Neuzugang

Bereit für den nächsten Schritt

Robert Lewandowski weiß, dass er beim FC Bayern an seinen Toren gemessen wird. Der Pole hat viel vor:„Bin nicht am Limit“

Es wackelt ganz schön. Robert Lewandowski muss sich an der Lehne eines Sitzes des Flugzeuges festhalten, das den FC Bayern innerhalb von fünf Stunden von New York nach Portland bringt. Mit Tempo 850 geht es an die Westküste, wo der deutsche Fußball-Rekordmeister zum Ende seiner achttägigen „Summer-Tour“ durch die USA am Mittwoch gegen die Allstars der nordamerikanischen Profiliga MLS spielt. Nach drei Tagen in New York voller Werbetermine und Trainingseinheiten sowie einer Testpartie schlafen die meisten Spieler während des Flugs, das Ruckeln lässt einige aufwachen. Die Anschnallzeichen blinken.

Doch Lewandowski machen die leichten Turbulenzen in rund 13.000 Meter Höhe nichts aus. Der zum 1. Juli ablösefrei von Borussia Dortmund gewechselte Stürmer trägt einen Trainingsanzug und lächelt entspannt. Er steht im Gang. Zwischen den Toiletten und der Bordküche gerät er ins Schwärmen, als er über New York spricht. „Ich war vorher schon in Los Angeles und Chicago, aber noch nie in New York“, erzählt Lewandowski: „Die Stadt hat mich beeindruckt, es war toll.“

500 Fans bei Autogrammstunde

Seit sechs Tagen weilt der FC Bayern in den USA. Der Klub hat sich in den vergangenen Jahrzehnten von einem Verein zu einer Weltmarke entwickelt, die sich entsprechend vermarkten will. Und muss – sofern sie auf Dauer auch in dieser Hinsicht mit den ganz großen Klubs der Welt mithalten will. Real Madrid, Manchester United, der FC Liverpool und der AC Mailand tourten gerade ebenfalls durch die Vereinigten Staaten. Doch der FC Bayern, das spürt Lewandowski nach nur wenigen Tagen, hat jetzt schon eine große Strahlkraft.

„Zu einer Autogrammstunde von uns kamen hier 500 Menschen. Wahnsinn! Das ist wichtig für den Verein“, sagt der 25 Jahre alte Angreifer: „Es heißt ja, dass der Fußball in den USA immer populärer wird. Ich habe gehört, dass sich 25 Millionen US-Amerikaner das WM-Finale angesehen haben. Das ist schon beachtlich. Es zeigt das Potenzial, das hier vorhanden ist.“ Und das wollen die Bayern natürlich gern nutzen. Sie haben – das zeigt sich in diesen Tagen ganz deutlich – keine Lust, den großen europäischen Rivalen das Feld allein zu überlassen.

Auch Robert Lewandowski findet, dass die Zeit für den deutschen Fußball auf dem amerikanischen Markt gekommen ist. Gerade jetzt, wo alle Welt über den Triumph der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in Brasilien spricht. Der vierte WM-Gewinn in der Geschichte des deutschen Fußballs ist auch ein Verdienst des FC Bayern – allein sechs Weltmeister kommen aus dem Klub, der in der vergangenen Woche sein erstes Büro in den USA eröffnet hat. „Dass unser Verein in New York gerade ein Büro eröffnet hat“, sagt Lewandowski, „könnte der erste Schritt sein, auf Dauer der populärste Klub der Welt zu sein.“

So wichtig die USA-Reise für die Bayern aus Werbegründen ist, so dient sie dennoch auch dazu, sich auf die neue Saison vorzubereiten. Für Robert Lewandowski, den Neuen, bietet sie zugleich die Gelegenheit, seine neuen Mitspieler fernab der Heimat besser kennenzulernen. Die Mannschaft müsse, so der Pole, die Trainingseinheiten und verbleibenden Partien nun nutzen, sich einzuspielen. Die Zeit sei knapp. Schon bald würden die ersten Pflichtspiele auf dem Programm stehen.

Am 13. August trifft Lewandowski mit dem FC Bayern im Spiel um den Supercup auf seinen früheren Verein Dortmund. Vier Tage später treten die Münchner in der ersten Runde des DFB-Pokals auswärts gegen Preußen Münster an. Robert Lewandowski, das merkt jeder, der sich mit ihm unterhält, ist voller Vorfreude auf die neuen Aufgaben – und das Wiedersehen mit seinem ehemaligen Mitspieler aus Dortmunder Zeiten, Mario Götze. „Es ist schön, dass ich in ihm jemanden habe, den ich schon kenne. Ich denke, es ist gut für uns beide, dass wir künftig wieder zusammenspielen. Wir verstehen uns sehr gut“, sagt Lewandowski. Aber damit das Zusammenspiel nun auch beim FC Bayern perfekt funktioniere, sei schon noch Training erforderlich.

Zweikampf um den Titel

Dass er nach nur wenigen Wochen bei seinem neuen Arbeitgeber in seinem ersten Pflichtspiel gleich auf seinen alten Verein trifft, sei für ihn kein Problem. „Es wird ein besonderes Spiel. Immerhin habe ich beim BVB vier tolle Jahre erlebt. Andererseits bin ich jetzt Spieler des FC Bayern und will die Partie einfach gewinnen. Für uns wird es schwierig, bis zum Spieltag werden wir gerade einmal eine Woche gemeinsam trainiert haben. Und Dortmund ist immer eine gefährliche Mannschaft“, sagt Lewandowski, der in der Bundesligasaison, die am 22. August mit dem Spiel der Bayern gegen den VfL Wolfsburg eröffnet wird, einen Zweikampf um den Titel zwischen München und Dortmund erwartet. „Ich denke, dass Dortmund und wir um den Titel kämpfen. Vielleicht auch noch Schalke und Leverkusen. Es wäre gut, wenn es mehrere Mannschaften sind. Am Ende wollen wir natürlich oben sein.“

Bereits 2013 wollten die Münchner den Polen verpflichten. Doch damals verweigerte der BVB dem Angreifer die Freigabe. Der Pole blieb noch ein Jahr und ging am Ende auch nicht im Zorn. Ganz im Gegensatz zu Mario Götze, der sich durch eine festgeschriebene Ausstiegsklausel aus dem Vertrag herauskaufen ließ. Den Wechsel nach München bezeichnet Lewandowski als nächsten Schritt in seiner Entwicklung.

2010 war er von Lech Posen zum BVB gewechselt. Nach acht Toren in der ersten Spielzeit folgten je 22, 24 und 20 in den Spielzeiten danach. „Egal, wie gut du bist oder was du in der Vergangenheit erreicht hast – du musst immer weiter arbeiten. Ich bin sicher, dass ich insgesamt noch nicht meine Topform erreicht habe. Das ist noch nicht mein Limit“, sagt Lewandowski, der von guten Gesprächen berichtet, die er mit Trainer Pep Guardiola geführt habe.

Darin hätte der Cheftrainer erklärt, was er von ihm erwartet. „Wir haben natürlich darüber gesprochen, was ich hier in München jetzt anders machen soll, was mich taktisch erwartet und was ich noch besser machen kann. Aber generell bin ich Stürmer. Egal, wo genau ich spiele, ich habe eine wichtige Rolle. Ich bin keiner, der 90 Minuten im Strafraum wartet. Ich spiele lieber mit.“ Wie gut ihm das gelingt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Die Erwartungen an den Polen sind groß – im Verein und beim Anhang. Robert Lewandowski sagt: „Ich weiß, dass jeder von mir gute Spiele und viele Tore erwartet. Ich werde alles dafür tun.“