DFB-Pokal

Schlaganfall kann Trainer Kahlisch nicht bremsen

Fünftligist Rathenow empfängt St. Pauli im DFB-Pokal

Über Volker Finke kann Ingo Kahlisch bloß müde lächeln. 16 Jahre lang, von 1991 bis 2007, coachte Finke den Fußball-Bundesligisten SC Freiburg – es ist bis heute die längste Amtszeit eines Trainers in der höchsten deutschen Spielklasse. Ingo Kahlisch aber ist schon seit über 25 Jahren in Diensten des FSV Optik Rathenow. Am 2. Januar 1989 wurde er technischer Leiter beim Klub aus dem Havelland, am 1. Juli 1989 übernahm er beim Oberligisten außerdem das Amt des Cheftrainers. Die DDR existierte noch, und der FSV Optik hieß noch BSG Motor.

Seitdem ist Kahlisch, 58, nach eigenem Bekunden „Trainer, Geschäftsführer und Pausenclown“ in Personalunion. Ein Rathenower Urgestein. Am Sonnabend (15.30 Uhr) empfängt er mit den Brandenburgern im DFB-Pokal den Zweitligisten FC St. Pauli. Das Stadion Vogelsang ist längst ausverkauft, 4500 Zuschauer werden dabei sein, allein 2000 Hamburger Fans haben sich angekündigt. „Ein Highlight für uns“, sagt Kahlisch. Er bleibt Realist: Die Hamburger sind ein Zweitligaklub, der FSV Optik Fünftligist, noch dazu mit runderneuerter Mannschaft, die sich erst noch finden muss. „Wir wollen uns ordentlich verkaufen“, erklärt Kahlisch. So wie im Vorjahr, als Optik dem FSV Frankfurt 1:3 nach Verlängerung unterlag.

Im Frühjahr 2014 wiederholten die Rathenower ihren Erfolg im brandenburgischen Landespokal und sicherten sich erneut das Ticket für die erste DFB-Pokalrunde. In die Freude mischten sich aber Sorgen um die Gesundheit von Kahlisch. Er hatte nach dem Halbfinale gegen Eisenhüttenstadt einen leichten Schlaganfall erlitten. Das hinderte ihn nicht daran, zur neuen Saison zurückzukehren, wie gehabt in einer Doppelrolle als Trainer und Geschäftsführer. Die Reha läuft noch, doch Kahlisch strotzt vor Tatendrang. „Ich bin jetzt wieder bei 70 Prozent“, erzählt er und will das Thema damit am liebsten auf sich beruhen lassen. „Reden wir doch über etwas anderes.“

Wie lange er in Rathenow einen Vertrag hat, weiß er angeblich nicht, „da müsste ich nachfragen“. Vielleicht knackt er eines Tages sogar den Weltrekord des Franzosen Guy Roux vom AJ Auxerre. Der hielt einst fast 39Jahre bei seinem Klub durch.