Sponsoring

Tour de France wird zum Spielzeug der Oligarchen

Dopingvergangenheit schert die neuen Gönner wenig

Mein Schloss, mein Privatjet, mein Radrennstall! Wo sich früher Unternehmen aus der Fahrradindustrie engagiert haben, tummeln sich heute schwerreiche Gönner aus Osteuropa. Milliardäre wie Oleg Tinkoff oder Igor Makarow haben die Tour de France längst als Bühne für sich entdeckt. Das Beste ist gerade gut genug. Alberto Contador und Kollegen vom Tinkoff-Team reisten zum Tour-Start in Leeds mit dem Privatjet des Sponsors an, Holzklasse war gestern.

Gleich vier Teams der 101. Frankreich-Rundfahrt werden hauptsächlich aus Osteuropa alimentiert. Bei Astana und Katusha sorgen große Firmen für das nötige Geld. Der belgische Radrennstall Omega Pharma-Quickstep, bei dem der dreimalige Weltmeister Tony Martin seinen Vertrag bis 2016 verlängert hat, bezieht mehr als 50 Prozent der Einnahmen vom tschechischen Geschäftsmann Zdenek Bakala.

Und Bjarne Riis hat erst im Vorjahr groß Kasse gemacht, als er sein Spitzenteam für rund sechs Millionen Euro an Oleg Tinkow verkauft hat. Der Selfmade-Mann aus Russland, der sein Vermögen von geschätzten 1,02 Milliarden Euro mit Fertiggerichten, einer Brauerei, einer Restaurantkette und einer Internetbank aufgebaut hat, konnte den Kaufpreis locker bezahlen. Obendrein kommt Tinkow, dem neben einem Privatjet auch eine 45-Meter-Yacht gehört, noch in den Genuss von Hobbyfahrten mit Riis. Denn der Däne trägt weiter die sportliche Verantwortung beim Tinkoff-Team.

Dass der Toursieger von 1996 aufgrund seiner Dopingvergangenheit nicht den besten Ruf genießt, ist seinem Sponsor egal. Neben der Herkunft des Geldes ist es eine weitere augenscheinliche Parallele zu den aus Osteuropa gesponserten Teams. Mit dem Ruf nehmen sie es nicht so genau, Hauptsache der Erfolg ist da. Auch bei Omega Pharma hat Patrick Lefevere schon so manchen Sturm in Sachen Doping unbeschadet überstanden. Bei Katusha ist Wjatscheslaw Jekimow, ein alter Getreuer von Lance Armstrong, der starke Mann. Und bei Astana schickt sich Alexander Winokurow an, bereits im zweiten Jahr als Teamchef den Toursieg mit Vincenzo Nibali zu holen. Der Italiener gewann auf dem 18. Teilstück von Pau nach Hautacam (145,5 Kilometer) seine vierte Etappe und hat nach der letzten Hochgebirgsetappe in den Pyrenäen einen Vorsprung von 7:10 Minuten.

Der Kasache Winokurow hatte die Tour 2007 mit Fremdblutdoping an den Rande des Abgrunds getrieben. Kasachstans autokratischer Staatschef Nursultan Nasarbajew thront quasi als Ober-Chef über dem gesamten Projekt und hat Winokurow jüngst den Auftrag gegeben, „alles zu unternehmen“, um das Gelbe Trikot nach Paris zu bringen.

Für Nasarbajew ist das Team Astana eines seiner wichtigsten Sportprojekte. Der ganz große Traum ist die Austragung der Olympischen Winterspiele 2022 in Almaty. Die Bewerbung wird wie das Radteam durch den Staatsfonds Samruk-Kazyna gefördert. Dahinter stecken unter anderem eine Ölgesellschaft, eine Fluglinie, die kasachische Post und die Bahn.

Ähnlich verhält es sich bei Katusha, wo riesige Firmen wie Gazprom, Itera oder Rosneft die Mittel bereitstellen. Strippenzieher ist Igor Makarow, der Besitzer von Itera und gleichzeitig Präsident des russischen Radsport-Verbandes.