Comeback

Badstubers langer Weg zurück

Nach 19 Monaten Verletzungspause spielt der Verteidiger wieder für die Bayern

David Alaba kann es nicht fassen. „Eyyyyy! Wow!!!!“, ruft der österreichische Nationalspieler des FC Bayern. Er läuft dabei über den Fußballplatz der Universität Portland und schaut zu Holger Badstuber, der nach einem Pass Alabas im Training gerade ein Traumtor aus 20 Metern geschossen hat. Perfekte Flugbahn, knallhart, in den Winkel. Badstuber läuft weiter zur nächsten Übung im von Trainer Pep Guardiola aufgebauten Parcours.

Bis Donnerstag bereitet sich der deutsche Fußball-Rekordmeister im Westen der USA auf die neue Saison vor, und bei den Münchnern sind alle sehr erleichtert und froh, dass Badstuber dabei ist. Endlich wieder dabei ist. Rund 19 Monate hatte er ohne Fußball leben müssen. Zweimal riss er sich das Kreuzband. An Training war nicht zu denken. Einige fragten sogar schon: Ob der Badstuber überhaupt noch mal zurückkommt?

Matthias Sammer sieht sich das Training in Portland an. Der Sportvorstand sagt: „Holger hat nach der vergangenen Saison länger trainiert als die anderen und jetzt im Sommer früher angefangen. Er ist zum jetzigen Zeitpunkt so weit, wie ich es nicht für möglich gehalten habe.“ Auch Trainer Pep Guardiola ist angetan vom Zustand seines Abwehrspielers. „Ich bin sehr zufrieden. Er hat keine Schmerzen, das ist das Wichtigste. Er ist ein großer Typ. Er war vor seiner Verletzung ein wichtiger Verteidiger, auch für die Nationalmannschaft“, lobt der Trainer.

In den vergangenen Wochen spielte Badstuber in Testpartien erstmals seit 593 Tagen wieder für seinen Klub. Im Trainingslager macht er einen sehr fitten Eindruck. Sein Gesicht ist kantiger geworden, die Schultern durch das Krafttraining während der Pause noch breiter. „Die Trainingseinheiten hier sind für mich super. Ich freue mich, dass ich alle Einheiten durchziehen konnte.“

Guardiola ist gerade dabei, in der Abwehr von Vierer- auf Dreierkette umzustellen, ein Platz in der Verteidigung fällt also wohl weg. „Ich bin da ganz gelassen und stelle keine Ansprüche. Ich sehe das ganz relaxed und bin einfach nur froh, dass ich Fußball spielen kann“, erklärt Holger Badstuber. Die lange Pause habe ihn verändert. Er sei mental stärker geworden. „Ich bin nicht mehr der Alte, ich habe viele Erfahrungen gesammelt und mich weiterentwickelt. Inzwischen sehe ich das Leben und den Hype um den Fußball mit anderen Augen. Ich wurde geerdet.“ Im Dezember 2012 hatte er sich im Spiel gegen Dortmund erstmals das rechte Kreuzband gerissen, drei Monate später mussten die Ärzte Narbengewebe entfernen. In dieser Phase verlängerte der Klub seinen Vertrag bis 2017. Ein Vertrauensbeweis. Im April begann Badstuber mit dem Lauftraining. Doch dann riss wieder das Kreuzband, Badstuber musste sich erneut operieren lassen. Insgesamt lag er während seiner Leidenszeit viermal auf dem OP-Tisch.

Die Mannschaft, Trainer Guardiola und die Klubbosse versuchten, ihn mit Gesprächen und öffentlichen Gesten aufzubauen. „Ich hätte mich geohrfeigt, wenn ich nach der Rückendeckung gesagt hätte: ‚Ich gebe jetzt auf‘“, so Badstuber. Wäre er gesund gewesen – der 25-Jährige hätte gute Chancen gehabt, bei der Weltmeisterschaft Stammspieler zu sein. Nun gewann die DFB-Elf ohne ihn den Titel in Brasilien. Nach dem Triple der Bayern 2013 verpasste er auch diesen Triumph. Er sagt: „Klar war es ein komisches Gefühl, wenn du in den Jahren davor immer dabei warst. Aber es kommen weitere Turniere.“

Holger Badstuber sagt, er müsse jetzt alles dafür tun, um auf das Niveau zu kommen, das er von sich erwarte: „Dafür muss ich hart arbeiten. Ich bin nicht verbissen, aber ehrgeizig.“ Klare Worte.