Fußball

Wenn RB Leipzig in der Tabelle der Zweiten Liga fehlt

Die Fan-Proteste gegen den Aufsteiger verschärfen sich

Am Ende verdiente die ganze Aktion nun wirklich nicht den Titel Protestmarsch. 150 Anhänger des TSV 1860 München waren am Sonntagmittag ins Münchner Zentrum gekommen, ihre Plakate durften sie auch ausrollen, doch mehr als jene kurze Zusammenkunft verhinderten Polizei und Kreisverwaltungsreferat. Ihre Botschaft wurden die Münchner Anhänger dennoch los: „Alle gegen Kommerz“ und vor allem „Nein zu RB Leipzig“.

Später am Nachmittag mussten sie dann mit ansehen, wie RB Leipzig ausgerechnet in München den ersten Zweitligasieg in der Vereinshistorie schaffte. 3:0 (1:0) gewann der Aufsteiger, selbst einen verschossenen Foulelfmeter konnten sich die Sachsen leisten. Dass sie alles andere als willkommen waren, war ihnen jedenfalls herzlich egal.

„Leidenschaft und Tradition – ihr seid kein Teil davon“, solche Banner hingen im Münchner Fanblock. Sie illustrieren gut die Traditions- und Kommerzdiskussion, die seit Monaten herrscht. Es gab wohl noch nie einen Klub im deutschen Profifußball, der so derart polarisiert wie Rasenballsport Leipzig. Dass ihr eigener Klub vom jordanischen Investor Hasan Ismaik ebenfalls üppig alimentiert wird, dass auch RB-Sportdirektor Ralf Rangnick argumentiert, ohne die Ismaik-Millionen würde es 1860 gar nicht mehr auf der Profilandkarte geben, insofern seien beide Vereine durchaus ähnlich zu bewerten, das alles ist für die Fans des TSV 1860 ein unzulässiger Vergleich.

Erhaltenswerte Tradition auf der einen Seite, ein Projekt, das vermeintlich nur zu Werbezwecken auf die Beine gestellt wurde, auf der anderen. So ist die Sichtweise all jener, die Rasenballsport Leipzig als Kunstprodukt titulieren und das Wort Verein in diesem Zusammenhang meiden wie der Teufel das Weihwasser. Ablehnung, Kritik, mitunter gar Hass schlug RB Leipzig schon in der vergangenen Drittligaspielzeit entgegen. Seit dem Aufstieg im Mai aber haben die Anfeindungen und Proteste noch einmal eine andere Dimensionen erreicht.

Schon vor dem Saisonstart hatten sich Fanszenen fast aller Zweitligavereine zu einem Bündnis gegen den finanzstarken Emporkömmling zusammengeschlossen, unterstützt werden sie weit über die Ligagrenzen hinweg. Auf ihrer Website führt die Initiative eine Zweitligatabelle. Dass dieses Klassement nur 17 Vereine umfasst, ist bewusst gewählt. RB Leipzig ist für sie nicht existent. Das Bündnis „ProFans“, Unterstützer der Anti-RB-Leipzig-Kampagne, rief unter der Woche gar alle Fußballfans des Landes auf, sich „gegen den Ausverkauf der Fußballtradition zu wehren“ und sparte dabei nicht mit Kritik an der Deutschen Fußball Liga (DFL). Leipzig war erst im zweiten Anlauf die Lizenz für die Zweite Liga erteilt worden.