Neuzugang

Lizenz zum Träumen für 80 Millionen Euro

Real Madrid verpflichtet nach Toni Kroos auch Kolumbiens WM-Helden James Rodriguez

Am Sonntag war es noch ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Nizza, aber schon der hatte es in sich. Da konnte sich James Rodriguez hinter noch so einer großen Sonnenbrille verstecken, natürlich erkannte ihn der halbe Madrider Flughafen, bat um Fotos und Autogramme. Als warte die Stadt auf nichts sehnlicher als auf Ankunft des 23-Jährigen. Der Kolumbianer jedenfalls spielte brav mit, eine Unterschrift hier, einmal nett in die Kamera lächeln dort. Nur verkünden wollte er noch nichts.

Zwei Tage später nun war er wieder da, diesmal ohne Tarnung. Keine Sonnenbrille, kein Käppi, im T-Shirt seines Ausrüsters ließ er sich ablichten. Es gab ja auch nichts mehr zu verbergen, seit Dienstag ist der teuerste Transfer des Sommers auch offiziell. Am Mittag der obligatorische Medizincheck, wenig später die Unterschrift in der Präsidentenloge des Stadions und am Abend die Präsentation im Santiago Bernabeu mit all dem dazugehörigen Tamtam. Für 80 Millionen Euro wechselt Kolumbiens WM-Held James Rodriguez vom AS Monaco zu Real Madrid. „Das elfte Wunder“, titelte Spaniens Sportzeitung „Marca“. Nach dem zehnten Champions-League-Triumph im Mai ist die Marschrichtung klar.

„Für mich ist ein Traum wahr geworden. Ich möchte viele Titel gewinnen“, sagte Rodriguez bei der Stadion-Show. In pinken Schuhen schoss er Fußbälle auf die Ränge und ging auch souverän damit um, als zwei Fans zu ihm auf den Platz stürmten. Die Eckdaten seines Vertrages geisterten schon seit Tagen durch die Presse, seine Vertragslaufzeit bis Ende Juni 2020 etwa, und dass James künftig mit der Rückennummer zehn auflaufen wird. Jener Rückennummer, die seit dem Weggang von Mesut Özil vakant war und die mit so viel Mythos im Fußball verortet ist, weil sie traditionell den Spielmachern gehört.

Für 45 Millionen Euro hatte ihn der AS Monaco 2013 von Porto geholt. Doch Monaco ist eben Monaco, ohne große Tradition und fernab der internationalen Bühne. Die aber bot sich James bei der WM. Mit jedem Match in Brasilien rückte er mehr ins Rampenlicht. Fünf Spiele, sechs Tore, Torschützenkönig, das sind die Fakten dieses Mannes, der sich normalerweise mehr als Vorbereiter denn als Torschütze versteht.

Mit 80 Millionen Euro Ablöse ist er der drittteuerste in der Historie von Real. Nur für seine Offensivkollegen Cristiano Ronaldo und Gareth Bale hat der Klub einst mehr berappen müssen. Ins Konstrukt von Trainer Carlo Ancelotti passt James jedenfalls perfekt, ebenso wie der Wechsel Toni Kroos. Er wolle vom Konterfußball unter Jose Morinho zurück zum Dominanzfußball, hatte Ancelotti schon beim Amtsantritt im Vorjahr verkündet. Ein spielstarkes Mittelfeld ist dafür elementar. Dass als Gegenfinanzierung wohl der Argentinier Angel Di Maria und der deutsche Weltmeister Sami Khedira gehen müssen, scheint nicht zu stören.