Boxen

Hitzige Diskussionen nach Hernandez-Sieg gegen Arslan

Experte Henry Maske steht in der Kritik. Ulli Wegner spricht von „Schweinerei“

Die Skeptiker, die im Vorfeld des Weltmeisterschaftskampfes von Titelverteidiger Yoan Pablo Hernandez gegen Firat Aarslan die Sinnhaftigkeit des Duells zu hinterfragen wagten, hatten reichlich Schelte bekommen. Nachdem am frühen Sonntagmorgen das Urteil (115:113, 116:113, 113:115) zugunsten des 29 Jahre alten Champions verkündet war, schlugen die Wellen hoch. Wellen, die man hätte vermeiden können.

Das teaminterne Duell, beide Boxer kämpften im Verantwortungsbereich des Berliner Profiteams Sauerland, war zumindest falsch terminiert, es kam für Hernandez viel zu früh. Dieser hatte, nachdem er monatelang durch eine Infektion außer Gefecht gesetzt war, mehr als konditionelle Probleme zu lösen. Der bereits 43-jährige Arslan erstickte jedwede Entfaltungsmöglichkeit des gebürtigen Kubaners, brachte ihn immer wieder aus dem Konzept und setzte selbst ein paar Akzente. Die fehlenden boxerischen Fertigkeiten – gemessen am Anspruch, Weltspitze zu sein – waren aber nicht zu übersehen. Distanz verändern, großes Schlagrepertoire oder Tempowechsel sind nicht seine Stärken. All das rettete Hernandez, dem man immerhin zugestehen konnte, dass er den Kampf geschickt offen gehalten hatte. Zumindest zwei der drei Punktrichter sahen es jedenfalls so.

Genauso uneinig waren sich die Protagonisten im Umfeld der beiden Boxer. Wie angespannt die Nerven sind, zeigte die Wortwahl. Hernandez-Manager Wilfried Sauerland wird mit den Worten „Henry hat große Scheiße geredet“ zitiert. Hernandez-Trainer Ulli Wegner giftete: „Dass Henry von einem Fehlurteil spricht, ist eine Schweinerei von ihm.“ Der mittlerweile 50-Jährige Ex-Champ Maske hatte als ARD-Experte gesagt: „Arslan hat hier gewonnen, seine absoluten Möglichkeiten ausgeschöpft.“ Und Henry Maske, dessen erklärter Liebling Hernandez ist, stand auch nach einer kurzen Nacht zu seiner Sicht der Dinge. „Pablo hat ganz einfach nicht die Akzente gesetzt, die er als Weltmeister setzen muss. Er war zu passiv. Firat hat sein Potenzial ausgereizt.“

Das Brisante dabei ist: Hernry Maske und der kürzlich bei Sauerland entlassenen Sportliche Leiter Hagen Döring wurden in letzter Zeit gelegentlich mit einer von den beiden Brüdern Alexander und Boris Zastrow (im Alltag handeln sie mit pflanzlichen Ölen und Fetten) geplanten Team-Neugründung in Zusammenhang gebracht. Quasi als Antwort auf den Fakt, dass die ARD bei Sauerland als TV-Partner aussteigt und sich die Profibox-Landschaft in Deutschland signifikant verändern würde. Maske und Döring wären da mit ihrer Erfahrung wertvoll.

Davon unberührt äußerte sich der von Arslan extra für den Kampf verpflichtete Trainer Fritz Sdunek: „Für mich heißt der Sieger Firat Arslan. So dumm sind die Kampfrichter, die machen das Boxen kaputt.“ Mit deutlich mehr Abstand, wenn auch nah am Ring sitzend, urteilte Regina Halmich, die zwischen 1995 und 2007 selbst Weltmeisterin war und kräftig die Daumen für Firat Arslan gedrückt hatte. „Ich hoffe, dass Firat bald aufhört. Er sollte sich diese Belastungen nicht mehr zumuten. Er hatte eine tolle Karriere, war Weltmeister und ist für viele ein Vorbild.“ Fest steht: Teamchef Wilfried Sauerland bot Arslan, der nach dem Kampf wegen einer Ohrenverletzung ins Krankenhaus fuhr, eine Revanche an.

Durchweg erfreulich gestaltete sich der Erfurter Kampfabend aus Sauerland-Sicht mit Blick auf das Rahmenprogramm. Höhepunkt dabei war der Gewinn des EM-Titels im Halbmittelgewicht durch Jack Culcay. Nach einem Niederschlag in Runde drei durch den spanischen Titelverteidiger Isaac Real erkämpfte sich der 28-jährige Hamburger nach und nach das zum Punktsieg nötige Übergewicht.

Härtel gewinnt sein Profidebüt

Der Berliner Stefan Härtel ließ sich bei seinem Profidebüt gegen den Letten Oleg Fedotovs nie aus der Ruhe bringen und demonstrierte ganz einfach die bessere Boxausbildung. Der Sieg des 26-Jährigen war ungefährdet. Trainingskollege Tyron Zeuge, 21, wie Härtel im Super-Mittelgewicht tätig, konnte ab Runde drei seine verletzte rechte Hand nur noch sporadisch einsetzen, bezwang den Euskirchener Baker Barakat dennoch durch technischen K.o. in Runde neun.

So sehr man sich bei Sauerland um einen TV-Partner sorgen muss, das Aufgebot an Boxern ist für jeden Partner attraktiv. Vier Weltmeister (Hernandez, Marco Huck, Arthur Abraham und Jürgen Brähmer) und eine sehr gute zweite Reihe sprechen für sich. Das nächste Mal am 30. August in Halle/Westfalen, wenn Marco Huck seinen WM-Titel gegen den Italiener Mirko Larghetti verteidigt.