Boxen

Sauerland gibt Berlin-Garantie

Geschäftsführer Ness sieht das Profibox-Team um Weltmeister Huck fest in der Stadt verankert

Der 16. August ist für das Profiboxteam Sauerland ein eminent wichtiger Termin. Am Abend werden sich die Intendanten der ARD, beziehungsweise all jene, die in die Vertragsverhandlungen mit den Berlinern involviert sind, via TV zum Für und Wider einer weiteren medialen und finanziellen Unterstützung des Berufsfaustkampfes eine grundsätzliche Meinung bilden. Mitte September soll entschieden werden. Für Hauptakteur Yoan Pablo Hernandez eine besondere Situation, aber keine, die ihn nervös macht.

Der 29 Jahre alte gebürtige Kubaner verteidigt seinen IBF-WM-Titel im Cruisergewicht gegen Herausforderer Firat Arslan aus Friedberg. „Ich weiß, dass für das Team Veränderungen anstehen können, aber in erster Linie boxe ich für meine Familie und mich. Ich bin gut drauf und zuversichtlich zu gewinnen. Mehr kann ich als Boxer ja nicht tun.“

Als deutlich weniger entspannt wurde zuletzt die Stimmung im Boxstall geschildert. Geprägt dadurch, dass das Personal reduziert wurde und eventuell noch wird. Für Sauerland-Geschäftsführer Frederick Ness Grund genug, die Entwicklung zu erklären und den Blick in die nähere Zukunft zu erhellen. Der 46-Jährige legt großen Wert darauf, den Fortbestand des Unternehmens mit dem Standort Berlin als „sicher“ zu erklären. „Wir haben mit Teamgründer Wilfried Sauerland festgelegt, dass es für unsere Boxer am besten ist, wenn sie in Berlin wohnen und trainieren können. Dabei standen nicht nur unsere Weltmeister Arthur Abraham, Marco Huck, Yoan Pablo Hernandez oder Jürgen Brähmer im Vordergrund, sondern unser Zukunftskapital Tyron Zeuge, Enrico Kölling und Stefan Härtel“, sagte Ness im Trainingslager in Neuruppin.

Personalbestand reduziert

Ein erneuter Rahmenvertrag mit der ARD (oder einem anderen Anbieter), der jährlich einen festen Betrag garantiert, wäre zwar der „Wunsch des Teams“, dürfte aber in der jetzigen Form schwierig werden. „Die Situation macht keinen bei uns glücklich, und sie sorgt auch für Unsicherheit. Schlechte Stimmung mache ich aber nicht aus“, sagt Ness, der gleichzeitig einräumt: „Wir haben den Personalbestand im administrativen Bereich in den letzten zwei Jahren von zwölf auf acht Leute reduziert, den Bestand an Boxern von 25 auf 14. Das ist nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass Wilfried Sauerland sich frühzeitig mit einer Veränderung des Umfelds beschäftigt hat.“ Auslöser war der Ausstieg des ZDF 2010 beim Sauerland-Konkurrenten Universum Box Promotion. Das Hamburger Unternehmen ist inzwischen insolvent.

Im Zuge des Personalabbaus wurden auch Mietverträge für Trainingshallen gekündigt. Frederick Ness: „Das war notwendig, weil sich sonst Verträge automatisch verlängert hätten. Das gilt übrigens auch für ein Unternehmen, das für uns Laufanalysen gemacht hat.“

Ness, der es als aktiver Sportler bis zum Hockey-Nationalspieler gebracht hat, klammert allerdings die Trennung vom ehemaligen Sportlichen Leiter Hagen Döring aus. Da es am 19. August einen Gerichtstermin gibt, äußert sich Ness nicht weiter zu diesem Thema.

Tritt der ungünstigste Fall ein, also ein Komplettausstieg der ARD und kein neuer TV-Vertrag mit einem anderen Partner, sieht Ness die Spielräume zwar deutlich schrumpfen, aber keinen Grund zur Panik. „Wir haben ausgezeichnete Boxer. Das versetzt uns in die Lage, auch einzelne Veranstaltungen TV-Partnern anbieten zu können. Ein viertes Duell zwischen Arthur Abraham und Robert Stieglitz ist sicher gut zu vermarkten. Ein Marco Huck ebenfalls. Das könnte natürlich als Einzelpaket auch mit der ARD klappen.“

Neben den Boxern von Sauerland Event gehören auch 15 Athleten bei Sauerland Promotion AG ins Gesamtgefüge. Sie sind vornehmlich in Großbritannien und Skandinavien angesiedelt. Boxen bei Sauerland ist also nicht nur eine rein deutsche Angelegenheit. Dennoch sagte Team-Chef Wilfried Sauerland in einem Gespräch mit dem „Handelsblatt“ in Hinsicht auf den Berliner Zweig: „Wir hatten schon lange nicht mehr so gute und interessante Talente. Wir werden auch künftig in ähnlichem Umfang im deutschen Fernsehen stattfinden.“

Einer der Protagonisten für TV-Tauglichkeit ist Marco Huck. Er steigt am 30. August in Halle/Westfalen gegen den Italiener Mirko Larghetti in den Ring. Auf dem Spiel steht sein WBO-Titel im Cruisergewicht – und sein Traum, mittelfristig ins Schwergewicht aufzusteigen. Das 29-jährige Kraftpaket wird nicht müde zu betonen, dass sogar ein Wladimir Klitschko mit ihm Probleme hätte. Huck, der bei einem Sieg seinen Titel zum 13. Mal verteidigt hätte (Einstellung des Rekords des Engländers Johnny Nelson), strotzt vor Selbstbewusstsein.

Er blickt inzwischen auf zehn Profijahre zurück, und angesprochen auf diese Zahl, freut er sich „auf die nächsten zehn“. Zugleich fügt Marco Huck, mittlerweile Vater von zwei kleinen Söhnen, hinzu: „Es ist ein Märchen, was durch das Boxen aus meinem Leben geworden ist, und dafür danke ich allen, die einen Anteil daran haben.“ Seinen Gegner wird er nicht unterschätzen, ein Missgeschick, das ihm allenfalls einmal bei seiner Niederlage gegen den Amerikaner Steve Cunningham (2007) unterlaufen ist. „Zwar bin ich meinen Gegnern im Cruisergewicht meistens körperlich etwas überlegen, werde mich aber davon nicht blenden lassen“, sagt Huck, der seinen Teil zu einer guten Zukunft für das Sauerland-Team beitragen möchte.

Nägel mit Köpfen werden aber außerhalb des Rings gemacht. Und die Verantwortlichen müssen sich daran messen lassen.