Leichtathletik

Am liebsten ein Familienausflug

Etliche Berliner Leichtathleten kämpfen am Wochenende noch um ein EM-Ticket, darunter auch Robert Hartings Bruder

Alle wollen nach Zürich. Zumindest die deutschen Spitzen-Leichtathleten, für die die Europameisterschaft (12. bis 17. August) in der Schweiz der Saisonhöhepunkt ist. Die schier unglaublich hohe Zahl von 93 Athleten, die die Norm des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) bisher schon geschafft haben, deutet auf ein hohes Leistungsniveau der deutschen Läufer, Springer und Werfer hin. „Das wird das größte EM-Aufgebot seit 15 Jahren“, freut sich DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen. Vergessen darf man andererseits aber nicht, dass die geforderten Qualifikationsleistungen ein Stück unter den Normen für Weltmeisterschaften und Olympische Spiele angesiedelt sind.

Die letzte Chance, sich noch das Ticket für die EM zu sichern, haben die Athleten jetzt bei den Deutschen Meisterschaften in Ulm, die am Freitag mit den Kugelstoß-Wettkämpfen auf dem Münsterplatz beginnen und bis zum Sonntag dauern.

Ein halbes Dutzend Berliner Athleten dürfte in Zürich dabei sein, aber nur wenige haben ihren Platz schon ganz sicher. Da ist natürlich der Herr der Ringe, Diskuswerfer Robert Harting (SCC), Olympiasieger, Welt- und Europameister. Oder Hammerwerferin Betty Heidler, die in ihre Heimatstadt Berlin zurückgekehrt ist, allerdings noch für Eintracht Frankfurt startet. Dennis Krüger (Fortuna Marzahn) hat erst gerade die 800-Meter-Norm klar unterboten und seine persönliche Bestzeit auf 1:45,79 Min. gedrückt. Sprinter Lucas Jakubczyk (SCC) lief in dieser Saison schon starke 10,07 Sekunden über 100 Meter, einen Staffelplatz hat er wohl sicher, um die drei Plätze für den Einzelstart kämpfen insgesamt sechs Normerfüller.

Seit Donnerstag muss sich auch Diskuswerferin Julia Fischer (SCC) keine großen Sorgen mehr machen. Die Freundin von Harting war eine von vier Werferinnen, die die Norm geschafft hatte. In Ulm hätte es einen Kampf dieses Quartetts um die drei Plätze gegeben. Doch nun beendete die Jahresbeste Nadine Müller die Saison. „Ich habe gemerkt, dass es keinen Sinn macht“, meinte Müller, der in Topform durchaus eine EM-Medaille zuzutrauen gewesen wäre. „Ich muss meine entzündenden Sehnen erst einmal auskurieren.“

Weitspringerin Melanie Bauschke (LAC Olympia) hat mit 6,72 Meter die Norm (6,70) zwar erfüllt, das gilt allerdings auch für drei Konkurrentinnen. In Ulm fällt nun die Entscheidung. Die Norm noch nicht geschafft hat Christoph Harting (SCC), Roberts jüngerer Bruder. Ihm geht es so wie dem Vize-Europameister 2010 über 1500 Meter, Carsten Schlangen (LG Nord), der bisher knapp an der Qualifikationszeit vorbeischrammte. Raul Spank (LG Nord), 2009 WM-Dritter im Hochsprung, dürfte indes keine Chance haben. Nach langer Verletzungszeit ist er mit bisher übersprungenen 2,17 Meter ganz weit von der Norm (2,28) entfernt.

Titelverteidiger Harting ist EM-Favorit, Heidler, eventuell Jakubczyk mit der Sprintstaffel sind Medaillenkandidaten. „Wir wollen unter die Top drei im Medaillenspiegel“, hat DLV-Präsident Clemens Prokop als Ziel ausgegeben.