Pferdesport

Jagd auf die fliegenden Holländer

Arnold Mollema startet mit Expo Express als haushoher Favorit in die Derby-Woche

Müsste man die Stimmung bei den Verantwortlichen der Trabrennbahn Mariendorf im Vorfeld des 119. Deutschen Derbys beschreiben, dann ginge das mit „Ein Hoch auf uns“ perfekt in vier Worten. Vom kommenden Sonnabend an bis zum 3. August geht es an sechs Renntagen um mehr als eine Million Euro Preisgeld, aber auch um den Stolz, seit 1895 das wichtigste deutsche Trabrennen in Berlin ausgetragen zu haben. Keine andere Sportveranstaltung in der Stadt blickt auf eine so lange, ununterbrochene Tradition zurück.

Ein Hoch auf uns. Der Fußball-WM-Song, zuletzt am Brandenburger Tor zur Feier des WM-Titels vorgetragen von Andreas Bourani, hat noch zwei Zeilen, die perfekt zum Derby passen. „Auf den Moment, der immer bleibt“ und „Auf einen Tag Unendlichkeit“. Einer, der das beurteilen kann, ist Trab-Weltrekordler Heinz Wewering. Der Mann, der in 50.000 Rennen fast 17.000 Mal erfolgreich war, holte sich 2010 mit Unikum den bislang letzten seiner acht Derby-Titel. Und der 64-jährige ist überzeugt: „Natürlich ist nichts im Sport ewig. Aber das Lied bringt die Gefühle rüber, die man als Derby-Sieger hat. Das empfindet vielleicht nicht jeder gleich, aber beim Derby verdrücken auch die ganz Harten mal eine Träne. Einen Derby-Erfolg kann einem keiner nehmen.“

30 Hengste und eine Stute starten am kommenden Sonntag in vier Vorläufen ins Abenteuer Derby. Jeweils die drei Erstplatzierten lösen das Ticket für das Finale am 3. August. Ging der Derby-Sieg 2013 an den niederländischen Fahrer Robin Bakker und Tiger Woods As, trägt auch 2014 ein Holländer die Favoritenbürde. Arnold J. Mollema und sein Hengst Expo Express sind, wie der Berliner Zuschauer gern sagt, die wohl aussichtsreichste Fuhre. „Klar, das Derby lockt gewaltig. Expo Express ist in bestechender Form und läuft gern in Mariendorf. Es dürfte jedenfalls allen Mitbewerbern klar sein, das wir beim Derby ein Wort mitreden wollen“, sagt der Mann aus Wolvega.

Schon zwei große Siege

Zuletzt siegten die beiden beim Buddenbrock-Rennen am 6. Juli. Glückt ein Derby-Sieg, wäre es die begehrte Dreifach-Krone für das Gespann: Adbell-Toddington-Rennen, Buddenbrock und Derby in einem Jahr.

Noch ganz im Zeichen der Fußball-WM wird die Derby-Woche bereits am Sonnabend eröffnet. Ab 12.45 Uhr gibt es eine Samba-Show, danach beginnen die sechs Vorläufe zum Stuten-Derby, das traditionell am Tag vor dem Derby ausgetragen wird. 47 Pferdedamen kämpfen ebenfalls um zwölf Finalplätze. Die eine, glasklare Favoritin gibt es hier aber nicht.

Gleich mit fünf Pferde-Ladys ist da der Berliner Thorsten Tietz in den Vorläufen am Start. Der 38-Jährige gewann das Finale 2012 mit Georgina Corner. Fürs Deutsche Derby hat er kein Pferd. Heinz Wewering spannt in Mariendorf sechs Mal an (zweimal bei den Stuten-, vier Mal in den Derby-Vorläufen) und Maik Esper, dritter Berliner Fahrer, sucht fünf Mal sein Glück (davon zweimal bei den Stuten). Esper ist nach einem mehr als zehnjährigen Aufenthalt in Italien, wo er nicht nur als Fahrer, sondern auch als Trainer gearbeitet hatte, seit etwa drei Jahren in Berlin. Die Liebe hat es möglich gemacht.

Insgesamt warten rund 1,1 Millionen Euro Preisgeld auf die Fahrer, Trainer und Besitzer. Allein 370.000 im Deutschen Derby und 185.000 im Stuten-Derby. Inklusive aller Rahmenrennen gehen in Berlin rund 800 Pferde an den Start. Für die Wetter reicht das Angebot von der einfachen Siegwette bis hin zur V5-Wette, in der die Sieger aus fünf Rennen vorausgesagt werden müssen – am Ende steht dann eine Garantieauszahlung von mindesten 10.000 Euro. Ein Glückspilz wird in einem Renault Fluence ZE (Wert: 26.000 Euro) heimfahren. Der Wettumsatz 2013 lag bei rund 2,3 Millionen Euro. „Wir hoffen diesmal auf eine Steigerung, weil uns im Vorjahr das enorm heiße Wetter einen Strich durch die Rechnung bei den Besucherzahlen gemacht hat“, sagt Geschäftsführer Andreas Haase.

Im Vorfeld der wichtigsten Mariendorfer Woche gab es umfangreiche Arbeiten am Geläuf. „Wir haben einige Bodenschichten abgetragen, bei denen durch die Belastung der Sand bereits so feinkörnig war, dass sich bei Regen regelrecht Schlamm, Pfützen und Rinnen gebildet haben“, so Haase. „Danach kamen ein bis eineinhalb Zentimeter sogenannter Laufsand drauf und die Bahn wurde ausgiebig getestet. Alles sollte perfekt sein. Die Innenspur, die bei einer Komplettsanierung der Bahn neu aufgebaut werden muss, ist momentan gesperrt. Die Bahn ist aber komplett neu vermessen, Distanzen und Zeitnahme entsprechen den internationalen Anforderungen.

Abseits der Rennstrecke wird am 2. August die Jährlings-Auktion abgehalten. 78 Pferde stehen im Angebotskatalog. Die Mariendorfer Auktion kann der Startschuss in eine erfolgreiche sportliche Zukunft sein. Das beweisen die Derby-Sieger Tiger Woods As (2013), Lobell Countess (2011) und Lotis Photo (2007), die allesamt in Berlin in den Ring geführt wurden und dort ihre Besitzer fanden.