Schwimm-EM

Deutsche schwimmen in Medaillen

Isabelle Härle gewinnt EM-Gold, Thomas Lurz ist froh über Silber

Bei den Klängen der Nationalhymne kämpfte Isabelle Härle mit den Tränen. Die 26-Jährige hat über fünf Kilometer den ersten deutschen Titel bei der Schwimm-EM in Berlin gewonnen. „Dafür trainiere ich das ganze Jahr und reiß' mir den Arsch auf“, sagte die ehemalige Beckenschwimmerin nach ihrer ersten internationalen Einzelmedaille mit einem Lächeln. Ihr besonderes Erfolgsrezept gab Härle auch gleich preis: In Gedanken war Rekordweltmeister Thomas Lurz immer mit dabei. „Ich habe mir die ganze Zeit vorgestellt, dass er vor mir ist – das hat anscheinend funktioniert.“

Riesengroß war die Freude um die souveräne Siegerin, die sich vor Umarmungen kaum retten konnte. Freund Hendrik Feldwehr, die Teamkollegen, Chef-Bundestrainer Henning Lambertz: Alle wollten sie drücken. „Ich bin stolz auf mein Team. So kann es weiter gehen“, sagte Freiwasser-Bundestrainer Stefan Lurz. Am Vormittag hatte sein Bruder Thomas über zehn Kilometer Silber gewonnen. Mit vier Medaillen haben die Freiwasser-Schwimmer ihre EM-Anforderung schon erfüllt – und haben noch drei Chancen.

Härle führte schon zur Hälfte des Zeitrennens vor Zehn-Kilometer-Europameisterin Sharon van Rouwendaal (Niederlande) und Olympiasiegerin Eva Risztov (Ungarn). Als die Goldmedaillengewinnerin von London 53 Sekunden hinter Härle anschlug, durfte die Essenerin mehr denn je auf Gold hoffen. Am Ende ging Silber an die hoch gehandelte van Rouwendaal, Bronze sicherte sich Mireia Belmonte (Spanien).

„Ich war die letzten drei Tage so nervös, ich kann im Moment gar nicht so viel denken. Ich bin irgendwie fertig“, sagte Härle. Und es waren nicht nur körperliche Strapazen. Das Schlimmste sei, „dass man mit seinen Gedanken eine Stunde allein ist und sich irgendwie beschäftigen muss. Ich habe immer gedacht, Thomas schwimmt vor mir, und ich muss immer an den Füßen bleiben.“ Gemeinsam holten sie vor einem Jahr Gold im Team-Rennen von Barcelona. Zusammen mit dem neuen Crew-Mitglied Rob Muffels soll am Sonnabend nun ein EM-Sieg in dieser Disziplin her.

Lurz freute sich für Härle – und über seine zehnte EM-Medaille. Als einziger der Favoriten bestritt der 34-Jährige zwei Freiwasser-Rennen binnen weniger als 20 Stunden und war mit Silber „echt zufrieden“. Lurz lag auf der Regattastrecke in Grünau 2,8 Sekunden hinter dem Niederländer Ferry Weertmann. „Am Schluss haben mir ein paar Körner gefehlt“, erklärte Lurz, der einen Kilometer vor dem Ziel die Führung übernommen hatte. Im Schlussspurt war er aber ohne echte Chance.

„Heute ist ein schöner Tag. Open Water schafft ein Polster für das gesamte Team“, erklärte Leistungssportdirektor Lutz Buschkow. Am Wochenende stehen noch die Entscheidungen für das Team und die über 25 km an. „Wir greifen Gold an, ganz klar“, sagte Lurz über die Mannschaftsentscheidung.

Synchronteam im Finale

Die deutschen Synchronschwimmerinnnen haben das EM-Finale bei den Duetten verpasst. Die Schwestern Inken und Wiebke Jeske aus Flensburg belegten mit 74,9667 Punkten in der Qualifikation der Freien Kür Platz 14. In der Technischen Kür hatten Wiebke Jeske und Edith Zeppenfeld zuvor Rang 13 belegt (72,8751). Im Team-Wettbewerb geht Deutschland als Vorkampf-Neunter ins heutige Finale (18 Uhr).