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Berlins Frauen und ihr Schwarm

Spreefüxxe haben den Bundesligakader beisammen, suchen aber noch Unterstützer

Die Masse macht’s. „Es ist leichter 50 Menschen zu finden, die 1000 Euro geben, als einen, der 50.000 Euro auf den Tisch legt“, sagt Britta Lorenz, die Managerin der Füchse-Frauen. Am Ende aber kommt dasselbe dabei heraus. Weil große Sponsoren auch nach dem Aufstieg in die Bundesliga nicht Schlange gerade stehen, geht der Handballklub in diesem Jahr einen neuen Weg, um an Geld zu gelangen. Crowdfunding, zu deutsch Schwarmfinanzierung, heißt das Konzept, bei dem das Kapital über eine Vielzahl an Geldgebern über ein Onlineportal zur Verfügung gestellt wird.

„In Berlin gibt es 124 Bundesligisten. Es herrscht ein ständiger Kampf um Sponsoren und Unterstützung“, erklärt Lorenz. „Wenn man ehrlich ist, ist der Berliner Sportmarkt sehr männerorientiert. Das meiste Geld geht ohnehin an die sechs großen Profiklubs.“ Vor diesem Hintergrund entstand die Idee des Crowdfunding. Das Ziel sind 50.000 Euro bis Mitte August, die zur Finanzierung des Spielbetriebs, die höheren Reisekosten und für den Nachwuchs eingesetzt werden sollen. Die Spreefüxxe wollen verstärkt in ihre Jugendarbeit investieren, um sich in Zukunft teure Spielerverpflichtungen von außerhalb sparen zu können. In der Vergangenheit verließen viele Talente die Stadt, weil sie hier keine Perspektive sahen. Diesen Aderlass will Lorenz künftig verhindern. Fast wehmütig schaut sie auf die Kader der anderen Bundesligateams: „Mit all den Berlinerinnen, die in der ersten Liga spielen, würde man wahrscheinlich unter die besten Vier kommen“, so die Managerin.

Bislang sind von den angepeilten 50.000 Euro noch nicht mal 1500 Euro zugesichert worden. Erst 19 Personen unterstützen die Aktion, darunter auch Familienangehörige einiger Spielerinnen. Lorenz bleibt trotzdem zuversichtlich: „Wir haben die Sache bislang noch nicht groß publiziert“, sagt sie – auch weil sich wegen der Fußball-WM sowieso kaum jemand in den Medien dafür interessiert hätte. „Die ersten Spender waren allesamt Fans, die auch sonst regelmäßig die Spreefüxxe-Homepage besuchen“, glaubt Lorenz. Sie versichert, dass die Saison in der Bundesliga auch dann gesichert ist, falls das Geld nicht zusammenkommt. Wenn auch in einer abgespeckten Version.

Der Kader für das Abenteuer Bundesliga ist dabei weitestgehend komplett. Vier Spielerinnen wurden im Sommer geholt, maximal eine weitere soll noch kommen. Der vermeintlich spektakulärste Transfer war die Verpflichtung von Torhüterin Julia Plöger vom HC Leipzig, die als frischgebackene Pokalsiegerin an die Spree kommt. Vom Zweitligisten Harrislee wechselt die schwedische U20-Nationalspielerin Daniela Gustin nach Berlin, die bei den Spreefüxxen mit Landfrau Frida Tegstedt für Tore sorgen soll. Sie ist ebenfalls Nationalspielerin und spielte bislang für den Schwedens Serienmeister IK Såvehof. Ihr Freund Jesper Nielsen geht bereits seit einem Jahr für die Füchse-Herren auf Torejagd. Vierter Neuzugang ist Susann Linke vom Frankfurter HC, dem Ex-Klub von Füchse-Spielführerin Christine Beier. Diese verlängerte in Berlin ebenso wie Nationalmannschaftskollegin Natalie Augsburg, letztere sogar gleich für zwei weitere Jahre. Die meisten anderen Leistungsträger aus der Aufstiegssaison konnten ebenfalls gehalten werden.

Seit Montag ist die Mannschaft von Trainer Lars Melzer in der Vorbereitung. Nach einem Trainingslager in Naumburg folgen Turniere in Dänemark und in Altlandsberg sowie ein Freundschaftsspiel gegen Union Halle-Neustadt. Am 6. September beginnt dann die Saison in Koblenz. Danach kommt es knüppeldick für den Aufsteiger: An den ersten fünf Spieltagen geht es gegen Meister Thüringer HC, der vorige Saison ohne Niederlage blieb, Pokalsieger Leipzig und Europapokalteilnehmer Buxtehude. „Ich habe erst schlucken müssen, als ich den Spielplan sah“, sagt Lorenz. Das Ziel der Füchse-Frauen ist der Klassenerhalt.