Hertha BSC

Mit gutem Gefühl

Julian Schieber zeigt mit seinem Tor, wie wertvoll er für Hertha noch werden kann

An sein letztes Pflichtspiel von Beginn an kann sich Julian Schieber noch gut erinnern, obwohl es schon fast ein halbes Jahr her ist. „Na klar, das war ein enges Spiel und wir haben 1:0 gewonnen“, sagte er direkt heraus. Das war am 9. März dieses Jahres, als er mit Borussia Dortmund auf den SC Freiburg traf. Wer dieses Datum kennt, wird verstehen, wie viel dem Hertha-Angreifer das Vertrauen von Trainer Jos Luhukay wert ist. Der Niederländer ließ ihn im Pokalspiel bei Viktoria Köln (4:2) von Anpfiff an stürmen. Und der Angreifer machte mit einem Treffer und einer Vorlage deutlich, wie wertvoll er für Hertha in dieser Saison noch werden kann.

Ganz so selbstbewusst und offen würde es Julian Schieber nicht formulieren. Der 25-jährige Stürmer ist nach Berlin gekommen, um nach zwei Jahren in Dortmund endlich wieder mehr Einsatzzeit zu erhalten. Und die kommt gerade bei einem Trainer wie Luhukay, der weniger auf Namen als sehr genau auf die Trainingsleistung schaut, nicht durch öffentliches Fordern. „Ich glaube, nach einem Spiel ist es für Klub und Spieler noch zu früh, ein abschließendes Urteil zu fällen. Aber ich hatte bei Hertha von Anfang an ein gutes Gefühl. Daran hat sich durch das Spiel am Sonnabend sicher nichts geändert“, sagte er mit einem vielsagenden Grinsen.

Die gute Laune von Schieber lässt sich aber nicht nur darin begründen, dass er endlich wieder bei Anpfiff auf dem Rasen stand. Nach einer sehr langen Vorbereitung war von außen nicht ganz klar, wo der Stürmer steht. Er hatte zwar sechs Tore in den Testspielen erzielt, die aber allesamt gegen deutlich unterklassige Gegner. Im Pokal konnte er erst das 2:0 von Rechtsaußen Roy Beerens vorbereiten und erzielte dann in einer Phase, als Hertha nach dem Anschlusstreffer des Viertligisten unter Schock stand, das entscheidende Tor nach klassischer Mittelstürmer-Art. Er setzte im Fünfmeter-Raum nach und stocherte den Ball über die Linie. Auf diese Fähigkeit wird es in der Liga öfter ankommen.

Bei aller Freude bricht bei Schieber allerdings nicht die große Euphorie aus. Vor dem ersten Bundesligaspiel gegen Werder Bremen am Sonnabend im Olympiastadion sagte er: „Einige Dinge funktionieren schon ganz gut. Aber wir müssen als ganze Mannschaft defensiv noch stabiler werden. Zwei Gegentore im Pokalspiel waren zu viel.“

Keine Frage, der Stürmer ist in Berlin angekommen. Er fühlt sich heimisch und hat auch den Umzug komplett abgeschlossen. Am Ende fehlte in seiner Wohnung nur noch das Aquarium mit seinen südamerikanischen Buntbarschen. Doch das ist nun auch da. „Das hat alles wunderbar geklappt“, sagte er. Wie so vieles im Moment.