Basketball

Zurück nach Hause

Alba verpflichtet Niels Giffey, der einst seine Heimat Berlin in Richtung US-College verließ

Im Spielerparadies Las Vegas gab Niels Giffey sein Ja-Wort. Nein, der Basketballspieler hat nicht etwa geheiratet, sondern sich für drei Jahre an Champions-League-Teilnehmer Alba Berlin gebunden. Künftig wird er für den Klub spielen, den er 2010 verließ, um sich den Traum vom Studium und einer Basketballkarriere in den USA zu erfüllen. Jetzt, nachdem der 23-Jährige 2011 und 2014 College-Champion mit dem Team der University of Connecticut geworden ist, kehrt der verlorene Sohn zurück in seine Heimatstadt.

„Es ist super, dass es geklappt hat“, erklärte Albas Sportdirektor Mithat Demirel am Mittwochmittag nach seiner Rückkehr aus den USA nicht ohne Stolz. Er war dabei gewesen, als Giffey in den vergangenen Tagen erst in Orlando und dann in Las Vegas in der NBA-Summerleague gespielt hatte. Giffey hatte immer noch die leise Hoffnung gehabt, nach dem Ende seiner vierjährigen College-Zeit in der besten Liga der Welt unterzukommen. Doch vor Monaten hatte der Realist bereits erklärt: „Meine Zukunft liegt wohl eher in Europa.“ Eine Zukunft, die jetzt in Las Vegas besiegelt wurde.

Der Flügelspieler ist sehr vielseitig. Sein Repertoire umfasst nicht nur die Positionen Shooting Guard und Small Forward, bis auf Center kann der 2,00 Meter große Giffey eigentlich alles spielen. „Es gibt nicht viele Deutsche, denen man zutrauen kann, dass sie sich auf höchstem Niveau noch weiterentwickeln“, sagte Albas Geschäftsführer Marco Baldi. Er sprach von einem „heißen Rennen“. Alle deutschen Spitzenklubs und auch ausländische Vereine wollten Giffey gern verpflichten.

„Es gab viele verlockende Angebote“, berichtete auch Demirel. „Viel Unruhe von links und rechts.“ Die Konkurrenten, die auch um den Nationalspieler buhlten, wussten natürlich, dass die Affinität von Giffey zu Berlin nicht zu unterschätzen war. Demirel war sich sicher: „Am Ende hat er auf sein Herz gehört.“ Wobei der Vertrag, den die Berliner vorgelegt haben, sicherlich auch gut dotiert sein wird. Der Kontrakt enthält eine Ausstiegsklausel für die NBA.

Vertrag über drei Spielzeiten

„Ich freue mich darauf, wieder bei Alba zu spielen“, sagte Giffey, der noch bis zum Wochenende in Las Vegas bleiben und für die Utah Jazz in der Summerleague zum Einsatz kommen wird. Dann wird er nach Berlin zurückkehren. „Das Alba-Konzept, teamorientierten und intensiven Basketball zu spielen, gefällt mir sehr gut“, nannte er einen Grund für den Zuschlag. Und: „Es bedeutet mir außerdem sehr viel, wieder in der Heimat und bei meinen Eltern zu sein.“

Vor vier Jahren hatte Alba darum gekämpft, dass Giffey beim Klub bleibt und nicht in die Staaten geht. Doch damals fand der junge Mann in Berlin keine Situation vor, in der junge deutsche Spieler wirklich aufgebaut und mit Geduld ins Profiteam eingebaut wurden. Das hat sich nach dem Umdenken bei Alba im vergangenen Sommer geändert. Auch das wird ein Punkt gewesen sein, der Giffey zu seinem Wechsel motiviert hat. Demirel sprach von einer „längeren Reise, die jetzt erst einmal zu einem Abschluss gekommen ist, die aber natürlich weitergeht“. Nie war der Kontakt zwischen Alba und Giffey abgerissen. Unzählige Male in den vergangenen Jahren trafen sich der Spieler und Albas Sportdirektor in den USA „oder an vielen anderen Ecken der Welt“.

Niels Giffey lernte das Basketball-Einmaleins beim BBC und bei den Marzahner Bären. In der Saison 2007/2008 spielte er bei TuS Lichterfelde, der damals noch Albas Kooperationspartner in Sachen Nachwuchsarbeit war. Dort wurde er von Matej Mamic trainiert. Nachdem Alba seine Jugendarbeit in eigene Hände genommen hatte, spielte er dort von 2008 bis 2010.

Mit der U19-Mannschaft, gecoacht von Henrik Rödl, wurde er 2009 Deutscher Meister in der Nachwuchs-Bundesliga (NBBL). Rödl beschrieb seinen einstigen Schüler einmal so: „Er ist ein vielseitiger Flügelspieler, intelligent, angenehm und ehrgeizig.“

Am College in Connecticut schrieb sich Giffey in „Economic Geography“ ein, ein Fach, das Geografie und Wirtschaftswissenschaften klammert. Und er startete auch beim Basketball durch. Im ersten Jahr wurde er gleich US-College-Champion mit seinem Team, „Huskies“ genannt. Ein Triumph, den er im vergangenen März wiederholte. Wobei er diesmal eine größere Rolle spielte als 2011. Beim 60:54 gegen Kentucky im Finale stand er 25 Minuten lang auf dem Feld, erzielte zehn Punkte und angelte sich fünf Rebounds.

Weitere Verpflichtungen folgen

„Er wird bei uns eine zentrale Rolle spielen“, kündigte Baldi an. Die Personalie Giffey sei eine „sehr wichtige Entscheidung“ gewesen. Da der Transfer nun über die Bühne sei, „wissen wir genau, was wir jetzt zu tun haben“. Weitere Verpflichtungen werden folgen. Wobei Demirel gleich einschränkte, dass man im Zweifelsfall q„nicht die finanziellen Argumente wie andere“ habe. Es gelte, „geduldig“ zu sein. Nicht jeder Profi hört bei einem Wechsel eben auf sein Herz.