Abschied

„Danke für alles, Miro!“

Nach 13 Jahren und dem WM-Titel verabschiedet sich Miroslav Klose aus dem Nationalteam

Er stand allein auf dem Rasen. Nur für sich. Während einige Spieler wild umhersprangen, schaute Miroslav Klose ins weite Rund des Maracana. Eine Kamera fing ihn in Großaufnahme ein, sodass auf den vier Videoleinwänden, die im Stadion hingen, zu sehen war, wie ihn die Gefühle übermannten. Klose weinte vor Glück. Endlich hatte der Stürmer mit der deutschen Nationalmannschaft das erreicht, wonach er sich immer gesehnt hatte – einen großen Titel. 1:0 hatte Deutschland im WM-Finale gegen Argentinien gewonnen. In seinem siebten Turnier für Deutschland war Klose die Krönung gelungen. Nach 137 Länderspielen und 71 Toren.

Rund vier Wochen ist das nun her. Vier Wochen, in denen Klose Zeit hatte nachzudenken. Und in denen er den Entschluss gefasst hat, nicht mehr für die deutsche Nationalmannschaft zu spielen. Klose gab am Montag seinen Rücktritt aus der DFB-Auswahl bekannt. Nach Philipp Lahm ist er der zweite Weltmeister, der sich entschieden hat. Lahm hatte drei Tage nach dem Titelgewinn seinen Rücktritt erklärt.

„Für mich kann es keinen schöneren Zeitpunkt geben, um das Kapitel Nationalmannschaft zu beschließen. Mit dem Titel in Brasilien hat sich für mich ein Kindheitstraum erfüllt. Ich bin stolz und glücklich, dass ich diesen großen Erfolg für den deutschen Fußball mitgestalten durfte. Ich hatte eine einmalige, wunderschöne Zeit und viele unvergessliche Momente in der Nationalmannschaft“, sagte der 36 Jahre alte Angreifer von Lazio Rom. Beim italienischen Erstliga-Klub hat er noch einen Vertrag bis Ende Juni 2015. Den wird er – Stand jetzt – auch erfüllen.

Löw zollt dem Stürmer Respekt

Die Reaktion von Bundestrainer Joachim Löw zeigt seine Hochachtung für den Stürmer: „Auf Miro Klose ist und war immer Verlass, sein Wort gilt. Das war auch in Brasilien so. Ich wusste, Miro wird topfit sein, wenn es darauf ankommt. Als ich 2004 als Assistenztrainer zum DFB kam, war Miro schon da. Miro Klose ist ein Weltstar, er ist einer der größten Stürmer, die der Fußball hervorgebracht hat.“

In der vergangenen Woche hatte Klose das Gespräch mit Löw gesucht. Man traf sich in Italien. Dort, wo Klose seit drei Jahren wohnt und Löw derzeit Urlaub macht. Er habe sofort gespürt, sagte Löw, dass die Entscheidung von Klose unumkehrbar sei und er ihn nicht mehr umstimmen könne. „Seine fußballerischen Qualitäten wie seine Kopfballstärke, seine Strafraumpräsenz, sein Spielverständnis, sein nimmermüder Einsatz suchen weltweit ihresgleichen. Und dennoch habe ich bislang kaum einen Spieler erlebt, der mehr für Bodenständigkeit, Bescheidenheit, Professionalität, Verlässlichkeit und Teamgeist steht“, sagte Löw über den Angreifer, der am 24. März 2001 in Leverkusen beim 2:1 gegen Albanien debütiert hatte.

Es war der Anfang eine großartigen Länderspiel-Karriere. Am Ende bescherte sie ihm nicht nur den WM-Titel. Denn beim Turnier in Brasilien war es Klose auch noch gelungen, Ronaldo vom Thron der ewigen Torjägerliste zu stoßen. Mit seinem Treffer zum zwischenzeitlichen 2:0 beim legendären 7:1 gegen den WM-Gastgeber hatte Klose sein 16. WM-Tor erzielt und sich damit den Eintrag in die Geschichtsbücher gesichert. Ohnehin hält er mit 71 Toren auch den Rekord für Länderspieltore in der deutschen Nationalmannschaft. An drei Europameisterschaften hat Klose teilgenommen. In Brasilien bestritt er seine vierte Weltmeisterschaft. Nach seinen fünf Toren bei der WM 2002 folgten 2006 bei der Heim-WM erneut fünf Treffer. 2010 beim Turnier in Südafrika kamen noch einmal vier Treffer auf sein Konto dazu, jüngst in Brasilien dann zwei. Dort lieferte er einmal mehr den Beweis, wie gut er seit Jahren mit seinem Körper umgeht. Klose lebt sehr diszipliniert. Erst in Italien unterlief er das selbst auferlegte Alkoholverbot. Eskapaden um ihn gab es nie. Klose ließ immer Taten sprechen. Die großen Töne überließ er anderen.

Das galt als Nationalspieler – oder im Trikot seiner Vereine für die er in Deutschland gespielt hat. Den 1. FC Kaiserslautern, Werder Bremen und schließlich auch den FC Bayern.

„Der Erfolg des Teams steht für mich immer an oberster Stelle“, hieß es unter anderem in seiner Rücktrittserklärung. „Wer mich kennt, der weiß, dass ich sehr ehrgeizig bin. Ich bin Stürmer – und die Aufgabe eines Stürmers ist es, Tore zu schießen. Darum ging es mir nie um Rekorde, sondern stets darum, mein Bestes für das Team zu geben.“

Zuletzt war jedoch nicht zu übersehen, dass die Karriere Spuren hinterlassen hat. Aber dafür funktionierte zuletzt immer noch sein Torriecher. Auch hatte er es diesmal wieder geschafft, sich rechtzeitig in Form zu bringen. Zwei längere Verletzungspausen hatten daran zuletzt Zweifel geweckt.

Ab sofort konzentriert sich Klose auf seine Aufgaben bei Lazio Rom – und seine Familie. Mit seiner Frau Sylwia hat der Angreifer Zwillingssöhne. Am 3.September, wenn Deutschland in Düsseldorf in einem Testspiel auf Finalgegner Argentinien trifft, wird Klose neben Philipp Lahm offiziell verabschiedet. Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff, mit dem Klose von 2001 bis 2002 noch zusammen in der DFB-Auswahl gespielt hat, sprach am Montag sicher vielen Anhängern aus der Seele: „Nach 13 gemeinsamen Jahren bleibt mir nur zu sagen: Danke für alles, Miro!“ Und adieu Tor-Salto.