Neuverpflichtung

Korb in Gefahr

Mit dem US-Amerikaner Jamel McLean holt Alba den Reboundkönig der Basketball-Liga

Die Spatzen, die den Transfer schon seit mehr als einer Woche von den Dächern pfiffen, waren allesamt heiser, als Alba Berlin ihn dann endlich offiziell gemacht hat. Am Dienstag wurde aus dem Gerücht Realität: Power Forward Jamel McLean, in den vergangenen anderthalb Jahren für Bonn tätig, kommt nach Berlin. Der 2,03 Meter große und 26 Jahre alte US-Amerikaner aus Hampton Virginia unterschrieb einen Einjahresvertrag mit einer Option auf eine weitere Saison.

„Es war schon sehr früh klar, dass er ein Kandidat für uns ist“, erklärt Mithat Demirel die Gerüchteküche der vergangenen Woche. Es seien aber noch einige andere Varianten und Optionen zu prüfen gewesen, sagt Albas Sportdirektor ohne zu erzählen, welche genau das gewesen wären. Rein formal nimmt Jamel McLean die Position im Team ein, die in der vergangenen Saison der Kanadier Levon Kendall hatte, der Ende Juli in Spanien bei CB Gran Canaria einen Zweijahresvertrag unterschrieb, nachdem Alba eine Verlängerungsoption ungenutzt ließ.

McLeans Spielweise wird sich aber von der seines Vorgängers sehr unterscheiden. „Levon hatte einen sehr guten Mitteldistanzwurf und uns damit im Play-off auch sehr geholfen“, sagt Demirel. Damit seien seine Qualitäten aber denen Leon Radosevics, „der ja einer unserer zentralen Spieler ist“, zu ähnlich gewesen. „Wir haben einen Spieler gesucht, der mehr in Korbnähe spielt und dort gefährlicher ist, offensiv und defensiv, und natürlich auch Rebounds holt.“

Berliner Spiel noch intensiver

Diese Erwartungen sind sicherlich nicht überzogen, denn Albas neuer Power Forward war in der vergangenen Saison mit 7,7 Rebounds pro Spiel in dieser Kategorie die Nummer eins der Bundesliga. Er machte zudem durchschnittlich 13,7 Punkte (Eurocup: 15,5), traf 56,9 Prozent seiner Würfe aus der Nah- und Mitteldistanz und spielte auch noch den einen oder anderen korbbringenden Pass, was 1,2 Assists pro Spiel belegen. Eine rundum ansehnliche Statistik für den Modellathleten, der bereits im Alter von 23 Jahren den Sprung nach Europa wagte.

In der Saison 2011/2012 verbrachte er seine erste Profisaison bei den Leuven Bears in der ersten belgischen Liga, im Jahr darauf wechselte er innerhalb Belgiens zum BC Ostende, sammelte dort erste Erfahrungen im Eurocup. Im Januar 2013 ersetzte er bei den Telekom Baskets Bonn den aussortierten Patrick Ewing Jr. Dort wurde sein Vertrag aufgrund guter Leistungen für die darauffolgende Saison 2013/2014 verlängert.

McLean habe sich in Bonn „gut entwickelt. Er ist ein sehr präsenter Spieler, der uns auf den großen Positionen Stabilität geben wird“, sagt Demirel, und sein Weg sei noch längst nicht zu Ende. „Er ist 26 Jahre alt, kennt aber schon die Liga und ist bereit für den nächsten Schritt.“ Ein solcher sei schon allein der Wechsel nach Berlin, lässt McLean, noch in den USA weilend, verlauten. „Ich habe großen Respekt vor dem Alba-Programm und freue mich sehr, dass ich jetzt ein Teil davon sein kann. Ich will mich in Berlin noch weiter verbessern und glaube, dass der intensive und teamorientierte Stil, der hier gespielt wird, mir sehr liegen wird.“ Es darf vermutet werden, dass Albas Spiel mit ihm, Niels Giffey und Jonathan Tabu, die vor McLean verpflichtet wurden, noch intensiver und auch teamorientierter sein wird. Zum einen habe „Niels, ohne ihn als Heilsbringer überhöhen zu wollen, die Struktur der Mannschaft verändert“, sagt Demirel. Zum anderen sei man jetzt wie erwähnt dank der unterschiedlichen Qualitäten von McLean und Radosevic in Korbnähe variabler.

Die größte Veränderung wird allerdings nach sich ziehen, dass Jonathan Tabu für David Logan ins Team kommen wird. Wobei Albas Sportdirektor die Verdienste Logans in den höchsten Tönen preist. „Er war mit seiner Erfahrung und Kaltschnäuzigkeit gerade zu Beginn der vergangenen Saison für die komplett neu zusammengestellte Mannschaft extrem wichtig“, erklärt Demirel. Reggie Redding beispielsweise, der nach seinem Wechsel aus Tübingen alle Erwartungen um Längen übertraf, „hätte ohne David nie eine solche Saison gespielt. Aber er war mehr oder weniger auf eine Position festgelegt“.

Tabu werde Spielmacher Clifford Hammonds, als bester Verteidiger auch immer mit Sonderaufgaben versehen, im Spielaufbau und in der Defensive mehr entlasten. Auch Redding werde profitieren, der Hammonds bei der Organisation des Spiels weit häufiger unterstütze als Logan. An einem guten Tag „konnte David von der Bank kommen, ein Spiel drehen und sich dann wieder hinsetzen“, lobt Demirel Logan erneut. „Aber“, fährt er fort, „man kann halt nicht alles haben“ und deutet an, dass Logan nach seiner guten Saison in Berlin auch außerhalb des Budgets lag.

„Unsere größte Stärke war in der vergangenen Saison, dass wir in jeder Minute harte Arbeit investiert haben“, erklärt Demirel. „Das fanden unsere Gegner nicht so toll, aber alle in der Mannschaft haben darauf gestanden und wollten ein Teil davon sein.“ Mit den Neuen soll sich diese Erfolgsgeschichte jetzt fortsetzen.