Prozess

Ex-Sportdirektor Kreuzer verklagt den Hamburger SV

Eine außergerichtliche Schlichtung ist gescheitert

Oliver Kreuzer geht gegen die Kündigung als Sportdirektor beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV vor Gericht. Wie die Pressestelle des Hamburger Arbeitsgerichts am Montag mitteilte, ist zunächst ein Gütetermin für den 29. August vor dem Gericht anberaumt. Dabei wird versucht, eine Einigung der Parteien zu erreichen, ohne dass es zu einem Hauptsacheverfahren kommt. Kreuzer kam im Sommer 2013 vom Karlsruher SC, zahlte dabei selbst 100.000 Euro Ablöse an die Badenser und arbeitete nur eine Saison für den HSV, in dessen Vorstand er auch saß. Sein Dreijahresvertrag läuft bis zum 30. Juni 2016. Die Hamburger kündigten ihm zum 31. August 2014.

Seine Enttäuschung ist auch drei Wochen nach seinem Abschied groß. „Nichts, aber auch gar nichts deutete darauf hin, dass Didi eine Veränderung anstrebt. Dieses Gefühl hatte ich zu keinem Zeitpunkt“, sagte Kreuzer dem Sportmagazin „Kicker“ am Montag zur Entscheidung des Vorstandsvorsitzenden Dietmar Beiersdorfer. „Ich hätte mir aber gewünscht, dass man das Thema offener und ehrlicher angeht, dass man mir diese Entscheidung der sportlichen Neuausrichtung eher mitteilt.“

Nach der erfolgreichen Ausgliederung der HSV-Profiabteilung aus dem Gesamtverein hatte Milliardär Michael Kühne, der Kreuzer bei dessen Amtsantritt in einem Interview als „Drittliga-Manager“ abqualifizierte, an Macht im Klub gewonnen. Mit weiteren 17 Millionen Euro erhöhte er das Darlehen an den ewigen Bundesligisten auf insgesamt 25 Millionen Euro.

Der HSV habe vor seinem Dienstantritt „finanziell über seine Verhältnisse gelebt“, betonte Kreuzer. „Jetzt, da ich weg bin, ist auch wieder frisches Geld da. Aber ausgerechnet in diesen 13 Monaten meines Wirkens wurde die Vollbremsung vollzogen, um den Crash zu verhindern. Ganz ehrlich, das ist doch fast wie in einem schlechten Film. Ich hätte gern zusammen mit Mirko Slomka, Dietmar Beiersdorfer und den nun besseren Möglichkeiten den Neuaufbau mitgestaltet.“

Ausgerechnet Trainer Slomka wurde vor der Saisonvorbereitung von Geldgeber Kühne attackiert: „Als Privatmann und HSV-Fan kann ich nur sagen, dass ich an diesen Trainer nicht glaube. Er hat in der Endphase der Saison keine Punkte geholt, er hat wahnsinniges Glück gehabt, dass der Abstieg verhindert wurde. Es war eine solche Zitterpartie, die möchte ich nicht noch einmal erleben.“ Kreuzer hofft dagegen, dass Slomka eine ernsthafte Chance in Hamburg erhält: „Mirko hat es absolut verdient, diese Mannschaft in die neue Saison zu führen.“

Für ihn sei der HSV „immer noch ein großartiger Verein mit unglaublich viel Potenzial und sensationellen Fans“. Er werde vorerst in Hamburg wohnen bleiben, aber erst mal nicht ins Stadion gehen, sagte Kreuzer. Der 48 Jahre alte ehemalige Bayern-Profi ist sich sicher, dass der HSV „am Ende zwischen Platz sieben und 13 landen wird“.