Abtrainieren

Mit Kung-Fu und Kaffeetrinken zur Wunschfigur

Britta Steffen genießt ihr Leben ohne Leistungssport

Mit Omis im Wasser, mit einer Kung-Fu-Trainerin auf der Matte, mit Freund Paul Biedermann gemütlich am Frühstückstisch: Britta Steffen genießt knapp elf Monate nach dem Rücktritt ihr neues Leben. Nur „zwei-, dreimal“ habe sie seither an ein Comeback gedacht, verriet die Doppel-Olympiasiegerin von 2008 vor der am Mittwoch beginnenden Schwimm-EM in ihrer alten Heimatstadt Berlin. „Sobald du dann im Wasser und ein paar Meter geschwommen bist, weißt du: Es ist okay. Ich muss mich nicht mehr messen“, sagte die 30-Jährige im Gespräch mit der „Bild am Sonntag“.

Statt im Berliner Velodrom um EM-Medaillen zu kämpfen, wird die Weltrekordlerin über 50 und 100 Meter Freistil von der Tribüne aus ihren Freund Paul Biedermann anfeuern. Mit dem Weltrekordler lebt sie in Halle/Saale in einer 100-Quadratmeter-Wohnung, dort genießt sie ihre neuen Freiheiten. Wenn Paul um 6.45 Uhr das Frühstück beende und zum Training müsse, „kann ich noch eine Tasse Kaffee trinken, mich noch mal an den Tisch setzen“. Dann sei sie „megaentspannt“. Eine völlig neue Erfahrung nach 18 Jahren Schwimmsport: „Sonst ging es immer darum: leisten, leisten, leisten.“

Zum Abtrainieren macht die zweimalige Weltmeisterin von 2009 „alle zwei Tage eine Stunde“ Sport. Dabei hat sie Kung-Fu für sich entdeckt, eine Trainerin im Besitz eines Schwarzes Gürtels führt sie in die Kampfkunst ein. „Das macht riesigen Spaß“, sagte Steffen. Ganz ohne den Schwimmsport geht es aber auch nicht, immer sonntags geht Steffen in eine öffentliche Halle: „Ich bezahle da meine zwei Euro Eintritt und springe dann mit den Omis ins Wasser und schwimme so drei Kilometer.“ Dennoch hat sie etwa drei Kilogramm an Muskelmasse verloren. „Ich habe keinen Sixpack mehr – und das Witzige ist: Alle finden es besser“, sagte Steffen: „Ich bin viel weicher geworden, das ist weiblicher und schöner.“ Der Rücktritt habe auch noch einen weiteren Vorteil: „Diese blöde Angst ist weg. Die Angst, jemand tut dir was ins Essen, und du hast einen positiven Dopingtest“, verriet sie kürzlich.

Seit Oktober 2013 studiert Steffen in Halle/Saale Human Ressources Management, eine künftige Funktion beim Deutschen Schwimm-Verband (DSV) will sie nicht ausschließen. Im EM-Trainingslager auf Sardinien sei sie auf Wunsch von Bundestrainer Henning Lambertz jedenfalls dabei gewesen. Und irgendwann steht auch das Thema Familienplanung an. Steffen: „Ich möchte irgendwann mal ’ne Mama werden.“