Schwimmen

Berlin macht mobil

Für die Schwimm-EM laufen 2,5 Millionen Liter Wasser in das Becken im Velodrom

Die Idee liegt nah und scheint auf den ersten Blick doch abwegig. Für die Europameisterschaften in Berlin (13. bis 24. August) lässt der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) im Velodrom mit hohem Aufwand ein mobiles Becken bauen, obwohl in der benachbarten Schwimmhalle im Europasportpark bereits 2002 eine EM stattfand. Doch die anlässlich der gescheiterten Olympiabewerbung 2000 errichtete Anlage ist inzwischen zu klein für die Anforderungen des Europäischen Schwimmverbandes LEN. „Da hätte die EM unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden“, wies Jürgen Fornoff, Generalsekretär des DSV, auf den Platzbedarf von Sponsoren, Presse und nicht zuletzt auch der Athleten hin.

Gut 5000 Zuschauer können im benachbarten Velodrom die 42 Entscheidungen im 50 x 22,5 Meter großen Becken verfolgen. Bislang beherbergte die Arena Konzerte und das alljährliche Berliner Sechstagerennen im Januar. Geschwommen wurde dort noch nie. Weil die 250 Meter lange Holzbahn aus sibirischer Fichte keinen Schaden nehmen darf, ist einiges zu beachten.

Nur 50 Prozent Luftfeuchtigkeit

Maximal 50 Prozent darf die Luftfeuchtigkeit in der Halle betragen, in normalen Schwimmhallen ist es deutlich drückender. Damit sich an der Stahlkonstruktion des Hallendachs kein Kondenswasser bildet, musste die Halle langsam erwärmt werden. Überbaut werden durfte die Radrennbahn auch nicht, so bleibt sie sichtbares Zeichen der eigentlichen Hallen-Bestimmung.

In der Nacht zu Mittwoch hieß es dann nach zweiwöchigem Aufbau: Wasser marsch. 2,5 Millionen Liter Trinkwasser befüllen durch eine eigens angelegte Leitung das mit blauem PVC ausgekleidete Stahlbecken. Etwa 200 Liter davon verdunsten täglich.

Transportable Becken sind bei Schwimm-Großereignissen inzwischen fast die Regel, schließlich soll die olympische Kernsportart auch als Event vermarktet werden. Voriges Jahr fand die WM in Barcelona in der Olympia-Halle von 1992 statt, auch 2011 in Schanghai ging es in einer großen Mehrzweckarena um Medaillen. Der DSV ließ 2002 in Riesa ein mobiles Kurzbahnbecken bauen und plante das auch im Hamburger Volkspark bei der gescheiterten WM-Bewerbung 2013.

Wie viel das Berliner Becken kostet, darüber schweigt sich der Verband aus. Der gesamte Europameisterschaftsetat mit Wasserspringen und Synchronschwimmen (13. bis 24.8.) in der benachbarten Schwimmhalle und den Freiwasser-Entscheidungen an der Regattastrecke in Grünau bewegt sich im siebenstelligen Bereich.

Sportlich gesehen erhofft sich Chefbundestrainer Henning Lambertz einen Schub durch die Location. „Ich sehe das sehr positiv. Das wird ein Schmuckstück und eine tolle Atmosphäre“, sagte Lambertz, hat aber auch eine Kehrseite von mobilen Becken im Blick. Nach der WM in Barcelona entflammte eine Debatte über eine vermeintliche Strömung durch die Wasseraufbereitungsanlage, die die Zeiten auf einigen Bahnen beeinflusst haben soll. Der italienische Hersteller des Beckens dementierte, seitdem aber wird das Thema in der Schwimmerszene diskutiert.

Schneller Abbau nötig

Nach dem Ende der EM am 24. August bleibt für den Abbau des Schwimmbeckens nur wenig Zeit. Schon drei Wochen später gastiert Carmen Nebel im Velodrom. Trotzdem kann nicht einfach der Stöpsel wie in der heimischen Badewanne gezogen werden. Das Wasser muss sehr dosiert abgelassen werden – anderenfalls würden viele Toiletten im Prenzlauer Berg überlaufen.