Tennis

Grizzly ist Kerbers schwacher Trost nach verlorenem Finale

Das überdimensionale Trostpflaster zeigte Wirkung: Als Angelique Kerber den Grizzly-Stoffbären im Arm hielt, waren sogar die zwei vergebenen Satzbälle vergessen.

Anstatt sich nach ihrer 6:7 (1:7), 3:6-Finalniederlage in Stanford/USA zu grämen, huldigte die deutsche Nummer eins der strahlenden Siegerin Serena Williams. „Du hast gezeigt, dass du ein großer Champion und die beste Tennisspielerin der Welt bist“, sagte Kerber in Richtung der Amerikanerin, die in der Universitätsstadt soeben ihren 61. Einzeltitel gewonnen hatte.

Die Kielerin Kerber verlor dagegen trotz einer 5:1-Führung im Auftaktsatz auch ihr viertes Endspiel 2014 und muss auf den vierten Karriere-Titel warten. Von einem Endspiel-Trauma der 26-Jährigen wollte Barbara Rittner trotzdem nichts wissen. „Angie hat ein klasse Turnier gespielt, sie ist auch an Serena dran“, sagte die Fed-Cup-Teamchefin, „das war ein super Hardcourt-Auftakt.“

Der hätte noch besser ausfallen können, wenn Kerber beim Stand von 5:2 und 40:15 im ersten Durchgang einen ihrer beiden Satzbälle bei eigenem Aufschlag genutzt hätte. Doch im Stil des Entfesselungskünstlers Houdini befreite sich Branchenführerin Williams aus der Umklammerung. „Diese Gabe hat Serena einfach. Als sie in Bedrängnis war, hat sie bei den wichtigen Punkten wieder besser gespielt“, musste Kerber erkennen.

Vorwürfe wollte sich die Weltranglistensiebte Kerber nach ihrem zwölften Finale jedenfalls nicht machen. Während ihr 23 unerzwungene Fehler unterliefen, produzierte Serena Williams 28 „unforced errors“. Dafür kam die 17-malige Grand-Slam-Siegerin auf 37 Gewinnschläge – Kerber gelangen 18 sogenannte Winner. „Ich habe da draußen wirklich alles gegeben“, meinte die Linkshänderin.

„Sie hat ein großes Kämpferherz. Man darf Angie nie abschreiben“, lobte Serena Williams. Die Amerikanerin begann gestern ihre insgesamt 200. Woche als Nummer eins des WTA-Rankings. Noch vor wenigen Wochen in Wimbledon war sie im Doppel an der Seite ihrer älteren Schwester Venus völlig desorientiert über den Platz gestolpert und hatte für Spekulationen gesorgt. „Mir geht es wieder gut. Ich habe hart trainiert und bin auf einem guten Weg“, erklärte Serena Williams. Kerber kann das sicher bestätigen.