Europameisterschaft

Hertha-Star schießt Deutschland zum Titel

Hany Mukhtar erzielt im Endspiel der U19-Europameisterschaft gegen Portugal das 1:0-Siegtor. Bundestrainer Joachim Löw gratuliert

Es war 21.06 Uhr, als Niklas Stark zum ersten Mal in seinem Leben eine wichtige Trophäe in den Abendhimmel reckte. Der Kapitän der deutschen U19-Nationalmannschaft feierte ausgelassen den Europameister-Titel. 1:0 (1:0) hatte die deutsche U19 gegen Portugal gewonnen. Den Siegtreffer des packenden Finales hatte Hany Mukhtar, Jung-Profi von Hertha BSC nach 39 Minuten erzielt.

18 Tage nach dem WM-Endspielsieg der Nationalmannschaft (1:0 gegen Argentinien) sorgte nun der Nachwuchs für den nächsten deutschen Fußball-Festtag. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und der designierte Sportdirektor Hansi Flick spendeten auf der Tribüne des nur zur Hälfte gefüllten Szusza Ferenc Stadions in Budapest begeistert Beifall.

Auf zur U20-WM nach Neuseeland

„Wir sind unglaublich glücklich! Diesen Titel haben die Jungs sich verdient und er bleibt ihnen für die Ewigkeit. Ich bin sehr stolz, Trainer dieser Mannschaft zu sein“, sagte U19-Trainer Marcus Sorg. Er gilt als Favorit auf die Nachfolge von Flick als neuer Assistent von Bundestrainer Joachim Löw. Der gehörte zu den ersten Gratulanten. „Ganz herzlichen Glückwunsch allen, die an diesem Erfolg beteiligt sind. Die Mannschaft hat ein tolles Turnier gespielt, die EM hat gezeigt, dass sich der deutsche Fußball auf neue große Talente freuen kann“, sagte Löw. DFB-Präsident Niersbach sagte: „Zwei Titel in einem Sommer zu gewinnen, ist großartig. Die Jungs haben sich bei diesem Turnier toll präsentiert und Werbung für die deutsche Nachwuchsförderung gemacht.“

Angreifer Davie Selke von Werder Bremen holte sich mit sechs Treffern zudem die Torjägerkrone der EM-Endrunde in Ungarn. Der deutsche Nachwuchs hat nun im kommenden Jahr bei der U20-WM in Neuseeland die Chance auf den nächsten Coup (30. Mai bis 20. Juni 2015).

Im sechsten Finale war es der dritte Sieg für eine DFB-Auswahl in dieser Altersklasse. 1981 hatte Deutschland das Turnier – damals als U18 gespielt – gewonnen. 2008 hatte sich das Team um die heutigen Nationalspieler Sven und Lars Bender sowie Ron-Robert Zieler 3:1 gegen Italien durchgesetzt.

Im Finale gestern gegen Portugal übernahm die DFB-Auswahl von Beginn an das Kommando, störte früh und spielte mutig nach vorne. Bereits in der zehnten Minute hatte Selke eine Großchance, schob den Ball aber am Tor vorbei. Auch in der Folge blieb Deutschland bestimmend und wurde in der 39. Minute belohnt, als Hany Mukhtar eine Hereingabe des Frankfurters Marc Stendera mit dem Knie über die Linie drückte.

Mukhtar, der bereits im Halbfinale gegen Österreich zum 4:0-Endstand getroffen hatte, mauserte sich nun zum bestimmenden Mann auf dem Platz. Der offensive Mittelfeldspieler forderte die Bälle und bediente die Kollegen.

Auch nach der Pause war das DFB-Team die bestimmende Mannschaft, vor allem der agile, im Finale aber glücklose Selke hätte frühzeitig für die Entscheidung sorgen können. Portugal stemmte sich vehement gegen die drohende Niederlage. Glück hatte die deutsche Mannschaft bei einer Dreifach-Chance für Portugal, als zweimal Fabian Holthaus per Fuß klärte und Torwart Oliver Schnitzler den nächsten Abpraller aus Nahdistanz abwehren konnte (68.).

Mukhtar gab weiter den unermüdlichen Ballverteiler. In der 90. Minute spielte der Berliner den eingewechselten Felix Lohkämper frei, der Stuttgarter brachte den Ball jedoch nicht an Portugals Torwart Andre Moreira vorbei.

In der Nachspielzeit kam auch Herthas Anthony Syhre noch zu einigen Final-Minuten. Marius Gersbeck, der dritte aus dem Hertha-Bunde, kam als Ersatztorwart bei diesem Turnier nicht zum Einsatz. „Die Mannschaft hat den Titel geholt, und ich habe meinen Teil dazu beigetragen“, sagte ein erschöpfter, aber strahlender Mukhtar nach der Partie. „Erstmal 'ne Nacht drüber schlafen. Morgen wird man dann realisieren, was wir geschafft haben.“ Hertha-Manager Michael Preetz meldete sich über den Kurznachrichtendienst Twitter: „Europameister! Herzlichen Glückwunsch an die DFB-Junioren! Und mit Hany Prince Mukhtar schießt ein Herthaner das Siegtor!“ So viel Aufmerksamkeit im DFB-Dress hatten Berliner Fußballer schon länger nicht mehr.

Gespannt darf man auf seine Zukunft sein. Hertha BSC will seit vergangenem September den 2015 auslaufenden Vertrag mit Mukhtar verlängern. Erst wollte der dies auch, dann wechselte er aber den Berater. Plötzlich war die Rede von einem Wechsel zu Zweitligist RB Leipzig, der den Berliner mit sehr, sehr viel Geld lockte.

Poker um Zukunft von Mukhtar

Dem schob Hertha-Manager Preetz Ende Juni einen Riegel vor und legte fest: Hany Mukhtar wird weder ausgeliehen noch verkauft. Die Verantwortlichen, zu denen auch Trainer Jos Luhukay gehört, hoffen, den Rohdiamanten Mukhtar, der seit zwölf Jahren im Verein ist, in den nächsten Monaten zu einer langfristigen Vereinbarung bei Hertha bewegen zu können. Weltmeister Lukas Podolski wies per Twitter auf die zunächst naheliegenden Herausforderungen hin: „Überragend, Jungs! Feiert schön!“

Das Team von Trainer Marcus Sorg wird auch in Deutschland gefeiert werden. Aber ganz so riesig, wie bei der triumphalen Fahrt der Weltmeistermannschaft vor gut zwei Wochen durch Berlin wird es dieses Mal nicht ausfallen. Die Lufthansa schickt aber wieder einen Siegerflieger. Der Tross wird heute um 12:25 Uhr aus Budapest kommend in Frankfurt am Main erwartet. Am Flughafen findet zu Ehren der DFB-Junioren anschließend ein Empfang statt.