als Leistungssportler auf seinen Job konzentrieren. Ich würde mich nicht beklagen.“ Die Zeit nach dem Sport haben sie fest im Blick. Konitz, 27, ist bei der Bundespolizei. Laura Vargas Koch will in Aachen in Mathematik promovieren. Iljana Marzok zieht es in die Medienwelt – aber eher „in den Teil, der sich mit Informatik beschäftigt“. Maresch geht einen anderen Weg. „Ich studiere, wenn ich Judo mal runterfahre.“ Sein künftiges Engagement wird im Bereich Musik und Design angesiedelt sein. Aber erst mal steht der Sport an erster Stelle. Und das große Ziel nach der WM: Olympia 2016 in Rio.