1. FC Union

Von Gewinnern und Verlierern

Unter dem neuen Trainer Düwel erlebt Zweitligist Union vor dem Saisonstart einen Umbruch

Noch fünf Tage, dann wird es ernst für den 1. FC Union und für den neuen Trainer Norbert Düwel. Im Spiel beim Karlsruher SC geht es am Sonntag (15.30 Uhr) erstmals um Zweitliga-Punkte. Selbstbewusstsein haben die Köpenicker getankt, erst recht nach dem Sieg im Härtetest gegen den FC Sevilla. Das 2:1 gegen den Europa-League-Sieger hat auch gezeigt, mit welcher Startelf der Coach in die Saison zu gehen gedenkt. „Es ist natürlich schon zu vermuten, dass einige, die gegen Sevilla aufgelaufen sind und sich auch wirklich gut präsentiert haben, auch in Karlsruhe am Start sind“, sagte Düwel. Grund genug, die Gewinner und Verlierer der Vorbereitung zu nennen.

Sogar Mattuschka verdrängt

Ein solcher Gewinner ist ohne Zweifel Daniel Haas. Der Torwart, vor zwei Jahren zu Union gewechselt und vom damaligen Trainer Uwe Neuhaus sofort zur Nummer 1 erklärt, sah sich an der Alten Försterei erstmals einem Duell mit einem Herausforderer gegenüber: Mohamed Amsif, marokkanischer Nationaltorwart, kam von der Bank des Bundesligisten FC Augsburg. Noch vor dem Sevilla-Spiel war sich Amsif sicher: „Ich gehe davon aus, dass ich beginnen werde.“ Alles andere sei eine Enttäuschung. Mit dieser wird er nun „professionell“ (Amsif) umgehen müssen, denn Haas bleibt im Tor. „Da natürlich bestimmte Abläufe schon eingespielt sind, muss der Herausforderer besser sein. Das war aus unserer Sicht nicht der Fall, deshalb haben wir uns für Daniel als Nummer 1 entschieden“, begründete Düwel.

Auch Baris Özbek darf sich als Gewinner fühlen. In der vergangenen Rückrunde von Ex-Trainer Neuhaus nicht mehr berücksichtigt und sogar freigestellt, wurde der Mittelfeldspieler von Düwel begnadigt. Nicht nur das: Özbek verdrängte sogar Kapitän Torsten Mattuschka von der Position im offensiven Mittelfeld. „Er ist ein richtig guter Fußballer. Er bringt vieles mit, was auf dieser Position verlangt wird: hohe Laufbereitschaft, sehr aggressives Spiel gegen den Ball und trotzdem strategische Fähigkeiten“, lobte Düwel: „Im Moment bringt er das auch auf den Rasen. Von daher hat er auch gegen Sevilla auf dieser Position gespielt.“ Und wird sie wohl auch in Karlsruhe bekleiden.

In gleichem Atemzug Mattuschka zum klaren Verlierer zu machen, greift trotz der Tatsache, dass er neben seiner Stammposition zudem das Kapitänsamt an Damir Kreilach abgeben musste, zwar ein wenig zu weit. Dennoch ist es ein klares Zeichen für den Umbruch, der bei Union eingeleitet wird. Laut Düwel soll der Publikumsliebling dennoch „ein fester Bestandteil der Mannschaft bleiben. Ich glaube, bei seinem Status ist es nicht zwingend notwendig, dass er die Binde trägt. Aber für andere ist es schon ein wichtiges Zeichen, dass wir die Strukturen innerhalb des Gefüges verändern. Es kann sich nicht mehr jeder hinter Mattuschka verstecken, sondern es sind auch andere Leute gefordert, die die Dinge in die Hand nehmen müssen.“

Schwere Zeiten für Dausch

Gewinner sind in jedem Fall auch Fabian Schönheim und Roberto Puncec. Egal ob in zentraler Position oder auf der linken Seite, Schönheim dürfte ein fester Bestandteil der neuen Dreierkette sein, die der Coach bei Union eingeführt hat. In sieben der acht Vorbereitungsspiele stand der Verteidiger in der Startformation – gleiches gilt für den Kroaten Puncec.

Weniger gute Karten haben derzeit die Abwehrspieler Mario Eggimann und Toni Leistner. Der Schweizer Eggimann, der Trainer Düwel noch aus gemeinsamen Zeiten bei Hannover 96 kennt, kommt ebenso wie der Zugang aus Dresden nicht an Schönheim vorbei. Und sollte sich Michael Parensen auf der linken Abwehrseite weiter festspielen, werden die Aussichten nicht besser. Björn Kopplin hat dagegen – wie schon in der Vorsaison gegen Marc Pfertzel – den Kampf um den Stammplatz auf der rechten Abwehrseite gegen Puncec verloren.

Auch für Mittelfeldmann Martin Dausch dürften schwere Zeiten anbrechen. Gegen Sevilla erst in der Schlussminute eingewechselt, bleibt dem feinen Techniker nur die Chance, sich über gute Trainingsleistungen weiter anzubieten. „Es ist ja noch eine ganze Woche zu trainieren“, sagte Trainer Düwel mit Blick auf die Stammelf, „da können sich immer noch wieder welche rein-, aber auch rausspielen.“

Vor diesem Hintergrund hat vor allem Bajram Nebihi gegen Sevilla Pluspunkte sammeln können. Ein Tor geschossen, das zweite vorbereitet – „das hilft, um dann von Anfang an spielen zu können“, sagte der Zugang vom FC Augsburg. Zuletzt hatte er jedoch gegen Steven Skrzybski und Mattuschka (als hängende Spitze) das Nachsehen. „Klar will jeder spielen“, ist Nebihi natürlich nicht begeistert von seinem Bankplatz: „Aber wichtig ist, dass du Vollgas gibst, wenn der Trainer dich bringt. Das habe ich gegen Sevilla getan.“ Und zugleich dafür gesorgt, dass Adam Nemec, wie Özbek von Neuhaus aussortiert und von Düwel begnadigt, nur die Position des Angreifers Nummer vier bleibt.