Motorsport

55 Millionen Euro für Rosberg

Mercedes verlängert den Formel-1-Vertrag mit dem Deutschen um mindestens zwei Jahre

Die Entscheidung kommt überraschend, aber nicht völlig unerwartet. Mercedes verlängert den noch bis zum Ende der Saison 2015 laufenden Vertrag mit Nico Rosberg und überweist dem 29 Jahre alten Deutschen für die kommenden drei Jahre nach Informationen der „Bild“ 55 Millionen Euro. Rosberg, gerade frisch verheiratet, WM-Spitzenreiter und damit potenzieller Titelkandidat, geriet ins Schwärmen. „Es ist einfach eine tolle Woche für mich: Ich habe eine wunderschöne Frau geheiratet, beim WM-Sieg der Fußballer mitgezittert und gefeiert ohne Ende“, sagte Rosberg zur Vertragsunterzeichnung: „Die Krönung wäre jetzt noch ein Sieg am Sonntag.“ Also beim Heimspiel, dem Großen Preis von Deutschland auf dem Hockenheimring (14 Uhr, RTL und Sky). Die offizielle Stellungnahme von Mercedes-Sportchef Christian Wolff fällt ein wenig staatstragender aus.

„Nico ist seit dem ersten Tag Teil des Silberpfeil-Projekts. Seit dem Jahr 2010 hat er einen großen Teil zur Entwicklung des Teams beigetragen. Sein Speed, sein Engagement und seine Konzentration haben dabei geholfen, eine eindeutige Richtung vorzugeben und das Team vorwärts zu bringen. Mit seinen Leistungen in der Saison 2014 hat Nico der ganzen Welt gezeigt, was wir innerhalb des Teams schon längst wussten: Er gehört zu den absoluten Spitzenfahrern in der Formel 1“, so der 44-jährige Österreicher. Und weiter: „Dieser neue Vertrag sichert uns wichtige Stabilität und Kontinuität für die Zukunft. Ich bin sehr erfreut, dies rechtzeitig zum Heimrennen von Mercedes-Benz und Nico in Hockenheim bekannt geben zu dürfen.“

Begeisterung für den Sohn des Formel-1-Weltmeisters von 1982, Keke Rosberg? Oder doch Kalkül, um zu vermeiden, dass sich der Blondschopf am Ende der Saison 2014 mit dem Titel in der Tasche zu einem finanziell potenten Mitbewerber wie Ferrari, Red Bull oder McLaren verabschiedet? Bei Ferrari steht das weitere Engagement von Zweifach-Weltmeister Fernando Alonso (Spanien) infrage. Und auch um Sebastian Vettel gibt es, sehr verhalten, Spekulationen, ob er sich eine weitere miese Saison bei Red Bull zumuten will.

Nach seinem Auftaktsieg in Australien musste Rosberg gleich vier Mal in Folge (Malaysia, Bahrain, China und Spanien) ertragen, dass sein Teamkollege Lewis Hamilton den obersten Platz auf dem Siegertreppchen für sich beanspruchen konnte. Der 29 Jahre alte Brite war, selbst wenn es offiziell nicht so ausgesprochen wurde, der angesagte WM-Kandidat bei den Silberpfeilen. Doch Rosberg meldete sich eindrucksvoll zurück, siegte in Kanada und Österreich. Fest steht: Die teaminterne Stellung von Nico Rosberg hat sich deutlich verbessert. Seit 2010 gelangen dem Wahl-Monegassen sechs Siege und 17 Podestplätze. Dazu kommen noch acht Polepositionen.

Auch die Sticheleien, Unmutsäußerungen und Vorwürfe seines Teamkollegen nach dem Abschlusstraining in Monaco, als Rosberg nach einem Bremsfehler für eine Gelbphase gesorgt hatte, die Hamilton nach dessen Auffassung die Chance auf die Poleposition geraubt habe, ließen ihn kalt. Die Situation in der laufenden WM-Saison hat sich nach seinem Ausfall in Silverstone beim gleichzeitigen Hamilton-Sieg aber nicht vereinfacht. Zumal der Brite verbal erneut austeilte. „Rosberg ist kein Deutscher. Er ist deutsch-finnisch-monegassisch oder so etwas“, sagte Hamilton und schob nach: „Er hat sich nie neben eine deutsche Fahne gestellt, nicht einmal.“ Nico Rosberg wurde in Wiesbaden geboren, seine Mutter Sina ist Deutsche, Vater Keke ist Finne und er ist in Monaco aufgewachsen. Dort wohnt er bis heute – sein Nachbar heißt übrigens Lewis Hamilton.

Vorläufig keine Teamorder

Mit Blick auf das anstehende Wochenende gibt sich der WM-Spitzenreiter (165:161 Punkte) optimistisch, auch wenn er in der Formel 1 auf dem Kurs in in Hockenheim noch nie über Rang acht hinauskam: „Hockenheim ist die Strecke, auf der ich im Verlauf meiner Karriere in den Nachwuchsserien die meisten Rennen gewonnen habe“, sagt er und kündigt an: „Natürlich würde ich gern einen Formel-1-Sieg hinzufügen!“

Vorläufig, so zumindest sieht es Mercedes-Aufsichtsrat Niki Lauda, sollen Rosberg und Hamilton nicht an die Leine genommen werden - auch nicht in Hockenheim. „Wollten wir wirklich eingreifen, hätten wir das von Anfang an tun können, aber das haben wir nicht“, so der 65-jährige Österreicher. man geht kein allzu großes Risiko ein, wenn man zum Saisonende dagegen wettet. Denn Mercedes Vorstandschef Dieter Zetsche lässt keinerlei Zweifel aufkommen, dass 2014 nur der Gewinn des Fahrer- und Teamtitels die Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe rechtfertigt. Das heißt wiederum, das die Startnummer eins 2015 auf einem Silberpfeil zu sehen sein muss.