Kostenreduzierung

Rückzug der Polizei bei Bundesligaspielen

Nordrhein-Westfalen stößt mit seinen Plänen auf Kritik – auch beim Berliner Sportsenator

Zuerst musste Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) beschwichtigen, als er die Pläne zur Kostenreduzierung bei Polizei-Einsätzen rund um Fußballspiele vorstellte. „Es geht uns allein um die Spiele, die in den letzten drei Jahren ohne Krawalle geblieben sind“, sagte er. Zuvor war durchgesickert, dass er die Zahl der Polizisten bei Bundesligaspielen reduzieren möchte. Jäger betonte, dass er von keinem höherem Risiko dadurch ausgeht: „Einsätze bei Risikospielen bleiben unangetastet. Gleiches gilt für das konsequente Vorgehen gegen Gewalttäter.“

In einem Pilotprojekt soll sich in Nordrhein-Westfalen an den ersten vier Bundesligaspieltagen die Bereitschaftspolizei in den Stadien nicht mehr offen zeigen, ihre Mannschaftsstärke reduzieren oder sogar gar nicht mehr anwesend sein. Die Begleitung von Auswärtsfans vom Bahnhof zum Stadion sollen mitreisende Ordner des Gastvereins übernehmen. Die personell reduzierte Polizei soll lediglich in Nebenstraßen für alle Fälle bereit sein. Auch Shuttlebusse für Fans sollen nur noch von den vereinseigenen Ordnern begleitet werden.

Das Pilotprojekt ist einerseits dem Kostendruck geschuldet. Nach Jägers Aussagen finden allein in Nordrhein-Westfalen in der neuen Saison 231 Spielen in den drei Profiligen statt. Laut Innenministerium verwendet die Bereitschaftspolizei in NRW bereits jetzt ungefähr 30 Prozent ihrer Einsatzzeit zur Sicherung von Fußballspielen. „Machen wir so weiter wie bisher, würde sich das noch mal deutlich erhöhen. Das kann ich dem Steuerzahler nicht vermitteln“, sagte Jäger. Sowohl Bundesinnenminister Thomas de Maiziere als auch CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach kritisierten die Pläne.

Im Zusammenspiel mit Vereinen, Verbänden und Fans will Jäger die Kosten reduzieren. Auf die Klubs kommen im Zweifelsfall höhere Kosten für eigenen Ordnungsdienst zu, der die Fans auf Reisen begleitet. Mehr vereinseigene Ordner statt Polizei ist aber seit Längerem eine Forderung aus Fankreisen. Deshalb dürfte gerade auf die Anhänger eine erhöhte Verantwortung zur Selbstregulierung zukommen.

Liga-Präsident Reinhard Rauball war nach eigenen Aussagen nicht über die Pläne von Jäger informiert: „Der Innenminister hat mir im persönlichen Gespräch glaubhaft versichert, dass es nicht darum geht, die Polizei aus dem öffentlichen Raum zurückzuziehen.“

Das allerdings vermutet Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU): „Ein Rückzug wäre falsch. Es muss sichergestellt werden, dass der Staat seine Aufgaben wahrnimmt.“ In Berlin gebe es keine entsprechenden Pläne zur Reduktion von Polizeikräften bei Ligaspielen von Hertha oder Union, zumal die Veranstalter für die Sicherheit in den Stadien grundsätzlich selbst verantwortlich seien. Henkel distanzierte sich außerdem deutlich davon, wie in Bremen die Kosten von Polizei-Einsätzen bei Fußballspielen in Rechnung zu stellen: „Auch den Bremer Weg halte ich für falsch.“