Konflikt

Liga-Start in der Ukraine versetzt Spieler in Angst

Douglas Costa hatte schlicht Angst. Angst um sein Leben. Der Krieg im Osten der Ukraine schreckte den Brasilianer vor der Rückkehr zu seinem Klub Schachtjor Donezk.

Es sei ein „tödliches Risiko“, wenn er zusammen mit seinen fünf Teamkollegen in die Region zurückkehre, in der seit Wochen Raketen einschlagen, Panzer durch die Straßen rollen und schwer bewaffnete Kämpfer regieren. An Fußball ist dort nicht zu denken.

Die ukrainische Premier League soll dennoch am Freitag starten, dem nationale Verband FFU sind im Ringen um Normalität alle Mittel recht. So spielt der Meister aus der Industriestadt Donezk, wo vor zwei Jahren noch ein Halbfinale der EURO 2012 stattfand, im rund 1000 Kilometer entfernten Lwiw – weit weg von der russischen Grenze. Das erste „Heimspiel“ gegen Metalurg Saporoschje ist für Sonntag terminiert.

„Wir werden in Kiew trainieren und leben, und die Arena Lwiw wird unser Heimstadion“, sagte Trainer Mircea Lucescu. Auch die drei anderen Vereine aus der von prorussischen Separatisten kontrollierten Region, Metalurg Donezk, Olimpik Donezk und Soria Luhansk, müssen in andere Städte ausweichen. Die beiden Krim-Vereine Tawrija Simferopol und FC Sewastopol spielen nach der Annektierung der Halbinsel durch Russland gar nicht mehr erst mit.

Die Vorstellung von jubelnden Fans in gefüllten Stadien bleibt trotz aller Maßnahmen grotesk. Zuletzt hatte der Abschuss der Passagiermaschine der Malaysia Airlines mit 298 Toten die Krise verschärft, im Osten Donezks wurden am Mittwoch zwei ukrainische Kampfflugzeuge vom Himmel geholt. Die Europäische Fußball-Union (Uefa) untersagte vorsorglich alle Spiele zwischen russischen und ukrainischen Teams.

„Es ist unvernünftig, sich in einem Land aufzuhalten, in dem niemand für unsere Sicherheit garantieren kann“, sagte der frühere Bayern-Profi José Ernesto Sosa, der eine Rückkehr zu Metalist Charkow verweigerte. Und Costa stellte klar, „dass ich den Verein nicht im Stich lasse“. Er und seine Mitspieler, die sich dem Vernehmen nach in der Schweiz aufhalten, „wollen beiben, aber wir brauchen sichere Arbeitsbedingungen“, so der 23-Jährige. Klubpräsident und Oligarch Rinat Achmetow, der zwischenzeitlich mit Konsequenzen gedroht hatte, geht von einer baldigen Rückkehr seiner Profis aus. „Wir sind bereit, Sicherheit zu gewährleisten“, sagte er.

Der FC Kopenhagen bat die Uefa um die erlegung des Qualifikationsspiels zur Champions League bei Dnjpr Dnjpropetrowsk, das nun ebenfalls in Kiew ausgetragen wird. „Wir haben kein Problem mit der Stadt oder dem Klub“, sagte ein Sprecher der Dänen: „Aber niemand kann eine stabile Lage garantieren.“