Fußball

Nicht alle Junioren-Europameister werden es in Löws Team schaffen

Die Zukunft könnte nicht rosiger strahlen. Vor drei Wochen Weltmeister, jetzt auch noch U19-Europameister – ist Deutschland im Fußball nun vielleicht auf Jahre unschlagbar?

Bei den Weltmeisterschaften 2018 oder spätestens 2022 werden doch die Mukhtars und Selkes auch bei den Großen in erster Reihe stehen. Oder?

Ein Blick auf die Vorgänger der jungen Helden von Budapest zeigt, dass solche scheinbar naheliegenden Gedanken nicht unbedingt der Realität entsprechen. Von dem deutschen Team, das 2008 zuletzt diesen Titel des U19-Europameisters gewann, schaffte es genau genommen in diesem Sommer nur Ron-Robert Zieler, und der war in Joachim Löws Team dritter deutscher Torwart. Der Leverkusener Lars Bender und sein Zwilling Sven (Dortmund) hätten mit hoher Wahrscheinlichkeit auch im WM-Aufgebot gestanden, wären sie nicht verletzt gewesen. Andere, wie Ömer Toprak oder Stefan Reinartz haben immerhin mit Bayer Leverkusen ihre Qualitäten in der Champions League beweisen können.

Das vermeintlich größte Talent jedoch, Savio Nsereko, ist ein Beleg dafür, dass der Weg auch in eine gänzlich andere Richtung führen kann. Dem in Ugandas Hauptstadt Kampala geborenen jungen Mann, der bei 1860 München seine Karriere begann, wurde eine goldene Zukunft vorausgesagt. Erst recht, als er nach Italien zu Brescia Calcio wechselte, danach für 8,5 Millionen Euro zu West Ham United. Aber dort wie bei seinen weiteren Stationen AC Florenz, FC Bologna oder Tschernomorez Burgas (Bulgarien) kam er über Kurzeinsätze kaum hinaus.

Und so landete er wieder in München, erst bei 1860, dann bei Drittligist SpVgg Unterhaching. Als er nach Thailand reiste, ohne den Klub zu informieren, wurde Nsereko suspendiert. Danach sorgte er für Schlagzeilen, weil er angeblich in Asien entführt worden war. Die Wahrheit: Er hatte kein Geld und wollte es so beschaffen. Seit Dezember 2013 steht der inzwischen 25-Jährige in Kasachstan bei FK Atyrau unter Vertrag. Weltmeister wird er nicht mehr. So wie vermutlich auch andere seines Jahrgangs nicht, etwa der Unioner Björn Kopplin, der vielmehr versucht, beim Berliner Zweitligisten einen Stammplatz zu ergattern.

Aufschlussreicher könnte sein, wer 2015 in Tschechien U21-Europameister wird. In diesem Wettbewerb gewannen die Deutschen 2009 in Schweden den Titel, mit Manuel Neuer, Mats Hummels, Jerome Boateng, Mesut Özil, Sami Khedira und Benedikt Höwedes, die jetzt den Kern der Weltmeister-Mannschaft bildeten. Als bester Spieler des Turniers wurde der Schwede Marcus Berg ausgezeichnet, der danach vergebens versuchte, sich in der Bundesliga beim HSV durchzusetzen. Und Stürmer Sandro Wagner versucht, einen Stammplatz bei Hertha zu ergattern.

Übrigens: Wer den Untergang Spaniens bei der WM in Brasilien erlebte, der sei daran erinnert, dass bei den Junioren-EM 2011 und 2013 die stolzen Iberer noch triumphierten.