1. FC Union

Reif für Europa

Bei der Generalprobe eine Woche vor dem Zweitliga-Start bezwingt Union vor 9662 Zuschauern Europa-League-Sieger FC Sevilla mit 2:1

Nur wenige Minuten waren nach dem Abpfiff der Partie gegen den FC Sevilla vergangen, als Norbert Düwel, der Trainer des 1. FC Union, mit der Frage konfrontiert wurde, die einfach kommen musste. Erst recht nach dem 2:1 (0:0) gegen den Europa-League-Sieger aus Spanien und dem sechsten Sieg im achten Testspiel (zwei Unentschieden) im Rahmen der Vorbereitung auf die am Freitag beginnende Zweitliga-Saison. Warum soll es für die Köpenicker nach einer derart erfolgreichen Vorbereitung eigentlich nicht um den Aufstieg gehen?

Es spricht für den Trainer, dass er nicht einen Hauch überlegen musste. „Weil Vorbereitung eben Vorbereitung ist“, sagte Düwel ohne zu zögern: „Es gibt so viele Beispiele, wo Mannschaften mit überragender Vorbereitung dann gegen den Abstieg gespielt haben. Wir haben ganz, ganz harte Liga-Konkurrenz, da müssen wir uns durchsetzen, und das Woche für Woche.“ Schon am Sonntag wartet die erste Aufgabe mit dem Spiel beim Karlsruher SC.

Seine Zufriedenheit über die gelungene Generalprobe vor 9662 Zuschauern wollte der Coach aber auch nicht verbergen. Es bestand auch kein Grund dafür. „Heute haben Resultat und Spielweise gepasst gegen einen sehr, sehr guten Gegner“, lobte Düwel sein Team. Sevilla sei ja schließlich „nicht hierher gekommen, um etwas abzuschenken. Wir haben uns richtig teuer verkauft, richtig gut gespielt, wenig zugelassen und selbst immer wieder gefährliche Aktionen gehabt. Insofern bin ich sehr zufrieden.“

Kreilach als nervöser Kapitän

Die Partie begann mit etwa 20 Minuten Verzögerung. Die Gäste aus Spanien, die ihr Trainingslager in Neuruppin aufgeschlagen haben, waren verspätet am Stadion angekommen. Dafür war der Platz rechtzeitig wieder in einen bespielbaren Zustand gebracht worden. Nichts erinnerte mehr daran, dass noch vor zwei Wochen im WM-Wohnzimmer der vierte Titel der deutschen Nationalmannschaft gefeiert wurde, auch wenn das neu verlegte Grün nicht in perfektem Zustand war.

Gleiches galt auch für die Unioner, was nach knapp fünf Wochen knallharter Vorbereitung allerdings nicht verwunderte. Der Union-Trainer ließ die Seinen erneut mit einer Dreierkette in der Abwehr agieren, in der Fabian Schönheim die zentrale Position besetzte, flankiert von Michael Parensen (links) und Roberto Puncec. Davor spielten wie erwartet Damir Kreilach und Björn Jopek. Der Österreicher Christopher Trimmel war der einzige der vier Zugänge, der von Beginn an ran durfte, auf der rechten Außenbahn.

Kreilach hatte die Köpenicker als frischgewählter Kapitän aufs Feld geführt. Torsten Mattuschka, sein Vorgänger in den vergangenen vier Jahren, lief an letzter Stelle auf den Rasen. Ein deutlicheres Indiz, dass die Zeit des Umbruchs bei Union angebrochen ist, kann es kaum geben.

Gegen taktisch gut aufgestellte Spanier war in der ersten Halbzeit immerhin in Ansätzen zu sehen, wohin die Reise mit dem Union-Jahrgang 2014/15 gehen soll. Baris Özbek versuchte sich als umsichtiger Spielgestalter, doch oft blieb es bei Versuchen. Selbst Kreilach, in der vergangenen Saison meist eine Bank im defensiven Mittelfeld, war ein gewisses Maß an Nervosität anzumerken. Ob es am neuen Amt lag, an der größeren Verantwortung, die der Kroate nun als Kapitän trägt?

„Sevilla ist ja keine Laufkundschaft, sondern europäische Klasse, die bespielt man nicht einfach so im Vorbeigehen. Dass die mal vor das Tor kommen oder auch eins machen, ist normal“, nahm Düwel seine Spieler in Schutz. Vor der Pause hatte Union Glück, dass Iago Aspas den Ball am Fünfmeterraum nicht voll traf (13.) und Juan Munoz nur neun Minuten später den Ball über Torwart Daniel Haas, aber auch am Tor vorbei lupfte. Union hatte einen Mattuschka-Freistoß aus 17 Metern entgegenzusetzen, der knapp links am Ziel vorbeiflog (31.).

Nach knapp einer Stunde brachte auch Düwel mit Abdallah Gomaa (für Jopek) und Bajram Nebihi (für Steven Skrzybski) frisches Personal. Das sollte sich gleich auszahlen. Nach Ballgewinn wurde schnell gekontert, und der wieselflinke Ägypter Gomaa wuselte sich links im Strafraum nicht nur gegen drei Spanier durch, sondern passte das Spielgerät auch noch auf Nebihi, der eiskalt vollendete, 1:0 (62.). Nach dem Ausgleich durch Jairo (76.) sorgte Bejamin Köhler per Foulelfmeter für die Entscheidung (80.). Nibihi war von Torwart Barbosa gefoult worden.

Union ist also reif für Europa. Aber auch für die Zweite Liga? „Wir müssen an unseren Tugenden weiterarbeiten, nicht nur auf dem Feld, sondern auch außerhalb des Platzes viel Teamgeist zeigen“, forderte Düwel, „gerade in Situationen, wo der eine oder andere vielleicht bestimmte Entscheidungen nicht versteht oder nicht so getroffen hätte. Da zeigt sich dann auch der Charakter einer Mannschaft. Das ist ein Prozess, der geht über 34 Spieltage. Deshalb ist das deutlich schwieriger als ein paar Vorbereitungsspiele.“ So viel vorerst zum Thema Aufstieg.