Saisonvorbereitungen

Hertha zeigt sein neues Gesicht

Mit sechs Zugängen in der Startelf spielt der Bundesligist remis gegen den PSV Eindhoven

Jos Luhukay lobte seinen Kollegen Phillip Cocu, der Trainer des PSV Eindhoven lobte Hertha BSC. Es war ein ansehnliches Testspiel, dass sich die beiden Klubs lieferten. Der Vergleich Bundesliga gegen Eredivisie im Amateurstadion des Olympiaparks endete 1:1 (1:0). Ein Resultat, mit dem alle leben konnten.

Der PSV spielte mit einem Trauerflor. Vor der Partie gab es eine Gedenkminute für die 298 Opfer des Fluges MH 17 im Osten der Ukraine, die meisten von ihnen waren Niederländer. Vor 3026 Zuschauern zeigte sich dann die neue Hertha. Trainer Jos Luhukay hatte alle sechs Zugänge, die bereits im Training sind, in die Startelf beordert.

Szenenapplaus für Haraguchi

Für Aufsehen sorgten besonders die schnellen Außen. An Geschwindigkeit hatte es den Berlinern in der Rückrunde (mit Ausnahme von Adrian Ramos) gemangelt. Nach den Eindrücken dieser Vorbereitungspartie wird sich das ändern. Auf der linken Seite erhielt Genki Haraguchi mehrfach Szenenapplaus. Der Japaner, von Urawa Red Diamonds gekommen, besitzt einen fulminanten Antritt und riss mehrfach empfindliche Lücken in die Abwehr des PSV. Auf der rechten Außenbahn präsentierte sich Roy Beerens bei seinem Berlin-Debüt als Angreifer vom Typ hakenschlagender Hase. Ein agiler, wuseliger Spieler. Es war kein Zufall, dass Beerens maßgeblich beteiligt war an der Hertha-Führung. Einer seiner schnellen Antritte in den Strafraum der Niederländer wurde per Foul gestoppt – Elfmeter. Jens Hegeler, ebenfalls ein Neuer, scheiterte zwar an PSV-Torwart Jeroen Zoet. Doch den Abpraller nahm gedankenschnell Haraguchi auf, tankte sich am Gegenspieler vorbei und legte für John Heiting auf. Der zog sofort aus zehn Metern ab und versenkte den Ball im langen Eck, 1:0 (14.).

Eigentlich war Heitinga, zuvor beim FC Fulham, wegen seiner Qualitäten als Innenverteidiger verpflichtet worden. Trainer Luhukay registrierte wohlwollend, dass der 87malige niederländische Nationalspieler auch Tore schießt. „John ist ein erfahrener, abgeklärter Spieler“, sagte Luhukay, „er hat Präsenz und Ausstrahlung.“

Heitinga gab einen umsichtigen Abwehrchef mit Sebastian Langkamp. Auch Marvin Plattenhardt, der neue Linksverteidiger, löste die eine oder andere knifflige Situation mit Übersicht. Bei Hertha standen eine Stunde die beiden Vierer-Ketten sehr eng und gut. Der PSV, immerhin Starter in der Europa League, tat sich lange schwer, Chancen herauszuspielen. Den Vorbereitungsstatus sah man bei Julian Schieber, der es als Sturmspitze schwer hatte. Der Ex-Dortmunder stand meist gegen zwei oder drei Verteidiger.

Nach längeren Verletzungspausen setzten Hegeler und Alexander Baumjohann die Belastung zu. Sie machten nach 75 Minuten Platz für Louis Samsons und Ronny. Der Brasilianer ist nach wie vor Publikumsliebling, er hatte kurz vor dem Ende einen Treffer auf dem Fuß, doch PSV-Torwart Zoet lenkte den Ball um den Pfosten. Dafür traf auf der Gegenseite der Ex-Gladbacher Luuk de Jong zum 1:1-Endstand (86.).

„Ich bin sehr zufrieden“, sagte Luhukay, „vor allem in der ersten Hälfte hatte das Spiel ein hohes Tempo, beide Seiten hatten Chancen. Alle unseren Neuen konnten sich den Fans präsentieren und mit gelungenen Aktionen auf sich aufmerksam machen.“

Heute startet Zugang Stocker

Damit müssen einige Herthaner, die vergangene Saison Stammkräfte waren, um ihre Anteile kämpfen. Johannes van den Bergh wurde im Mittelfeld eingewechselt. Änis Ben-Hatira kam gar nicht zum Einsatz.

Und der Konkurrenzkampf im Kader wird sich weiter verschärfen. Heute nimmt mit dem Schweizer WM-Fahrer Valentin Stocker der nächste Zugang das Training auf. Auch US-Nationalspieler John Brooks kehrt nach seinem Abenteuer in Brasilien heute zurück.

Die Verpflichtung von Heitinga bereite ihm keine Sorge, sagte Brooks im „Kicker“. „Ich war nicht ansatzweise irritiert, dass so ein großer Name für meine Position geholt wurde. Im Gegenteil: Ich freue mich, ich kann viel von ihm lernen.“