Boxen

Oldie Arslan kämpft gegen Hernandez um seine letzte Chance

Gegensätze ziehen sich an, sagt man.

Die Boxweltmeisterschaft zwischen Joan Pablo Hernandez und Firat Arslan am Sonnabend (22.35 Uhr/ARD) in Erfurt ist ein Beispiel dafür. IBF-Champion Hernandez gilt als bester Techniker im Cruisergewicht, Arslan als Kampfmaschine, die ihren Gegner im Vorwärtsgang erdrücken will. Hernandez ist 29 Jahre alt, Arslan bereits 44 Jahre.

Es gibt auch Gemeinsamkeiten: Beide gehören dem Berliner Sauerland-Stall an. Ohne offen Partei ergreifen zu wollen, setzt das Management jedoch auf den Jüngeren. Schließlich soll der in Berlin lebende Hernandez noch einige Jahre als Champion herrschen. Arslan, der im Januar gegen den Berliner Marco Huck durch K.o. verlor, wird hingegen der Abschied aus dem Ring prophezeit. Sein Vertrag läuft noch bis Jahresende. „Wenn er es nicht schafft, sollte er seine Laufbahn beenden. Er wäre ein super Trainer“, meint Promoter Kalle Sauerland.

„Ich möchte Menschen Mut machen, dass man seine Träume nicht aufgeben darf“, sagt Arslan, der den WM-Titel von 2007 bis 2008 schon einmal trug. Der türkischstämmige Athlet ist für viele ein Sympathieträger, weil er nie aufgab. Weder nach seinem schweren Fahrradunfall vor fünf Jahren, noch nach einem Kampf gegen den Franzosen Steve Herelius, als er auf dem Weg ins Krankenhaus einen Herzstillstand erlitt. „Alle unterschätzen Arslan. Fritz wird taktisch schon einiges einfädeln“, versichert Sauerland.

Gemeint ist Trainer Fritz Sdunek, der seinen Schützling zu alten Höhen führen will. „Ich weiß, wie man Kubaner schlägt“, sagt Sdunek. „Ich werde aus Firat sicher keinen anderen Boxer machen. Aber an einigen Details kann man schon arbeiten.“ Er sei überzeugt, dass Arslan, „der älteste Weltmeister aller Zeiten im Cruisergewicht“ wird.

Hernandez, der wegen Verletzungen in knapp drei Jahren nur drei Kämpfe bestritt, hat unterdessen eine neue Motivation gefunden: seine leeren Kassen. Der Exil-Kubaner wurde von einem Unternehmensberater um rund 300.000 Euro betrogen. Er komme aber wieder auf die Beine, beteuert er. „Als ich nach Deutschland kam, hatte ich auch nichts.“