Tennis

Trotz Niederlage gestärkt: Petkovic glaubt an großen Coup

Zuerst wirkte Andrea Petkovic wütend. Nach dem verpassten Endspiel in Stanford/Kalifornien feuerte sie den Filzball an die Bande.

Doch nur Sekunden später konnte die Darmstädterin nach einer herzlichen Umarmung ihrer Halbfinalgegnerin Serena Williams (USA) am Netz schon wieder lächeln. 5:7, 0:6 – gegen die Nummer eins der Tennis-Welt. Es könnte ein weiterer Schritt auf dem Weg zurück in bekannte Gefilde gewesen sein. „Ich will definitiv wieder in die Top Ten und bin auf einem guten Weg. Ich glaube an mich“, sagte die French-Open-Halbfinalistin.

Ungeachtet der Niederlage gegen Williams strotzt „Petko“ nicht nur wegen ihrer bislang zwei Turniersiege 2014 (Charleston, Bad Gastein) vor Selbstvertrauen. „Ich glaube immer mehr daran, dass ich vielleicht mal ein Grand-Slam-Turnier gewinnen kann“, meinte die Weltranglisten-18., die vor zwei Monaten in Paris erstmals die Runde der letzten Vier bei einem Major erreicht hatte.

Ihre Fed-Cup-Kollegin Angelique Kerber (Kiel) indes meisterte in Stanford ihre Halbfinal-Hürde und zog nach der Abwehr eines Matchballs ins Endspiel des mit 710.000 Dollar dotierten Hartplatzturniers ein. Die Linkshänderin besiegte Varvara Lepchenko (USA) in 2:39 Stunden mit 4:6, 7:6 (7:4), 6:2. Die Weltranglistenachte Kerber, 26, traf in der Nacht zum Montag auf die 17-malige Grand-Slam-Turniersiegerin Williams, 32.

Petkovic hatte sich gegen die jüngere der Williams-Schwestern zumindest im ersten Satz auf Augenhöhe präsentiert. Beim Stand von 4:4 und 0:30 bei Aufschlag Williams war für die Hessin ein Break in Reichweite. Nach dem 5:5 im Auftaktdurchgang verlor sie allerdings alle darauffolgenden acht Spiele – und nach 1:17 Stunden das Match.

2011 war die eloquente Einser-Abiturientin in der Weltrangliste bereits Neunte. „Doch heute bin ich eine bessere und komplettere Spielerin“, findet Petkovic. Nach eigener Einschätzung hat die deutsche Nummer zwei erst „70 Prozent“ ihres Potenzials ausgeschöpft. Glaubt man ihrem Trainer Eric van Harpen, dann ist Petkovic sogar erst bei „40 Prozent“. Besonders am Aufschlag und der Beinarbeit will der 70-jährige Niederländer („Sie ist eine liebe Chaotin“) mit ihr noch arbeiten.

Bei den US Open in New York (25. August bis 7. September) wird Petkovic, die jetzt auch meditiert, nach ihrem starken Abschneiden in Paris zum erweiterten Favoritenkreis zählen. „Der Druck ist jetzt wieder größer geworden“, weiß sie: „Ich habe zwar nichts zu verteidigen, aber viel zu verlieren.“