Trainer

Füchse geben Sigurdsson frei

Isländer wird Handball-Bundestrainer, bleibt aber für ein Jahr auch noch Coach in Berlin

Die letzte Hürde ist genommen. Die Füchse Berlin haben dem Deutschen Handball Bund (DHB) zugesagt, dass ihr Cheftrainer Dagur Sigurdsson die Nachfolge des entlassenen Martin Heuberger antreten kann. „Ich habe heute den Präsidenten des DHB Bernhard Bauer darüber informiert, dass die Füchse Berlin der Bitte des DHB und der HBL entsprechen und Dagur Sigurdsson zum 1. Juli 2015 freigeben und für die Saison 2014/15 einer Doppelfunktion als deutscher Nationaltrainer zustimmen“, wird Präsident Frank Steffel in einer Mitteilung des Berliner Bundesligisten zitiert. „Schweren Herzens“, heißt es darin außerdem.

Für den aufstrebenden Verein war es in jedem Fall keine leichte Entscheidung. Denn der 41-Jährige, der 2009 sein Amt bei den Füchsen angetreten hatte, formte ein Spitzenteam, das in der vergangenen Saison erstmals den deutschen Pokal gewann und bereits zweimal an der Champions League teilnahm. In der Saison 2011/12 erreichten die Berliner auf Anhieb das Final Four des höchsten europäischen Vereinswettbewerbs. Dabei ist es Sigurdsson gelungen, viele Talente aus der Füchse-Nachwuchsarbeit zu Bundesligaspielern zu entwickeln. Mit den U20-Europameistern Paul Drux und Fabian Wiede nehmen zwei von ihnen im aktuellen Kader schon eine wichtige Rolle ein.

Mit dieser Fähigkeit und seiner internationalen Erfahrung erfüllt der Isländer das Anforderungsprofil eines Nationaltrainers. „Durch die geschlossene Unterstützung des DHB und der HBL sowie seine herausragenden Qualitäten als Trainer hat Dagur Sigurdsson beste Voraussetzungen, eine erfolgreiche Ära des deutschen Handballs zu prägen“, glaubt Steffel. „Unsere Erwartung und Hoffnung ist, dass auch alle anderen Bundesligisten ihren Beitrag zum Erfolg der Nationalmannschaft leisten.“ Ab sofort müssen sich die Füchse nun allerdings auf die Suche nach einem neuen Cheftrainer machen.

Der Bundesligist und der DHB vereinbarten, dass zwischen den Füchsen und der Nationalmannschaft in Berlin ein Abschiedsspiel für Sigurdsson ausgetragen wird. Der DHB hat die Besetzung seines wichtigsten Postens noch nicht bestätigt. Der Bundestrainer soll am Dienstag vorgestellt werden.

Sigurdsson hatte von 2009 bis 2010 schon die Füchse und Österreichs Nationalmannschaft in Doppelfunktion betreut. Nach der sportlich verpassten Teilnahme an der WM 2015 war der Vertrag mit Heuberger nicht verlängert worden. Dank einer Wildcard ist die DHB-Auswahl im Januar bei den Titelkämpfen in Katar trotzdem dabei. Dort spielt der WM-Fünfte von 2013 zunächst gegen Polen sowie Dänemark, Russland, Argentinien und Bahrain.

Seine Premiere als Bundestrainer wird Dagur Sigurdsson bei den Testspielen gegen die Schweiz am 20. September in Göppingen und einen Tag darauf in Neu-Ulm feiern. Die ersten Bewährungsproben sind die Spiele in der Qualifikation für die EM 2016 in Polen am 29. Oktober in Gummersbach gegen Finnland und am 2. November in Wien gegen Österreich.

Das Turnier in Schneverdingen mit den Füchsen beendete er auf Rang zwei. Im Endspiel des Heide-Cups unterlagen die Berliner der HSG Wetzlar mit 24:27 (10:10). Bester Werfer des Spiels war mit Petar Nenadic (9 Treffer) allerdings ein Fuchs. Und der junge Wiede wurde gar als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet.