Skandal

„Das ist nicht Fußball, das ist ein Anschlag“

Skandal in Frankreich: Bastias Brandao bricht Gegner Motta nach Schlusspfiff die Nase

War es Heimtücke? Die Bilder lassen kaum einen anderen Schluss zu. Paris Saint-Germain (PSG) gegen den SC Bastia, der Titelverteidiger aus der französischen Hauptstadt siegt am zweiten Spieltag der Ligue 1 mit 2:0. Es war kein mitreißendes Fußballspiel. Das Spektakel spielte sich erst nach Ende der Partie ab, unten im Kabinengang.

Auf einer Videoaufzeichnung ist zu sehen, wie Bastias Stürmer Brandao im Flur wartet. Thiago Motta kommt an, die beiden waren auf dem Platz Gegenspieler. Es ist anzunehmen, dass sie sich schon auf dem Platz einiges zu sagen hatten. Vermutlich nichts Gutes. Beide sind Brasilianer, auch wenn Thiago Motta über einen italienischen Pass verfügt.

Brandao stand scheinbar arglos im Gang. Thiago Motta wollte an ihm vorbei, doch das gelang ihm nicht. Brandao machte drei Schritte und verpasste ihm urplötzlich einen Kopfstoß. Wie sich herausstellte, brach er ihm damit die Nase. Es floss viel Blut. Das Ende der Auseinandersetzung aber war das noch lange nicht. Ebenso schnell wie Brandao zugeschlagen hatte, flüchtete er auch, Thiago Motta hinter ihm her.

Beide sind nicht als Friedensapostel bekannt. Brandao war vergangene Saison für vier Spiele gesperrt worden, weil er Paris Saint-Germains Yohan Cabaye mit dem Ellenbogen niedergestreckt hatte. Andererseits war auch der 31-jährige Thiago Motta schon während seiner Zeit bei Inter Mailand als äußerst unangenehmer Widersacher auf dem Platz berüchtigt. Bei den Italienern etablierte er seinen Ruf als würdiger Nachfolger des Stinkstiefels Marco Materazzi, der schlechte Ruf war Auszeichnung und Warnung an die Gegenspieler zugleich.

Thiago Motta jedenfalls setzte nach der Attacke Brandao hinterher. Was sich im Raum abspielte, ist noch unklar. Die Videoaufzeichnung dokumentiert nur, dass Thiago Motta mit blutender Nase von seinen Mitspielern abgehalten werden muss, Brandao zu stellen – wobei vermutlich mehr Blut geflossen wäre.

Die wilde Aktion wird Konsequenzen haben, so viel ist sicher. Bastias Trainer kündigte an, sich Brandao vorzuknöpfen. „Wenn er sich unwürdig verhalten hat, wird es interne Sanktionen gegen ihn geben“, sagte Claude Makelele, als Aktiver Gewinner der Champions League 2002 mit Real Madrid und dort als Abräumer eifrig und hart, dabei aber stets fair unterwegs.

PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi ging gar so weit, dass er drastische Maßnahmen für unausweichlich hielt. „Brandao gehört lebenslang gesperrt“, sagte Al-Khelaifi. „Ich bin sehr aufgeregt. Das ist nicht Fußball, das ist ein Anschlag. Da muss eine Grundsatzentscheidung her“, sagte er. In dem Tumult ging fast unter, dass sich Superstar Zlatan Ibrahimovic schon im Spiel verletzt hatte. Der schwedische Torjäger verließ nach 14 Minuten das Feld. „Er hatte eine offene Wunde an der Seite. Es ist eine seltsame Verletzung. Ich bin kein Arzt. Ich weiß nicht, ob es ernst ist“, sagte Trainer Laurent Blanc. Thiago Motta wurde da gerade die Nase gerichtet.