DFB-Pokal

Ronny ruft sich in Erinnerung

Hertha-Trainer Luhukay lobt den Brasilianer. Doch Konkurrent Baumjohann reagiert abgeklärt

Es waren zwei Telefonate aus Deutschland, die in Fortaleza eingingen. Zunächst rief Raffael daheim in Brasilien an und meldete, dass er mit Mönchengladbach durch ein 3:1 in Homburg die zweite Runde im DFB-Pokal erreicht hatte. Raffael spielte, wie immer unter Lucien Favre, 90 Minuten. Kurz darauf meldete sich Ronny bei Papa Caetano. Fröhlich und aufgekratzt. Auch Ronny hatte in der Startelf gestanden bei Hertha BSC. Was sehr viel seltener passiert als bei seinem Bruder. Und Ronny hatte beim 4:2 (2:0) von Hertha gegen Viktoria Köln das Führungstor erzielt, das 2:0 durch eine Balleroberung eingeleitet und das 3:0 per Vorlage auf Genki Haraguchi vorbereitet.

Das Problem mit der Konstanz

Es war ein erfolgreiches Wochenende für die Fußball-Profis der Familie de Araujo: Auch wenn es gegen zwei Viertligisten ging: Es war jeweils das erste Pflichtspiel der Saison. Ronny stellte sich am Tag danach den Medienvertretern. Seit vier Jahren spielt er in Deutschland. Intern spricht er längst deutsch. Gestern versuchte er es zum ersten Mal bei einem öffentlichen Auftritt. „Es hat Spaß gemacht. Ich fühle mich fitter als im letzten Sommer.“

Nun wissen die Fans, dass es bei Ronny zwei Konstanten gibt: dass er immer für etwas Besonderes gut ist. Und dass man nie weiß, wie lange er sein Niveau halten kann. Ronny ist, anders als die weiteren Torschützen Roy Beerens, Haraguchi und Julian Schieber, kein Neuer bei Hertha. Er hat sich mit seiner Zweitliga-Saison 2012/13 und 18 Toren sowie 14 Vorlagen spektakulär einen Platz in der Hertha-Historie erobert. Um so größer war die Enttäuschung, dass Ronny in der vergangenen Saison erhebliche Probleme in der Bundesliga hatte. Da gab es zwar sein aufsehenerregendes Freistoßtor gegen Hannover. Unter dem Strich jedoch zeigte der Südamerikaner auf Bundesliga-Niveau seine Qualitäten viel zu selten.

An diesem Wochenende stand Ronny nicht nur wegen seiner Tore im Mittelpunkt. Sondern auch, weil sich an seiner Person eine Herausforderung zeigt, die Hertha BSC in dieser Saison oft bevorstehen wird: Wie gehen die Spieler mit Personalentscheidungen des Trainers um? Weil die Aufstellung von Ronny in der Startelf gleichzeitig bedeutete, dass Alexander Baumjohann auf der Bank saß. Der wurde in Minute 80 eingewechselt, als die Partie beim Stand von 4:2 bereits entschieden war.

Baumjohann trainierte am Sonntag fast anderthalb Stunden mit den Reservisten. Da war Ronny nach etwas Radfahren in der Kabine, einer Dusche und dem Medienauftritt längst vom Hof gerollt. „Wir wissen alle, dass wir einen sehr ausgeglichenen Kader haben“, sagte Baumjohann. „Natürlich hätte ich gern gespielt, aber das ist die Entscheidung des Trainers. Wichtig ist, dass wir mit Hertha die zweite Pokalrunde erreicht haben.“ Eine abgeklärte Antwort. Baumjohann war mit exzellenten Leistungen in Herthas Schaltzentrale in die vergangene Saison gestartet. Ehe ihn ein Kreuzbandriss aus der Bahn warf. Seit April spielt Baumjohann wieder, musste aber einen erneuten Eingriff am Knie über sich ergehen lassen. „Ich fühle mich von Tag zu Tag besser“, sagt er. „Ich freue mich auf jedes Training, weil es mich voranbringt. Aber ich bin noch nicht bei 100 Prozent.“

Die Gerangel um die Position mit der Nummer 10 ist eine, die so auch an anderen Stellen im Kader geführt wird. Sami Allagui, Herthas zweitbester Torschütze der Vorsaison, stand nicht mal im 18er-Kader. Marvin Plattenhardt, als linker Verteidiger gekommen, saß in Köln 90 Minuten auf der Bank. Die Spieler sind jetzt gefordert, sich nicht gegeneinander ausspielen zu lassen, sondern das Ganze im Auge zu behalten. Ronny trug beim TV-Interview eine Mütze der Basketballer der Brooklyn Nets. Er stand vor einem Foto an der Wand des Medienraums, das einen jubelnden Ronny zeigt. „Ich möchte in dieser Saison mehr spielen“, sagte Ronny. Angesprochen auf seinen Konkurrenten, sagte er: „Alexander ist ein guter Spieler.“

Eine entscheidende Rolle, die Balance in seinem Kader zu finden, kommt dem Trainer zu. Luhukay betont das Leistungsprinzip: „Jeder Spieler hat eine Eigenverantwortung, in eine gute Verfassung zu kommen.“ Im vergangenen Sommer war Ronny genau aus diesem Grund – weil er schlecht vorbereitet war – aus der Startelf gefallen. Zudem sagte Luhukay, er wolle sich nicht von den Medien treiben lassen. „Ich habe nie gesagt, dass Ronny dick oder lauffaul ist.“ Wichtiger ist, dass die Spieler lernen. „Ronny macht in der gesamten Vorbereitung einen guten Eindruck“, sagte Luhukay. „Er ist torgefährlich und hat das Auge für den Mitspieler. Wenn er top ist, geht kein Weg an Ronny vorbei. Ich hoffe, dass er das für die neue Saison mitnimmt.“

Am Sonnabend startet Hertha mit einem Heimspiel gegen Werder Bremen in die Bundesliga-Saison. Das 4:2 war ein Pflichtsieg, alle wissen, dass die Mannschaft sich in allen Belangen steigern muss. Luhukay hält die Spannung hoch: „Es kann sein, das es gegen Bremen Änderungen geben wird.“