EM-Fehlstart

Biedermann ist halt keine Franzi

Weltrekordler bekommt Finalplatz nicht vom Teamkollegen geschenkt wie einst van Almsick

Mit starrer Miene registrierte Paul Biedermann seinen EM-Fehlstart, wandte sich ab und verschwand blitzschnell aus dem umgebauten Velodrom. Platz neun im Vorlauf über 400 Meter Freistil und 3:50,42 Minuten reichten nicht für das Finale. „Ich bin selber schuld, habe das Rennen falsch eingeschätzt“, ließ der enttäuschte Weltrekordler später übermitteln. Der Verbandssprecher las eine entsprechende Kurznachricht von seinem Handy ab. „Ich konzentriere mich nun auf mein 200-Meter Freistil-Rennen am Dienstag.“ Sieben Hundertstelsekunden fehlten für den Endlauf. Den verpasste überraschend auch Doppel-Olympiasieger Yannick Agnel. Der Franzose stand im Gegensatz zu Biedermann tapfer Rede und Antwort (und holte sich dann am Abend doch schon das erste Gold mit der Staffel).

Einer, der Biedermann aus dem Finale drängte, war Clemens Rapp. Der Heidelberger wurde beim Sieg des Serben Velimir Stjepanovic (3:45,66) am Ende Fünfter (3:48,44). Über einen Endlaufverzicht wie bei der WM 1994 von Dagmar Hase zugunsten der späteren Weltmeisterin Franziska van Almsick dachte er nicht eine Sekunde nach: „Nein, das mache ich nicht. Ich weiß nicht, was da passiert ist. Aber ich freue mich für mich.“ Biedermann blieb während der Finals dann lieber im noblen Hotel auf der anderen Straßenseite der Landsberger Allee.

Konzentriert mit der Stoppuhr in der Hand hatte Trainer Frank Embacher den ersten Auftritt des prominentesten deutschen Schwimmers in Berlin von der Tribüne verfolgt. Und als Biedermann auf Rang drei seines Vorlaufs das Ziel erreichte, schwante dem Heim-Coach schon das Aus. „Die Frage wäre gewesen, ob wir das Finale geschwommen wären“, sagte Embacher angesichts der schlechten Zeit und des noch anstehenden Restprogramms seines Schützlings.

Nun steht die Frage im Raum, wie stark der bei der DM Anfang Mai auf den kürzeren Freistil-Strecken überraschend schnelle Biedermann beim ersten internationalen Langbahn-Wettkampf seit Olympia 2012 wirklich ist. Zweieinhalb Wochen Krankheit in der EM-Vorbereitung liegen hinter dem 28-Jährigen, der zunächst noch gelächelt hatte. Das langsame Rennen sei „vielleicht für meinen Zustand gar nicht verkehrt“, berichtete der Schwimmer, als er sich noch eine Runde weiter wähnte. Doch dann waren acht Schwimmer schneller als der Doppel-Weltmeister von 2009. Wenigstens schockte Biedermann nicht die gesamte deutsche Mannschaft. Am Abend sicherten sich immerhin sechs seiner Kollegen Plätze für die heutigen Finals. Ein großer Fortschritt zu dem einen (Rapp) am Montag. Die tolle Stimmung in der Halle hätte bessere deutsche Leistungen auf jeden Fall verdient